Fritz Wenigwieser ist Chef der Franzsikaner für den ganzen deutschen Sprachraum. Die Franziskaner vermeiden das Wort "Chef". Der Chef muss Diener sein. Fritz Wenigwieser praktiziert diese Haltung. Er ist einfach und bescheiden, dabei aber ernsthaft und radikal.
Franz von Assisi forderte von seinen Mitbrüdern kein Geld zu nehmen, es nicht einmal zu berühren. Fritz Wenigwieser nahm auch diese Forderung ernst ... Er ging ohne Geld nach Jerusalem. Hier sein Bericht ...
Ich war auf einer Reise zu Fuß und ohne Geld von Italien nach Jerusalem. Grundsätzlich unterscheiden wir einen Pilger vom Vagabunden und Touristen. Der Pilger hat im Gegensatz zum Vagabunden ein konkretes Ziel vor Augen und macht im Gegensatz zum Touristen eine existentielle Veränderung durch. In früheren Zeiten war es für Pilger üblich, ein Testament zu schreiben, bevor man sich auf den Weg macht: einerseits, weil der Weg gefährlich war und man nicht wusste, ob man die Reise überhaupt überlebt. Und anderseits kann man keine Pilgerreise machen, ohne dass man verwandelt zurückkommt: In gewissem Sinn schließt man am Beginn der Pilgerreise mit dem bisherigen Leben ab. Die dritte Prämisse ist: Das Gepäck muss auf Minimum reduziert sein: 2 Kg (Unterwäsche, Bibel, Zahnbürste, Schlafsack). Ein wichtiges Element ist außerdem der Pilgerstab.
Auf meiner Reise nach Jerusalem war ein Tag einschneidend für mein ganzes späteres Leben. Ich war gerade in Griechenland. Am Vorabend hatte ich in einem Dorf einen Mann kennengelernt, der mir die Möglichkeit gab in seiner Käserei zu übernachten. Aus den uralten Regalen hat er Käseleiber genommen und ich konnte auf einem der leer geräumten Bretter übernachten. Der Mann war freundlich, aber die Situation war ein bisschen skurril. Bei der Polizeikontrolle am nächsten Tag haben mich die Beamten wohl auch geruchsbedingt schnell passieren lassen.
Am nächsten Morgen musste ich über einen Berg. Die Straße war schneebedeckt. Ich machte mich auf den Weg. Niemand war zu sehen. Plötzlich umkreist mich ein Rudel Wilder Hunde. Ich hatte nur den Stock zur Verteidigung. Ich wusste, wenn mich einer beißt, bin ich erledigt. Eine halbe Stunde hielt ich die Hunde in Schach. Währenddessen zog mein ganzes Leben vor mir vorbei. Dann kommt ein Lastwagen daher. Der Fahrer fährt in das Rudel hinein und öffnet die Tür. Ich springe in den Lastwagen. Der Fahrer sprach nur griechisch, aber ich konnte im Schock eh nichts reden. Wir sind über den Hügel. In der Nähe der Meteora-Klöster hat er mich wieder aussteigen lassen.
Ich wollte in einem der orthodoxen Klöster um Übernachtung bitten. Dann erfuhr ich das, was der seraphische Vater Franziskus als „Vollkommene Freude" beschrieben hat. Der Pförtner-Mönch am Kloster hat mich - ich war mit Kutte als Katholik erkennbar - abgewiesen. Im orthodoxen Kloster war kein Platz für einen katholischen Pilger. Ich habe dann im Straßengraben übernachtet und dachte an die Erzählung: Franziskus erklärte einmal, dass die Vollkommene Freude darin bestünde, im Fall einer kalten Abweisung sich nicht zu ärgern.
Nach diesem Tag auf meiner Reise nach Jerusalem wurde mir klar: So wie Israel auf seinem Weg durch die Wüste erfährt, dass es Gott aus der Vernichtung errettet hat, so fühlte ich mich von Gott vor dem Tod errettet. Jedes Mal, wenn ich einen Lastwagen sehe, erinnere ich mich gerne daran, dass ich in meinem Leben auch einmal diese Grunderfahrung des Volkes Israel geteilt habe, insofern mir nur die Hoffnung auf unerwartete Rettung Kraft gegeben hat, in der Bedrohung auszuharren.
Lieber Fritz, danke für diesen Artikel. Ich hätt noch einige Fragen:
Ich würde mich sehr über deine Antworten freuen.
Bis bald,
herzlich, Dein Heini
Ps. ... vielleicht können wir ein spirituelles Seminar mit dir in der GEA Akademie veranstalten ... wär super.
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