Fast Fashion – das ist Mode, die immer billiger und in immer kürzer werdenden Abständen produziert wird. In den Jahren 2000 bis 2016 hat sich die Menge der Textilproduktion weltweit verdoppelt – 2014 wurden erstmals mehr als 100 Milliarden Kleidungsstücke produziert.
Große Textilunternehmen wie Zara, H&M und Primark bringen jedes Jahr bis zu 24 Kollektionen auf den Markt, Deutsche und Österreicher kaufen rund 60 neue Kleidungsstücke im Jahr. Bis zu 40 Prozent der gekauften Kleidung wird laut einem Greenpeace-Report nur wenige Male getragen – oder gar nicht.
In Österreich landen laut einer Studie des Umweltbundesamts aus dem Jahr 2022 jährlich rund 220 000 Tonnen Textilabfälle im Müll. Nur etwa ein Fünftel davon wird über die Altkleidersammlung getrennt gesammelt und nur 17 Prozent wiederverwendet und recycelt. Der überwiegende Teil wird verbrannt, auch von den Herstellern.
Zahlen wie diese stimmen nachdenklich und sie bekommen noch mehr Gewicht, wenn man die Bedingungen, unter denen unsere Kleidung hergestellt wird, berücksichtigt.
Um die Mode möglichst billig produzieren zu können, werden Arbeiter in den Herstellerländern ausgebeutet, 90 Prozent unserer Kleidung wird in China, Bangladesch und Indien hergestellt. Die Näherinnen stehen unter enormem Zeit- und Leistungsdruck, Arbeitsrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung. Auch in südosteuropäischen Ländern wie der Türkei, Rumänien oder der Ukraine, wo Kleidung „Made in Europe“ hergestellt wird, ist die Situation nicht besser.
Die ökologischen Auswirkungen in der Herstellung von Fast Fashion sind ebenfalls katastrophal: Polyester macht bereits einen Anteil von über 60 Prozent der in Textilien eingesetzten Fasern aus. Kunstfasern sind in zweierlei Hinsicht problematisch: Sie werden aus Erdöl hergestellt und beim Waschen lösen sich Mikrofasern – oder auch Mikroplastik – aus der Kleidung. Ausgewaschene Fasern aus synthetischen Kleidungsstücken machen bereits 35 Prozent des Mikroplastikvorkommens in den Meeren aus.
Aber auch die Herstellung von herkömmlicher Baumwolle ist alles andere als umweltfreundlich: Die Herstellung eines einzigen T-Shirts verschlingt 2700 Liter Wasser, um ein Kilogramm Stoff aus Baumwolle zu erzeugen, benötigt man im weltweiten Durchschnitt 11.000 Liter Wasser. Und nirgendwo werden so viele Pestizide verwendet wie in der Baumwollproduktion: Da Baumwolle in Monokultur angebaut wird, braucht es einen hohen Einsatz von Mineraldüngern, Unkrautvernichtungsmitteln und Insektiziden. Die in der Verarbeitung verwendeten Farben und Chemikalien sind ebenfalls oft giftig und gefährden Textilarbeiter. Laut Greenpeace gelten über zwei Drittel der chinesischen Flüsse und Seen als verschmutzt, da Giftstoffe aus den Modefabriken oft ungeklärt abgeleitet werden.
Hier setzt die Detox-Kampagne von Greenpeace mit ihrem Slogan „Entgiftet unsere Kleidung“ an: 79 Modemarken von H&M über Adidas bis hin zu Aldi haben sich Greenpeace gegenüber verpflichtet, Schadstoffe durch ungefährliche Substanzen zu ersetzen – es bleibt jedoch noch viel zu tun.
Eine Alternative zu Fast Fashion bieten nachhaltig agierende Modeunternehmen. Doch denen wird ihr Geschäft nicht immer leicht gemacht, wie die Modeexpertin Lisa Muhr, Expertin für nachhaltige Mode, weiß: „Die Konkurrenz im Modebusiness ist riesig, viele wirklich nachhaltige Unternehmen kämpfen ums Überleben.“ Muhr fordert gesetzliche Rahmenbedingungen, die einen Anreiz bieten, nachhaltiges Unternehmertum zu fördern. „Die versteckten Kosten, die ein Produkt verursacht, wie Schäden an der Umwelt oder an den Menschen, müssten zwingend in den Verkaufspreis mit einberechnet werden. Dann würde es keine Billigstprodukte aus Asien mehr geben und ökologische Produkte wären günstiger als ausbeuterische“, ist Muhr überzeugt. Das langfristige Ziel müsse eine Kreislauf-, Wiederverwertungs- und Reparaturgesellschaft sein.
"Unsere Arbeit wird uns zur Zeit richtig schwer gemacht", ergänzt Heini Staudinger von GEA. "Die Krisengewinner sind die Schuhe aus Asien - dank der Pandemie ist ihr Anteil am Weltmarkt auf 87 Prozent gestiegen." Waldviertler Schuhe werden nachhaltig in Österreich produziert und schaffen Arbeitsplätze. "Unsere Produkte halten lang und wir reparieren auch noch 20 Jahre alte Schuhe", so Staudinger.
Alternativen zu Fast Fashion:
Nachhaltig produzierte Kleidung und Schuhe kaufen: Der „Global Organic Textile Standard“ (GOTS) und IVN Best sind die derzeit glaubwürdigsten Gütesiegel. Kleidungsstücke aus Bio-Baumwolle, wie sie vermehrt in großen Bekleidungsketten angeboten werden, sagen nichts über die Produktions- und Arbeitsbedingungen in der Lieferkette aus
Kleider tauschen oder gebraucht kaufen
Eine günstige Alternative zu neuer Kleidung ist auch Upcycling, Nähkurse gibt es u.a. in der GEA-Akademie. Hier geht's direkt zum Schneiderworkshop.
Buchtipp: Einfach Anziehend, Kirsten Brodde und Alf-Tobias Zahn, Oekom Verlag
Filmtipp: The True Cost
Hier können Sie die Arbeit von Susanne Wolf unterstützen: https://susannewolf.substack.com/about
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