Gegenwind bei Windkraft
Gegenwind bei Windkraft
Susanne Wolf | 16.09.2023 | 3 Minuten

Im Waldviertel, Bezirk Waidhofen/Thaya, sollen gleich fünf neue „Windparks“ mit knapp 50 Windkraftanlagen entstehen – beschlossen hinter dem Rücken der Bevölkerung.

Laut der IG Waldviertel sind im Bezirk Waidhofen an der Thaya in folgenden Wäldern „Windparks“ geplant: Im Radlbachwald, im Hartwald, am Predigtstuhl, am Sieghartsberg sowie in der Wild. Die geplanten Windräder sind bis zu 285 Meter hoch und zählen damit zu den höchsten der Welt. „Diese Höhe ist deshalb notwendig, weil es in dieser Region keine optimalen Windverhältnisse gibt“, erklärt Michael Moser, Sprecher der IG Waldviertel. Die Realisierung würde zu einer kompletten Zerstörung der Nationalparkregion Thayatal führen.

Seit mehr als 10 Jahren wird über Windparks im Waldviertel diskutiert, 2014 erließ Erwin Pröll ein sektorales Raumordnungsprogramm, um den Bau von Windrädern zu regulieren. „Dies verhinderte damals einen totalen Wildwuchs“, so Moser. Nun erfolgt ein neuerlicher Angriff auf die Waldviertler Wälder: Für die nun geplanten „Windparks“ sollen Waldflächen gerodet werden: „Pro Windrad mit den dazugehörigen Zufahrtstraßen für den Schwerlastverkehr sind bis zu einem Hektar Fläche erforderlich“, so Moser.

Gefährdete Vogelarten

Dazu kommt, dass es sich um Naturlandschaften mit einer hohen Biodiversität handelt wie etwa in der „Wild“, einem Hotspot der Artenvielfalt, wie es ihn in Niederösterreich nur noch selten gibt. Dieser Wald bietet zahlreichen gefährdeten Vogelarten, darunter Kranich, Seeadler, Schwarzstorch oder Kornweihe sowie zahlreichen geschützten Fledermausarten ein geeignetes Nahrungsgebiet und wertvollen Lebensraum. „Der Strom wird größtenteils in die Ballungszentren und zu den Verbraucherschwerpunkten exportiert“, so Moser. „Das obere Waldviertel soll zum Flächenkraftwerk transformiert werden.“ Die IG Waldviertel setzt sich für den Erhalt der Wälder ein und möchte durch konkrete Vorschläge und Forderungen an die Politik den Ausbau erneuerbarer Energie im Waldviertel effizient und ohne unnötige Zerstörung von bestehenden Ökosystemen erreichen.

Auch die Umweltorganisation Pro Thayatal spricht sich gegen die geplanten „Windparks“ aus (Homepage im Aufbau). Der erst 2021 erfolgte Bau von vier Windkraftanlagen in Grafenschlag ist höchst umstritten, das Projekt wurde in einem fragwürdigen Verfahren umgesetzt.

Alternativen gefordert

„Wir befürworten den Einsatz von Photovoltaik auf Dächern und Parkplätzen sowie der vorhandenen Biomasse im Waldviertel, lehnen die schwerwiegenden Eingriffe in wertvolle Naturräume wie Wälder jedoch ab“, sagt Michael Moser. Vor allem im zeitlich abgestimmten Repowering (der Modernisierung bestehender Anlagen) liege großes Potential. Unterstützt werden alle Maßnahmen gegen den Klimawandel, die naturverträglich sind und im Einklang mit den Naturschutzgesetzen und den Richtlinien der Europäischen Union für den Natur- und Artenschutz stehen.

Seitens der Gemeinden erfolgten bis jetzt keinerlei umfassende neutrale und sachliche Informationen betreffend des geplanten Ausbaues. Derzeit findet eine Überprüfung der eingereichten Projekte bei der zuständigen Raumordnungsabteilung in St Pölten statt. 250 Anlagen sollen laut Wunsch der Landesregierung in NÖ neu errichtet werden.

Die Bevölkerung hat nur noch bis zum 30. September 2023 die Möglichkeit hier gegen den Bau der Windkraftindustrieanlagen in den Wäldern Einspruch zu erheben.

Auch die Bürgerinitiativen Gegenwind und Lebenswertes Waldviertel setzen sich für den Erhalt der Natur im Waldviertel ein.

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