Die konventionelle Landwirtschaft trägt maßgeblich zur Umwelt- und Klimakrise bei. Eine vielversprechende Alternative ist die ökologische Landwirtschaft – doch ihr Anteil ist noch zu gering.
Die herkömmliche, industrielle Landwirtschaft ist zu einer Last geworden: Monokulturen und Kunstdünger zerstören Böden und verbrauchen große Mengen an Wasser. Pestizide sind verantwortlich für das Sterben von Bienen und Insekten. In der Massentierhaltung werden die Tiere auf engstem Raum gehalten; zudem kommt in wachsendem Ausmaß Soja als Tierfutter zum Einsatz, das dort angebaut wird, wo früher Regenwälder standen.
Diese Form der Landwirtschaft wird von der EU gefördert: Große Höfe bekommen das meiste Geld, und damit die größten Umweltsünder. Kleinbauern kämpfen dagegen ums Überleben. Laut Statistik gab es 1995 noch rund 240.000 land- und forstwirtschaftliche Betriebe in Österreich, 2020 waren es nur noch 160.000. Das heißt im Schnitt: neun Betriebe weniger pro Tag.
In Österreich setzen heute rund 26 Prozent der Bauernhöfe auf Bio-Landwirtschaft, deren Grundprinzip die Kreislaufwirtschaft ist. Das bedeutet: Natürliche Düngung mit Kompost, Tiermist oder Pflanzenresten. Chemisch-synthetische Stickstoffdünger und Phosphate sind verboten, ebenso der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln (Pestiziden).
Die Tierhaltung in der Bio-Landwirtschaft ist artgerecht mit großen Stallflächen, Einstreu und viel Auslauf. Auch das Futter ist biologisch erzeugt, ohne Antibiotika und Hormone. Saatgut und Futtermittel sind gentechnikfrei, ebenso die Verarbeitung.
Diese Art der Landwirtschaft trägt zum Umwelt- und Klimaschutz bei, auch indem sie durch Humusaufbau für gesunde Böden sorgt. In humusreichen Böden wird CO2 gespeichert; natürlich bewachsene Böden, die Wasser speichern können, tragen zudem zur Kühlung bei.
Von der Inflation in Österreich sind Bio-Produkte übrigens weniger betroffen als konventionell angebaute Lebensmittel: Während die allgemeinen Lebensmittelpreise im Vergleich zum Vorjahr um 16,5 Prozent gestiegen sind, zeigen Bio-Lebensmittel nur eine Inflation von 7,5 Prozent. Die Gründe dafür: Regionalität, Unabhängigkeit von Futtermittelimporten und energieaufwändigem Kunstdünger.
Die wahren Kosten von konventionellen Lebensmitteln sind dagegen höher als die Einkaufspreise vermuten lassen: Umwelt-, Klima- und Gesundheitsschäden werden nicht mit eingerechnet. Laut dem Verein Enkeltaugliches Österreich (ETÖ) verursacht die österreichische Landwirtschaft jährlich Schäden von rund 1,3 Milliarden Euro. „Bei den errechneten Kosten handelt es sich unter anderem um Reparaturmaßnahmen, die zum Beispiel durch die Aufbereitung von nitrat- und pestizidkontaminiertem Trinkwasser entstehen“, schreibt ETÖ.
Durch eine Umstellung Österreichs auf 100 Prozent Bio-Landwirtschaft würden die errechneten Kosten um mindestens ein Drittel sinken und es könnten so laut Berechnungen 425 Million Euro eingespart werden.
Laut einer umfassende Studie, die im Fachmagazin "Nature Communications" veröffentlicht wurde, wäre es möglich, die gesamte Landwirtschaft auf nachhaltige Bio-Pproduktion umzustellen und damit die Weltbevölkerung zu ernähren. Das würde aber nur funktionieren, wenn Agrarmethoden und Konsumverhalten sich drastisch änderten: So müssten die Menschen weniger Fleisch essen und weniger Lebensmittel verschwenden. Denn um Fleisch zu produzieren, wird für Tierfutter ein Vielfaches der Fläche benötigt, die man für die Produktion von Obst, Gemüse oder Getreide braucht. Das würde vor allem hierzulande ein Umdenken erfordern: Noch liegen Österreicher und Deutsche mit einem Fleischkonsum von 63 Kilogramm pro Person und Jahr im europäischen Spitzenfeld.
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