Kenzaburo Oe, Nobelpreisträger für Literatur und Pazifist, ist 88 jährig verstorben.
Kenzaburo Oe war nicht nur Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger, sondern auch überzeugter Pazifist, der sich gesellschaftspolitisch engagierte. 1935 in Japan geboren, erlebte er den 2. Weltkrieg mit und wurde vom Atombombenangriff auf Hiroshima und Nagasaki geprägt.
1963 besuchte der Schriftsteller erstmals Hiroshima. 1965 erschienen seine Hiroshima-Notizen, in denen die Hibakushas, die Opfer der Atombombenangriffe, eine wichtige Rolle spielen. Oe macht diese Menschen zu Figuren der Menschenwürde: „Sein Bericht über das Leben der vielen Opfer von Hiroshima und die tapferen Bemühungen derer, die sich um sie kümmerten, sowohl unmittelbar nach der Atomexplosion als auch in den folgenden Jahren, offenbart das schreckliche Ausmaß der Verwüstung“, heißt es in einer Buchrezension. „Es ist ein herzzerreißendes Porträt einer verwüsteten Stadt – das ,menschliche Gesicht‘ inmitten nuklearer Zerstörung.“ Wenig später erschienen die Essays „Der Mensch als das Zerstörte“ und „Imaginationskraft im Kernzeitalter“. Dem Schriftsteller war es in seinen Werken ein Anliegen, „an den Rändern“ zu bleiben und niemals „mit denen zusammenzuarbeiten, die sich im Zentrum befinden und die Macht haben.“
1960 zählte Kenzaburo Oe zu den Mitbegründern der „Wakai Nihon no kai“ (Gruppe Junges Japan), die gegen den japanisch-amerikanischen Sicherheitsvertrag protestierte und sich gegen die Wiederbewaffnung engagierte. Zudem war er Mitbegründer einer Bürgerorganisation, die sich für den Erhalt des Friedensartikels 9 der Nachkriegsverfassung einsetzt. „Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war es uns ein kategorischer Imperativ, in einem zentralen Artikel der neuen Verfassung den Kriegsverzicht für immer zu erklären“, sagte der Schriftsteller in einem Interview
1963 wurde Oes Sohn Hikari geboren, der von Geburt an geistig behindert war. Seine Erfahrungen als Vater verarbeitete der Schriftsteller in seinem Buch „Eine persönliche Erfahrung“, das als eines seiner wichtigsten und zugleich persönlichsten Werke gilt. Auch über seinen Vater schrieb er zwei Bücher: „Der nasse Tod. Roman über meinen Vater“ (2018) und „Der Tag, an dem Er selbst mir die Tränen abgewischt“ (2019). Oes Vater war im Sommer 1945 während eines Sturms in ein Boot gestiegen und im Fluss umgekommen.
„Ich denke, ich schreibe meine Werke, um mich selbst, meine Familie, mit der Gesellschaft zu verbinden – mit dem Kosmos“, sagte Kenzaburo Oe in einem Interview. „Mich und meine Familie mit dem Kosmos zu verbinden, das ist einfach, denn alle Literatur hat einen mystischen Zug. Wenn wir also über unsere Familie schreiben, können wir uns mit dem Kosmos verbinden.“
Zeit seines Lebens setzte sich der Japaner für Frieden und gegen Atomkraft ein: So forderte Oe sein Land nach der Atomkatastrophe von Fukushima zum Ausstieg aus der Atomkraft auf – vergeblich. In Japan war Oe als politisch engagierter Autor nicht unumstritten, dennoch gilt er als einer der wichtigsten japanischen Schriftsteller seiner Generation. 1994 zeichnete die Schwedische Akademie der Wissenschaften Oe mit dem Literaturnobelpreis aus und würdigte in seiner Begründung „die dichterische Kraft“, mit der Oe der japanischen Nachkriegsliteratur neue Wege gewiesen habe.
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