Ein Beitrag von Sabine Lichtenfels, A’ida al-Shibli, Uri Ayalon und Martin Winiecki zur Gewalteskalation in Israel:
"Wir beklagen die Morde im Süden Israels am Samstag und die Gewalt gegen Israelis und Palästinenser, die darauf folgte. Was sich in den letzten Tagen abgespielt hat, ist einfach nur unsagbares Grauen. Unser Mitgefühl gilt allen Familien und Angehörigen der Ermordeten, Verletzten und Entführten. Wir beten dafür, dass das Blutvergießen so bald wie möglich ein Ende findet, dass die Geiseln sicher nach Hause zurückkehren und dass eine weitere regionale Eskalation vermieden wird.
Wir sind zwar der Meinung, dass Menschen, die unter der Kolonialisierung leiden, ein Recht auf Widerstand haben, aber nichts kann diese Art von vorsätzlicher Brutalität gegen Zivilisten, darunter Frauen, Kinder und ältere Menschen, rechtfertigen.
Dieser Angriff fügt der jahrtausendealten Geschichte des jüdischen Traumas ein weiteres Kapitel hinzu, das mit wiederholten Pogromen, Dezimierung und dem Holocaust beginnt. Dass jüdische Menschen diesen massiven Antisemitismus an so vielen Orten über einen so langen Zeitraum hinweg überlebt haben, zeugt von einer enormen Widerstandsfähigkeit. Ihr Bedürfnis nach einem Ort, an dem sie endlich sicher sind und in ihrem Schmerz anerkannt werden, ist mehr als verständlich.
Andererseits kommt der Angriff der Hamas nicht aus heiterem Himmel. Wenn wir der Gewalt wirklich ein Ende setzen wollen, müssen wir uns von ganzem Herzen damit auseinandersetzen, was Menschen zu solchen Taten veranlasst. Die Ereignisse vom Samstag dürfen nicht aus dem Kontext gerissen werden, in dem sie stehen: Die ständige, normalisierte, alltägliche strukturelle Gewalt des israelischen Siedlerkolonialismus und der Besatzung gegen Palästinenser. Dies anzuerkennen bedeutet nicht, die Aktionen der Hamas zu entschuldigen oder zu rechtfertigen – im Gegenteil, es scheint notwendig zu sein, um solche Eskalationen in Zukunft möglicherweise zu verhindern.
Auch wenn es für viele schwer zu akzeptieren sein mag, ist es eine traurige Wahrheit, dass der Staat Israel durch die Vertreibung, Unterdrückung und Auslöschung der arabischen Einwohner Palästinas gegründet wurde und sich selbst erhalten hat. Die Gründung Israels ging mit dem einher, was die Palästinenser als „Nakba“ (arabisch für „Katastrophe“) bezeichnen. Etwa 530 palästinensische Dörfer und Städte wurden zerstört und etwa 15 000 Palästinenser bei mehr als 70 Massakern getötet. Zwischen 1947 und 1949 wurden etwa 750.000 Palästinenser gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben und zu Flüchtlingen gemacht.
In den letzten Jahren haben mehrere angesehene Menschenrechtsorganisationen Israel vorgeworfen, den Palästinensern ein Apartheidregime aufzuerlegen. Einem Bericht von Amnesty International aus dem Jahr 2022 zufolge gehören zu den israelischen Praktiken beispielsweise Landenteignungen, rechtswidrige Tötungen, Zwangsvertreibungen, Bewegungseinschränkungen und die Verweigerung der Staatsbürgerrechte.
Das Leben in Gaza ist besonders schlimm. Die israelische Belagerung, die von Ägypten unterstützt wird, hat die Bedingungen im Gazastreifen zunehmend unerträglich gemacht. Seit 16 Jahren werden die 2,3 Millionen Einwohner des Gazastreifens im größten Freiluftgefängnis der Welt unter absolut unmenschlichen Bedingungen (eingeschränkte Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten, Wasser und Strom) festgehalten und waren 2008, 2009, 2012, 2014 und 2021 massiven Bombenangriffen ausgesetzt, bei denen mehrere Tausend Zivilisten starben und Zehntausende verwundet, verstümmelt und traumatisiert wurden.
Wir fragen uns: Hätten die westlichen Regierungen mit der gleichen Empörung und Solidarität auf das palästinensische Leid reagiert, hätten dann die Ereignisse vom Samstag tatsächlich stattgefunden?"
Hier geht's zum gesamten Artikel bei Terra Nova.
Sabine Lichtenfels ist Mitgründerin von Tamera, einer Gemeinschaft von ca. 160 Menschen und einem wachsenden internationalen Netzwerk in Portugal. Die Vision von Tamera: "Wir verstehen uns als Geburtshelfer für eine Welt ohne Krieg durch den Aufbau von Heilungsbiotopen: futurologische Zentren, in denen die Grundlagen für eine zukünftige planetarische Kultur des Friedens erforscht und exemplarisch aufgebaut werden."
Terra Nova ist eine (digitale) Heimat für den Wandel. Hier treffen und vernetzen sich Menschen, die von Tamera und seiner Vision berührt und inspiriert sind, die in Kontakt bleiben, die Gedanken vertiefen, sich informieren und Informationen beisteuern wollen.
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