Liebe Freundinnen, liebe Freunde!
Europa. Irgendwo in diesem Europa - ein winziger Punkt auf der Landkarte - da bin ich daheim. Als Präsident Mitterand Anfang der 1980-iger Jahre sagte, Prag sei der Mittelpunkt Europas, war das provokant. Denn Prag lag damals hinter dem Eisernen Vorhang. Nun, 30 Jahren später, ist alles klar. Prag, und somit auch wir, hier in Schrems, im nördlichen Waldviertel, – wir liegen fühlbar in der Mitte Europas.
Ich bin gern hier daheim. Mitten in Europa. Hier habe ich die Möglichkeit, meinen Lebensraum mitzugestalten. Hier habe ich das Recht, mich einzumischen. Ich sage oft: Wir können das Leben nicht zwingen und auch nicht das Glück. Aber wir können den Boden pflegen, auf dem unser Leben stattfindet – in der Hoffnung, dass es glücken möge. Wann sollen wir den Lebensraum pflegen? Natürlich jetzt. Denn nur im Hier und Jetzt - in diesem Augenblick - findet das Leben statt. Deines, jetzt bei dir. Und meines, hier bei mir.
Meine Lebensraumpflege heißt: mich zu bemühen, gute Arbeit zu leisten, ordentliche Schuhe zu machen, wohlige Matratzen zu erzeugen ..., zu versuchen, ein guter Arbeitgeber zu sein, die Vitalität in unserem Ort zu fördern, Freundschaften zu pflegen und, und, und ... diese Aufgaben stehen in meiner Dringlichkeitsliste an erster Stelle.
An zweiter Stelle will ich für faire Rahmenbedingungen kämpfen, z.B. für Arbeit. Europa hat 25 Millionen Arbeitslose. Die Jugendarbeitslosenquote in Griechenland und Spanien ist höher als 50 %. Und trotzdem wird in Europa nichts höher besteuert als Arbeit. Dieser Schwachsinn vertreibt die Arbeit. Allein, wenn wir die Schuhe, die wir in Europa »verbrauchen«, in Europa fertigen würden, würde dies mehr als 2 Millionen Menschen wieder Arbeit geben... Textilien, Spielzeug, Sportartikel, Handys, Laptops, LED-Lampen, Fahrräder und, und, und ... Arbeit gibt’s genug.
Wir müssen die Rahmenbedingungen ändern, bevor die Not der Arbeitslosen die Wut zum Kochen bringt. Denn die, die nichts zu verlieren haben, können zu einer großen Gefahr in Europa werden.
Drittens finde ich es unerträglich, dass die Konzerne, die die Kleinen kaputtmachen, Milliardengewinne nicht oder kaum versteuern müssen, während aus den Kleinen der letzte Steuergroschen herausgepresst wird, obwohl die Kleinen, die KMUs, die wichtigsten Arbeitgeber Europas sind. Wir brauchen an der Spitze Europas Menschen, die keine Lakaien der Konzerne sind, sondern solche, die für die Gerechtigkeit brennen. Denn es gibt keinen besseren Weg zum Frieden als die Gerechtigkeit.
Das meint im Ernst
Euer Heini