Aus eigener Überzeugung den Prozess der Veränderung vollziehen
Aus eigener Überzeugung den Prozess der Veränderung vollziehen
Brennstoff Nr. 37 | Heini Staudinger, Sylvia Kislinger | 13.07.2026

Heini Staudinger und Sylvia Kislinger aus Afrika

Wir haben Valerie Browning zuletzt im Februar 2014 in ihrer Wahlheimat Äthiopien besucht. Gleich uneitel, gleich beharrlich, gleich kraftvoll wie immer haben wir die australische Lady, die von sich sagt, dass sie nicht mehr ins westliche System passe, getroffen. Mit noch einem Adoptivkind mehr als beim letzten Mal und mit beeindruckenden Ergebnissen von ihrer Organisation APDA. Valerie hat es sich zum Lebensziel gemacht, »ihr« Volk, die Afar, diese unvorstellbar karg lebenden äthiopischen Wüstennomaden, denen sie seit ihrer Heirat 1989 angehört, zu reformieren, wo es einer Reformation bedarf, zu unterstützen, wo es Unterstützung braucht und in den eigenen Traditionen zu bestärken, wo diese bestärkend und nicht schwächend sind. Dank eurer/Ihrer Spendengelder können wir Valeries super-klug entwickeltes Projekt APDA seit 2011 unterstützen. Insgesamt mit 225.000,– Euro. Danke, danke, danke! Valerie hat uns vor wenigen Wochen den Quartalsbericht der durch GEA-Spendengelder finanzierten Projekte geschickt. Johanna hat ihn aus dem Englischen übersetzt und wir finden, dass er so aufschlussreich Einblick in die Arbeit von APDA gibt, dass wir ihn euch, trotz beachtlicher Länge, zumuten wollen. Bitte lest und staunt, was eure Spendengelder am Horn von Afrika bewegen.

APDA Quartalsbericht
April bis Juni 2014 – Projektaktivitäten

Projektfinanzierung durch: GEA Österreich

1 Workshops zur Sensibilisierung der Bevölkerung für frauenfeindliche Praktiken

In diesem Quartal war das Projekt in Eli Daar tätig. Dieser Bezirk wurde aufgrund einer Erhebung von APDA ausgewählt, da im Zuge der Impfung von Kleinkindern festgestellt wurde, dass alle unter einjährigen Mädchen Genitalverstümmelung hatten. In den sieben Workshops wurde den Dorfgemeinschaften ein Film, in dem die vollständige Beschneidung eines kleinen Mädchens zu sehen ist, vorgeführt. Es herrschte große Betroffenheit. Als erklärt wurde, dass der Islam diese Praktiken nicht fordert, wurde einheitlich beschlossen, an der Beendigung von Beschneidung und Zwangsheirat zu arbeiten. In jeder der Ortschaften wurde ein Komitee gebildet, das die Entscheidung, Verstümmelungspraktiken zu beenden, überwachen soll.

Training für Islamische religiöse Anführer und review meetings: Insgesamt 76 islamische religiöse Anführer wurden 5 Tage lang darin ausgebildet, wie das Verbot der weiblichen Genitalverstümmelung und die Rechte der Frau in der Ehe in die Praxis umgesetzt werden können. Das Training wurde – gemeinsam mit zwei für APDA tätigen Islamlehrern – von erfahrenen islamischen religiösen Anführern aus der Region geleitet. Medienberichterstattung: APDA hat vier Radiojournalisten darin unterstützt, an den review meetings teilzunehmen, damit der Fortschritt und der aktuelle Stand der Arbeit auch im Radio in Afar veröffentlicht werden kann. Es gibt drei öffentlich-rechtliche Radiosender, die jeweils eine gewisse Sendezeit für Beiträge in Afar-Sprache reservieren. Weiters gibt es ein community listening group radio, das über das Äthiopische Radio sendet und die Aufnahmen auch für Lehrzwecke archiviert.

2 Gesundheits- und Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung durch Multiplikatorinnen

Die zuständigen BetreuerInnen der Multiplikatorinnen haben Berichte vorgelegt, aus denen hervorgeht, dass in diesem Quartal im Rahmen des Projekts 12.575 Frauen und Kindern unterstützt wurden. Das bedeutet pro Monat 139,7 Frauen pro Multiplikatorin. Multiplikatorinnen in Eli Daar berichteten insbesondere über Wassermangel und eine Verschärfung der Ernährungssituation, insbesondere im Zentrum des Bezirks. Medizinisches Personal von APDA hat kontinuierlich darauf hingearbeitet, dass in den Gemeinden Fälle von Unterernährung kontrolliert werden können.

3 Multiplikatorinnen-Weiterbildung

Die dreißig Frauen aus unserer Projektgruppe haben ein einmonatiges Auffrischungstraining im März/April erhalten. Der Schwerpunkt lag dabei auf den UNICEF-Ideen über die richtige Ernährung schwangerer und stillender Frauen und Kindern unter 2 Jahren. Weiters wurden Erfahrungen im Kampf gegen frauenfeindliche Praktiken ausgetauscht. Themen rund um die Ehe bildeten das Hauptthema, da die Dorfgemeinschaften Frauen immer noch als »Eigentum des Clans« betrachten.

4 Schnelltraining für 4 Multiplikatorinnen

Vier Multiplikatorinnen haben eine fünfmonatige Schnell-Ausbildung in fünf akademischen Fächern abgeschlossen. Damit können sie ihre Bildung im Fernstudium fortsetzen und haben die nötige Voraussetzung um für die Regierung zu arbeiten. Das Projekt hat mittlerweile insgesamt 14 Frauen mit dieser Methode ausgebildet.

5 TBA-Aktivitäten und Training

Insgesamt 70 TBAs (GeburtshelferInnen) wurden in diesem Quartal ausgebildet. Die Ausbildung beinhaltete die im Programm festgelegten 5 Module. In diesem Quartal wurden insgesamt 243 Mütter, 324 Schwangere und 210 Mütter nach der Geburt untersucht. Bei den durchgeführten Geburten starb eine Mutter im Zuge der Geburt, drei Kinder kurz nach der Geburt bzw. gab es zwei Todgeburten.

6 Betreuung von Multiplikatorinnen

Beim Treffen am 30. Juni legten die BetreuerInnen der Multiplikatorinnen die Quartalsberichte vor. Im Treffen diskutierten sie, wie man den von Genitalverstümmelung betroffenen Frauen medizinische Versorgung zukommen lassen kann. APDA’s Spital in Mille behandelt derzeit, indem die Narben operativ geöffnet werden.

7 Projektkoordination

Nach und nach wird in der Region auf die Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung hingearbeitet, dies wurde in internationalen Gesprächen und durch die Regierung als Ziel festgesetzt. Wie bereits erwähnt, sind die frauenfeindlichen Praktiken tiefer in den Köpfen der Bevölkerung verwurzelt, um sie allein durch Vorträge oder Workshops stoppen zu können – es ist wichtig, Wege zu finden, wie die Bevölkerung von sich aus den Prozess der Veränderung vollziehen kann.


AFRIKA-SPENDENKONTO lautend auf
Heinrich Staudinger für Afrika
Kennwort: brennstoff 37
Konto-Nr. 1.370, Raika 32415
IBAN: AT18 32415 0000 0001 370
BIC: RLN WAT WWO WS

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ein Artikel von

Heini Staudinger, Sylvia Kislinger

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