von Heini Staudinger
Wolle die Wandlung. O sei für die Flamme begeistert,
drin sich ein Ding dir entzieht, das mit Verwandlungen prunkt;
jener entwerfende Geist, welcher das Irdische meistert,
liebt in dem Schwung der Figur nichts wie den wendenden Punkt.
Was sich ins Bleiben verschließt, schon ist´s das Erstarrte;
Wähnt es sich sicher im Schutz des unscheinbaren Grau´s ?
Warte, ein Härtestes warnt aus der Ferne das Harte.
Wehe – : abwesender Hammer holt aus !
Wer sich als Quelle ergießt, den erkennt die Erkennung;
Und sie führt ihn entzückt durch das heiter Geschaffne,
das mit Anfang oft schließt und mit Ende beginnt.
Jeder glückliche Raum ist Kind oder Enkel von Trennung,
den sie staunend durchgehn. Und die verwandelte Daphne will,
seit sie Lorbeern fühlt, daß du dich wandelst in Wind.
RAINER MARIA RILKE
Die Sonette (Klanggedichte)
an Orpheus, 2. Teil, Nr. 12)
Rilke Gedichte erschließen sich mir oft erst nach mehrmaligem Lesen. Beim wiederholten Lesen, oder auch beim Auswendiglernen, kommen immer wieder neue Gedanken dazu.
Einige Gedanken hier:
Wolle die Wandlung.
Fürchte dich nicht vor der Wandlung. Wolle sie.
Das Einzige, was fix ist, ist die Veränderung.
Wolle die Wandlung. O sei für die Flamme begeistert,
Die Herzen müssen brennen. Nicht die Wälder.
Der äußere Wandel kommt, ob wir ihn wollen oder nicht.
Den inneren Wandel müssen wir wollen.
Sobald wir ihn wollen, wird er alles verwandeln.
drin sich ein Ding dir entzieht, das mit Verwandlungen prunkt;
jener entwerfende Geist, welcher das Irdische meistert,
liebt in dem Schwung der Figur nichts wie den wendenden Punkt.
Was sich ins Bleiben verschließt, schon ist´s das Erstarrte;
Wähnt es sich sicher im Schutz des unscheinbaren Grau´s ?
Besser kann man es nicht sagen. Die Erstarrung, –
trotz offensichtlicher Bedrohung wollen? wir wirklich? bleiben?! …
… im Schutz des unscheinbaren Grau’s. „Das unscheinbare Grau“
der Mainstream. Doof. Schrecklich. Und doch kuschelig.
Warte, ein Härtestes warnt aus der Ferne das Harte.
Wehe – : abwesender Hammer holt aus !
Dem ist nichts hinzuzufügen. Hartes vor der Tür,
Härtestes warnt aus der Ferne … wehe
Wer sich als Quelle ergießt, den erkennt die Erkennung;
Und sie führt ihn entzückt durch das heiter Geschaffne,
das mit Anfang oft schließt und mit Ende beginnt.
In jedem/jeder von uns schlummern Quellen,
die sprudeln möchten, wenn wir sie nur ließen.
Jeder glückliche Raum ist Kind oder Enkel von Trennung,
den sie staunend durchgehn. Und die verwandelte Daphne**
will, seit sie Lorbeern fühlt, daß du dich wandelst in Wind.
Als ich diese Zeile von der Trennung zum ersten Mal las,
blieb mir eine Weile die Spucke weg. Trennung tut doch oft weh.
Da kann man sich den glücklichen Raum (noch) gar nicht vorstellen.
** Von der Daphne hatte ich keine Ahnung. Im Wikipedia erfuhr ich folgende wunderbare erotische Geschichte. Siehe Text unten.
*****
** Der Mythos von Daphne
Als Apollon den Liebesgott Eros als schlechten Schützen verspottete, rächte sich dieser, indem er einen Liebespfeil mit einer goldenen Spitze auf ihn und einen mit bleierner Spitze auf Daphne abschoss. Apollon verliebte sich unsterblich in Daphne, während diese, von einem genau das Gegenteil bewirkenden Pfeil Eros’ getroffen, für jene Liebschaft unempfänglich wurde. Als Apollon Daphne bedrängte, floh sie. Erschöpft von der Verfolgung durch Apollon flehte sie zu ihrem Vater Peneios, dass er ihre – den Apollon reizende – Gestalt wandeln möge. Daraufhin erstarrten ihre Glieder und sie verwandelte sich in einen Lorbeerbaum.
Artikelbild: © Saeed Khan / AFP / picturedesk.com
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