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O,
Du mein Engel,
Wir schweben nur noch
In holden Wolken.
Ich weiß nicht, ob ich lebe
Oder süß gestorben bin
In deinem Herzen.
Immer feiern wir Himmelfahrt
Und viel, viel Schimmer.
Goldene Heiligenbilder
Sind deine Augen.
Sage – wie ich bin?
Überall wollen Blumen aus mir.
***
Aus goldenem Odem
Erschufen uns Himmel.
O, wie wir uns lieben …
Vögel werden Knospen an den Ästen,
Und Rosen flattern auf.
Immer suche ich nach deinen Lippen
Hinter tausend Küssen.
Eine Nacht aus Gold,
Sterne aus Nacht …
Niemand sieht uns.
Kommt das Licht mit dem Grün,
Schlummern wir;
Nur unsere Schultern spielen noch wie Falter.
***
An den Gralprinzen
Wenn wir uns ansehn,
Blühn unsere Augen.
Und wie wir staunen
Vor unseren Wundern – nicht?
Und alles wird so süß.
Von Sternen sind wir eingerahmt
Und flüchten aus der Welt.
Ich glaube wir sind Engel.
***
Ein Lied
Hinter meinen Augen stehen Wasser,
Die muss ich alle weinen.
Immer möcht ich auffliegen,
Mit den Zugvögeln fort;
Buntatmen mit den Winden
In der großen Luft.
O ich bin so traurig —
Das Gesicht im Mond weiß es.
Drum ist viel samtne Andacht
Und nahender Frühmorgen um mich.
Als an deinem steinernen Herzen
Meine Flügel brachen,
Fielen die Amseln wie Trauerrosen
Hoch vom blauen Gebüsch.
Alles verhaltene Gezwitscher
Will wieder jubeln,
Und ich möchte auffliegen
Mit den Zugvögeln fort.
*****
(Auswahl der Gedichte & Redaktion: Andreas Wagner (Brennstoff)
aus: Else Lasker-Schüler: Die Gedichte. Verlag Suhrkamp)
Artikelbild: Nailia Schwarz / istock-photo
Autor
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