_____
» Die Traurigkeit ist traurig, weil du sie nicht magst. Die Traurigkeit ist traurig, weil du nicht gerne darin bist. Doch sogar Traurigkeit kann zu etwas Wunderschönem aufblühen, kann solche Stille und Tiefe haben, wenn du sie magst.
Wenn Traurigkeit kommt, akzeptiere sie. Höre ihrem Lied zu. Sie hat dir etwas zu geben. Sie hat ein Geschenk, das dir keine Fröhlichkeit geben kann. Nur Traurigkeit kann es dir geben.
Freude ist wie eine Welle, Traurigkeit ist wie die tiefste Tiefe eines Meeres. In der Traurigkeit bleibst du bei dir selbst, bist ganz allein. Bist du glücklich, gehst du auf andere Menschen zu und teilst dich ihnen mit. Bist du traurig, schließt du die Augen und tauchst tief in dich selbst ein.
In der Traurigkeit ist ein Lied. Sie hat etwas sehr Tiefes. Nimm sie an. Genieße sie. Koste sie aus, ohne sie abzulehnen, und du wirst sehen, dass sie dir viele Geschenke bringt, die dir das Glück niemals geben kann.
Nimmst du die Traurigkeit an, dann ist sie nicht mehr so traurig. Du hast ihr eine neue Qualität gegeben. Du wirst durch sie wachsen. Nun ist sie nicht mehr ein Stein, ein Felsblock, der dir den Weg blockiert, sondern ein Trittstein.
Und vergiss nie: Ein Mensch, der keine tiefe Traurigkeit kennt, ist arm dran. Er wird innerlich niemals reich sein. Wer immer fröhlich ist, lächelt und oberflächlich ist, hat den innersten Tempel seines Wesens nie betreten. Er ist noch nicht zu seinem innersten Schrein vorgedrungen.
***
Erhalte dir die Fähigkeit, in alle Polaritäten zu gehen. Wenn Traurigkeit kommt, sei richtig traurig. Versuche nicht, ihr zu entkommen. Lass sie zu, kooperiere mit ihr. Lass zu, dass sie sich in dir auflöst, und lass dich von ihr auflösen. Werde eins damit. Sei wirklich traurig: kein Widerstand, kein Konflikt, kein Kampf dagegen.
Wenn das Glück kommt, dann sei richtig glücklich: Tanze und sei ekstatisch. Wenn das Glück kommt, versuche nicht, es festzuhalten. Sage nicht, es soll für immer und ewig da bleiben. So verpasst du es.
Lehne Traurigkeit nicht ab und halte das Glück nicht fest. Bald wirst du verstehen, dass Glück und Traurigkeit zwei Seiten derselben Medaille sind. Dann wirst du sehen, dass immer Traurigkeit dabei ist, wenn du glücklich bist, und immer Glück dabei ist, wenn du traurig bist.
Dann ist dein inneres Wesen bereichert. Dann kannst du alles genießen: den Morgen wie den Abend, das Sonnenlicht wie die Dunkelheit, den Tag wie die Nacht, den Sommer wie den Winter, das Leben wie den Tod – alles kannst du genießen.
***
Schau deinen Gedanken zu, schau deinen Gefühlen zu und beim Zuschauen wirst du einen neuen Faktor erkennen – den, der zuschaut. Diese Erkenntnis ist der Beginn einer inneren Revolution. Du bist der Schauende, nicht das, was du siehst. Du bist weder der Kopf noch der Körper, sondern etwas, das tief in dir verborgen ist: der Beobachtende.
Dieser Beobachter sieht bei jedem Auf und Ab im Leben zu. Nun braucht man sich nicht mehr zu identifizieren. Wenn du gerade unten bist, brauchst du nicht traurig zu sein, da der Beobachter nur zuschaut. Wenn du obenauf bist, brauchst du nicht egoistisch zu werden, du schaust nur zu. Langsam und allmählich beginnt sich der ganze Aufruhr um dich herum zu legen.
Identifiziere dich mit nichts mehr – so lange, bis nur noch reines Zuschauen da ist. Bleibe darin verankert, egal, was du tust oder wohin du gehst. Du wirst ein neuer Mensch sein, mit einer Frische, einem Leben, wie du es vorher nicht gekannt hast, mit einem Schimmer der Ewigkeit in deinen Augen, mit einem Hauch der Unsterblichkeit in jeder deiner Gesten. «
*****
(Textauswahl & Redaktion: Andreas Wagner (Brennstoff)
aus: Osho: Vom Leben und vom Sterben. Ullstein
Artikelfoto: mhaussmann / istock-photo
Autor
Osho bzw. „Rajneesh“ Chandra Mohan Jain (1931–1990) war ein indischer spiritueller Philosoph, „Guru“ und Begründer der „Neo-Sannyas-Bewegung“, die bei uns unter dem Namen „Sannyasins“ bekannt wurde. – Seine Ashrams in Poona, Indien, und seine Kommune in Oregon, USA, waren seinerzeit sehr berühmt und wurden von vielen Menschen aus aller Welt besucht. – Osho betonte den Wert der authentischen spirituellen Erfahrung gegenüber der Zugehörigkeit zu einer Religion. Seine Gedanken und Bücher fanden – auch außerhalb der Sannyasins-Bewegung – in Europa und Nordamerika große Verbreitung.
Man hatte vor tausend Dingen Angst.Vor Schmerzen, vor dem eigenen Herzen.Man hatte Angst vor dem Schlaf,Angst vor dem Erwachen,vor dem Alleinsein, vor dem Tode -namentlich vor ihm, vor dem Tode.Aber all das waren nur Masken und Verkleidungen.In Wirklichkeit gab es nur eines, vor dem man Angst hatte:...
Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe zu leben, als ich bisher gelebt habe. Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat: die ersten isst es mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig sind, beginnt es, sie wirklich zu g...
Sie war ein Mädchen zierlich und kleinmit großen Augen lustig und reinTräumte heimlich von Tanz und Musikund wie wir vom ganz großen Glück.Doch dann kam dieser große KriegDoch dann kam dieser große SiegWir haben wieder ein Land befreitIm Namen unserer Gerechtigkeit...
Unsere tiefste Angst ist nicht, unzulänglich zu sein. Unsere tiefste Angst ist, über die Maßen machtvoll zu sein.Es ist unser Licht, das uns erschreckt, nicht unsere Dunkelheit.Wir fragen uns: Wer bin ich, dass ich geistreich, großartig, talentiert, fantastisch bin?In Wirklichkeit: Wer bist du, dies...
Alex Dolphin & Stephanie Balih machen Natur-POP-Musik,Ihre Mission ist es möglichst viele Menschen durch die Musik für die Natur und ein Leben im Einklang mit der Naturzu begeistern. Der Schutz unserer lieben Mutter Erde ist ihnen besonders wichtig.Deshalb schreiben sie Songs über die Schönheit der Natur, über einzelne Tiere, über den Bienenschutz,über den Schutz der Meere und des Trinkwassers...
Laut einer Legende treffen sich die Wahrheit und die Lüge eines Tages. Die Lüge sagt zur Wahrheit: „Heute ist ein wunderbarer Tag“! Die Wahrheit blickt in den Himmel und seufzt, denn der Tag war wirklich schön.Sie verbringen viel Zeit miteinander und kommen schließlich neben einem Brunnen an. Di...
Jiddu Krishnamurti über Freiheit und RebellionEs muss diejenigen geben, die sich auflehnen, denn nur solche Leute können eine neue Welt schaffen – eine Welt, die nicht auf Besitz, Macht und Prestige aufgebaut ist.—–Ich möchte gern das Problem der Freiheit mit Ihnen erörtern. Es ist ein sehr komplexe...
Liebesgedichte von Else Lasker-Schüler_____Als ich Tristan kennen lernte …O, Du mein Engel, Wir schweben nur noch In holden Wolken.Ich weiß nicht, ob ich lebe Oder süß gestorben bin In deinem Herzen.Immer feiern wir Himmelfahrt Und viel, viel Schimmer.Goldene Heiligenbilder Sind deine Augen.Sage – w...
Solltest Du wirklich deine Augen öffnen und sehen,du würdest dein Ebenbild in allen Bildern erblicken.___»Immer wandere ich auf diesen Stränden, zwischen Sand und Schaum. Die Flut wird meine Fußstapfen auslöschen und der Wind den Schaum fortblasen. Aber das Meer und der Strand werden übrigbleiben. E...
Ingeborg Bachmanns Gedicht „An die Sonne“In ihrem Gedichtband „Anrufung des Großen Bären“ (1956) veröffentlichte Österreichs große Schriftstellerin Ingeborg Bachmann mit „An die Sonne“ eine der schönsten Hymnen an das Leben, die die deutschsprachige Literatur hervorgebracht hat:___» Schöner als der ...
Jeder glückliche Raum ist Kind oder Enkel von Trennung. Rainer Maria Rilkevon Heini StaudingerWolle die Wandlung. O sei für die Flamme begeistert, drin sich ein Ding dir entzieht, das mit Verwandlungen prunkt; jener entwerfende Geist, welcher das Irdische meistert, liebt in dem Schwung der Figur nic...
Aus den »Buckower Elegien« und zwei weitere späte Gedichte des Bertolt BrechtBertolt Brecht (1898-1956) schrieb seine »Buckower Elegien“ im Sommer 1953 in seinem Haus nahe Ost-Berlin, wenige Wochen nach dem Volksaufstand vom 17. Juni in der damaligen DDR, der vom kommunistischen DDR-Regime unter Wal...