Salzmarsch
Am Morgen des 12. März 1939 war es endlich soweit. Mit achtundzwanzig Satyagrahis verließ Gandhi den Ashram in Richtung Meer
... Tausende Menschen säumten den mit Wasser besprengten und mit Blumen übersäten Weg. Wie einst Jesus von Nazareth zog Gandhi an der Spitze seiner Jünger aus, dem Volk ein Zeichen zu geben. Jeden Tag legten die Pilger etwa sechzehn Kilometer zurück.
Abends sprach Gandhi zu den Menschen auf den Straßen und Plätzen, ermahnte sie zu Disziplin und Opferbereitschaft und forderte sie auf, das Salzmonopol der Regierung zu brechen.

Sünde und Tugend
Loyalität gegenüber einem korrupten Staat und seinen Gesetzen sei eine Sünde, ihm zu widerstehen eine Tugend, so sprach er.
Am Abend des 5. April 1930 erreichte die Gruppe ihr Ziel: das Dorf Dandi an der Küste des Arabischen Meeres. 24 Tage brauchten sie für die 385 Kilometer; Tage, deren jeder den vorherigen an Spannung und Ausstrahlung auf das Land übertraf. Alles fieberte dem Höhepunkt entgegen. Nach Gebeten und einem Bad im Meer nahm Gandhi im Morgengrauen des 6. April von den natürlichen Salzablagerungen an der Küste eine Hand voll auf und zeigte sie der 6.000-köpfigen Menge.
Mit dieser schlichten Geste löste Gandhi eine Bewegung aus, die niemand, vielleicht nicht einmal er selbst, erwartet hatte.
Salz kostbarer als Gold
Die Bauern strömten in Massen, um Salz zu gewinnen.
Es war ihnen kostbarer als Gold, denn mit seiner Hilfe kommten sie das verhasste Salzgesetz brechen. Doch dabei blieb es nicht. (die englische Kolonialmacht kassierte eine Steuer auf Salz) Der Boykott englischer Waren übertraf alle vorherigen Aktionen dieser Art. Im ganzen Land verließen die Frauen die Abgeschiedenheit ihrer Heime und beteiligten sich am gewaltlosen Widerstand. Das war noch nie zuvor dagewesen.„Frauen das schwache Geschlecht zu nennen ist eine Verleumdung“, - so Gandhi.