In Niger, Westafrika, bestellen Bauern und Bäuerinnen das Land nach uralten Methoden: Sie bewässern Baumstümpfe und bringen sie wieder zum Austreiben, während sie daneben Getreide und andere Nahrungspflanzen anbauen.
Niger im Westen Afrikas war einst ein Land voller Bäume. Doch Kolonialismus und eine fehlgeleitete Agrarpolitik setzten einen Teufelskreis aus Abholzung und intensiver Landwirtschaft in Gang, der den Boden im ganzen Land nahezu unfruchtbar machte. In den 1980er Jahren stand Niger kurz vor dem ökologischen Kollaps. Doch dann geschahen zwei Dinge, die alles veränderten:
1983 kehrte eine Gruppe von Männern, die während der Trockenzeit auf der Suche nach Arbeit ins Ausland gereist waren, nicht rechtzeitig zurück, um vor der Regenzeit Stämme und Setzlinge von ihren Feldern zu entfernen. Sie hatten keine andere Wahl, als um sie herum zu pflanzen. Und dann bemerkten sie etwas Unerwartetes: Pflanzen, die in der Nähe junger Bäume gepflanzt wurden, schienen besser und schneller zu wachsen. Im darauffolgenden Jahr wiederholte sich das Naturschauspiel. Bald hörten andere Bauern auf, Felder zu roden. Im Laufe der Zeit düngten fallende Blätter den Boden und hielten ihn feucht. Die Vegetation blockierte den aus der Sahara eindringenden Sand und schützte die Pflanzen vor Wind.
Der Natur vertrauen
Zur gleichen Zeit, Mitte der 1980er Jahre, trat Tony Rinaudo, ein australischer Missionar, seine Arbeit in dem westafrikanischen Land an. Eines Tages entdeckte Rinaudo einen Wüstenbusch, einen frischen neuen Stängel, der aus einem abgeschnittenen Baumstumpf wuchs. „Ich hatte schon früher beobachtet, dass gefällte Bäume nachwachsen“, wird Rinaudo im National Geographic zitiert. „Aber für mich gab es erst jetzt eine Verbindung – all diese Stümpfe können wieder zu Bäumen werden.“ Rinaudo hatte seit 1981 versucht, in Niger neue Bäume zu pflanzen, ein aussichtloses Unterfangen. Nun erkannte er, dass sein Ansatz völlig falsch gewesen war: Er musste nicht gegen das Wetter ankämpfen, sondern die Bauern nur davon überzeugen, der Natur zu vertrauen. „Der eigentliche Kampf drehte sich darum, wie die Menschen über Bäume denken“, sagt er. „Alles, was sie brauchten, lag ihnen zu Füßen.“
Es war der Beginn einer Bewegung, der sich immer mehr Farmer anschlossen. Und doch war an diesem Ansatz nichts neu. Seit Jahrhunderten wird weltweit in Trockenlandsystemen die so genannte Farmer Managed Natural Regeneration (FMNR) praktiziert, eine von den Landwirten selbst verwaltete natürliche Wiederbegrünung verarmter und entwaldeter Böden. So hatten auch die Bauern in Niger vor dem Kolonialismus gearbeitet. Dennis Garrity, ehemaliger Leiter des World Agroforestry Center in Nairobi, bezeichnet die landwirtschaftliche Bewegung im Niger als „den herausragendsten ökologischen Wandel, den ich mir in Afrika vorstellen kann“. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die Ernteerträge durch dieses agroforstwirtschaftliche System mehr als verdoppeln und diese nachhaltig erzielt werden können.
Wissen weitergeben
Nun wollen Menschen in anderen afrikanischen Ländern die Methode importieren: Gruppen wie das Farmer Managed Natural Regeneration (FMNR) Project im Norden Ghanas arbeiten daran, dieses Wissen zu verbreiten. Eine Gruppe senegalesischer Landwirte besuchte kürzlich Niger, um sich über die Vorgehensweise zu informieren – nach ihrer Rückkehr nach Senegal wurden dort 150.000 Hektar Wald wiederhergestellt. Ähnliche Geschichten wurden aus Mali und Burkina Faso bekannt. Je mehr ländliche Gemeinschaften davon erfahren, desto besser werden die Lebensbedingungen für Mensch und Natur – und für das Klima.
Die globale Organisation EKO (vormals Sum of Us) sammelt Spenden für afrikanische Landwirte: Mit den Spenden kann eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit finanziert sowie Schulungen und Mentoring-Programme für Landwirte in den örtlichen Gemeinden gefördert werden – und so die Natur im dürre-geplagten Westafrika wiederbelebt werden.
Hier können Sie die Arbeit von Susanne Wolf unterstützen: https://susannewolf.substack.com/about
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