Taler, Taler, du musst wandern:Das Wörgler Experiment
Taler, Taler, du musst wandern:Das Wörgler Experiment

Von Gina Brandenburg

1932 hatte die Weltwirtschaftskrise ihren Höhepunkt erreicht. Die österreichische Nationalbank war einzig darauf fixiert, den Geldwert stabil zu halten und reduzierte nach dem Ausbrechen der Krise sukzessive die in Umlauf befindliche Geldmenge. Die bereits abnehmende Nachfrage brach vollends ein, Produzenten blieben auf ihren Waren sitzen, die Preise verfielen täglich. Wer Geld hatte, gab es nicht aus, denn morgen würde alles billiger sein, und übermorgen noch billiger. Die Produktion sank, Massenentlassungen ließen die Zahl der Arbeitslosen explodieren, in Österreich allein von Juli 1931 bis Juli 1932 von 194.000 auf 329.000.

Die Gemeinde Wörgl befand sich in einer hoffnungslosen Situation. Schulden in Millionenhöhe standen Steuereinnahmen von lächerlichen 3000 Schilling im 1. Halbjahr 1932 gegenüber (1928 waren es insgesamt über 300.000). Steuerausstände waren praktisch uneinbringbar. Bei ca. 4200 Einwohnern waren 400 arbeitslos, davon 200 ausgesteuert, also ohne jedes Einkommen und somit auf die Sozialhilfe der Gemeinde angewiesen.

Bürgermeister Michael Unterguggenberger war ein belesener Mensch. Er war Sozialdemokrat, aber in den Schriften von Karl Marx fand er keine Antworten auf seine Fragen. Besonders angetan hatte es ihm die Freiwirtschaftslehre von Silvio Gesell. Dieser hatte unter anderem propagiert, dass Geld anderen Gütern gleichgestellt werden müsse, indem es so wie alle Waren und Dienstleistungen mit der Zeit an Wert verliert. Nur so könne der Umlauf des Geldes gesichert werden, nur so könne sich die Wirtschaft krisenfrei entwickeln. In Einzelgesprächen hatte Unterguggenberger alle Mitglieder des Gemeinderates über seine Absichten informiert. Über alle Parteigrenzen hinweg beschloss der Wohlfahrtsausschuss am 5. Juli 1932 einstimmig, Arbeitswertscheine in Umlauf zu bringen, die nur in der Gemeinde Gültigkeit hatten. Jeder dieser Scheine war durch Schilling-Einlagen gedeckt, aber er sollte pro Monat 1% seines Wertes verlieren, was durch das Aufkleben von Marken vom Inhaber des Geldscheines ausgeglichen werden musste. Ein Rücktausch in Schilling war jederzeit möglich, allerdings musste dabei eine Nothilfeabgabe in Höhe von 5 % entrichtet werden. Die örtliche Raiffeisenkasse war bereit, das Experiment mit zu tragen.

Nun wurden dringende Bauarbeiten in Auftrag gegeben, die Bezahlung erfolgte mit Arbeitswertscheinen. Die Dinge entwickelten sich wie erhofft. Die Umlaufgeschwindigkeit war enorm, jeder gab das neue Geld sofort wieder aus oder bezahlte damit Steuerrückstände. Die Nachfrage stieg und mit den Steuereinnahmen konnten sofort neue Aufträge vergeben werden, die Lage verbesserte sich zusehends. Die Nationalbank hatte das Experiment von Anfang an bekämpft, sah sie doch ihre Monopolstellung gefährdet, umso mehr, als immer mehr Gemeinden Interesse an diesem „Wundergeld“ zeigten.

Unterguggenberger versuchte, das drohende Verbot so lange wie möglich hinaus zu zögern. Nach knapp 14 Monaten, am 15. Sept. 1933, mussten die Scheine dennoch eingezogen werden. Doch die Ergebnisse des Experiments sind auch heute noch überzeugend. Während im selben Zeitraum in Österreich die Arbeitslosenrate um 19 % stieg, sank sie in Wörgl um 16 %. Die Bauten brachten noch viele Jahre der Gemeinde ihren Nutzen. Und alles, ohne einen einzigen Schilling Kredit aufnehmen zu müssen, nur durch eine Maßnahme, die sicherstellte, dass das Geld auch wirklich von einer Hand zur anderen wanderte und nicht gehortet wurde.

  1. – 21. August 1. Int. Regio Kongress Schrems

Das Waldviertel als Krisenregion hat einen Vorsprung in der Krise. Nun gewinnt es auch Vorsprung in den Ver-Suchen aus der Krise. Von 19. – 21. August findet in Schrems ein int. Kongress in Sachen „Regio“ statt.

Margrit Kennedy, sie ist Star der Geldkritik, wird diesen Kongress mit einem Referat am Abend des 19. August eröffnen.

Das gute Leben ist möglich

„Der Waldviertler“

Es verwundert nicht, dass Menschen, seit es Menschen gibt, das gute Leben suchen. Hätten die Menschen früher unsere Möglichkeiten von heute gekannt, hätten sie geglaubt, das müsse das Paradies sein. Die Wirklichkeit in diesem Paradies von Möglichkeiten zeigt sich an vielen Punkten dieser Erde als Krise.

In allen Krisenregionen dieser Erde zeigt sich dasselbe. Das Geld geht weg. Es geht in die Boomregionen. Dem Geld folgen die Menschen. Die Abwanderung drückt auf die Stimmung. So entsteht als prägende Stimmung: „Bei uns ist (fast) nix möglich.“

Wir wollen was Neues entwerfen: „Das Geld der Zukunft.“ Darin setzen wir unsere Energie und Kraft.

Unsere Hoffnung lautet: „Das gute Leben ist möglich.“

Heinrich Staudinger

Mehr Info unter: www.waldviertler-regional.at

Seit 1. Mai 2005 ist im Waldviertel „der Waldviertler“ in Umlauf.

Die Regionalwährung soll Geld und Kaufkraft in der Region halten, sie soll Wirtschaftskreisläufe fördern und Arbeit in die Region zurückholen.

„Wir füttern die Welt!“ ein Film.

Warum müssen Tomaten durch Europa reisen und warum zieht es so viele Afrikaner hier her? Weil der Transportpreis rund 1 % vom Regalpreis ausmacht und weil durch die enormen Subventionen – 1 Mrd. US $ pro Tag – europäisches Gemüse zu einem Drittel der afrikanischen Preise auf den afrikanischen Märkten zu kaufen ist.

Warum werden tausende Tonnen Futtersoja aus Brasilien nach Europa transportiert, während gleichzeitig hier Mais zur Gewinnung von Fernwärme verheizt wird und in Brasilien 25% der Bevölkerung hungern?

Warum das Wasser privatisiert werden soll, Bio nicht gut ist und wir alle mehr arbeiten müssen, erklärt uns der Manager des größten Lebensmittelkonzerns der Welt. Erwin Wagenhofer nennt seinen Kinodokumentarfilm „we feed the world“, er zeigt den Umgang mit Nahrung in einer globalisierten Welt.

Der Film wird in Cannes präsentiert und startet im September mit 20 Kopien in den Österreichischen Kinos. H. D.

5000 Euro zu „gewinnen“: Der GEA-Preis

Prämiert werden Projekte der Hoffnung. Projekte, wo Menschen durch ihren Mut, durch ihre Selbstlosigkeit, durch ihre Kreativität und soziale Kompetenz auffallen. Kandidaten, auch Gruppen, können von jeder/m vorgeschlagen werden, nur nicht vom Kandidaten selbst. Mehr Info: gea@gea.at

Anna Heringer, GEA Preisträgerin 2005

Anna Heringer hat Bangladesh im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres kennen gelernt. Sie hat Land und Leute ins Herz geschlossen. In ihrer Architektur Diplomarbeit bei Professor Roland Gneiger in Linz entwarf sie eine Schule für Bangladesh. Bis ins Detail ging sie auf die regionalen Gegebenheiten ein. Das Projekt ist so überzeugend, dass noch im Herbst des heurigen Jahres mit dem Bau begonnen wird. Die geschätzten Baukosten sind in etwa 35.000.– Euro für eine Schule für 150 Kinder. Die Kosten sind so niedrig, da fast ausschließlich mit traditionellen Materialien gebaut wird und die meisten Arbeiten auch von den Leuten selbst gemacht werden können. Im Namen der Firma GEA gratuliere ich der Anna Heringer herzlich, im Namen der Kinder freu ich mich.

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