Konstantin Wecker, Heini Staudinger und Moreau im Gespräch
HEINI Ich hab’ in unserem letzten GEAlbum zu einem Foto, das uns beide auf der Bühne bei deinem Konzert in Schrems zeigt, folgendes zu unserer gemeinsamen Sponsorengeschichte geschrieben: »Zur ›Blütezeit‹ von meinem Konflikt mit der FMA ( = FinanzMarktAufsicht ) veranstalteten wir in Schrems ein Wecker-Konzert. Die Halle kochte. Alle spürten, was heute viele spüren: Wenn wir etwas ändern wollen, dann müssen wir uns selber auf den Weg machen. Als uns Wecker heuer im Frühling einlud, Sponsor bei seiner großen Tournee zu werden, dachte ich erst: Sponsor der Konstantin Wecker-Tournee? Wir mit den Schuhen, Taschen und Möbeln? Wecker mit seinen Liedern? Bis ich bemerkt habe, dass wir, GEA, Waldviertler und der Wecker, ja genau dasselbe wollen: Eine GEMEINSINNIGE WIRTSCHAFT, die die Erde nicht zerstört, sondern achtet und liebt (mit Hochfinanz und Konzernen wird das nix). FRIEDEN (mit Medienhatz und Waffenhändlern wird das nix). FREIHEIT (mit dem Recht und der Freiheit des Stärkeren wird das nix). SPIRITUALITÄT als eine Notwendigkeit in unserer Zeit, denn wir wissen, dass es mehr gibt als das, was wir wissen. Und so, lieber Konstantin, freuen wir uns sehr, mit dir »auf Tournee« gehen zu dürfen.
KONSTANTIN Das ist optimal, besser kann man es nicht ausdrücken. Es ist genau das, was uns vereint, lange bevor du damit begonnen hast, Schuhe zu machen und bevor ich mit meinen Anliegen auf die Bühnen bin. Es ist unsere gemeinsame Sehnsucht. Und ich spüre immer mehr, dass das, was mich mit meinem Publikum verbindet, auch in erster Linie eine Sehnsucht ist. Ich habe viele in meinem Publikum, ich spüre das immer wieder, die in manchen Punkten anderer Meinung sind als ich. Das ist auch gut so. Aber ich glaube, wir haben doch die gleiche Sehnsucht nach einem Utopos, nach einem nicht zu verortbarem Ort, nach einer Idee. Die Kabbalisten nennen es die Sehnsucht nach dem Ewigen. Eigentlich kann man auch sagen, die Sehnsucht nach dem Paradies. Irgendwo in uns muss gespeichert sein, dass es einen Zustand gibt, in dem es ohne Gewalt, gerecht und liebevoll zugeht. Und Gewalt muss es nicht immer geben. Es muss nicht immer so sein, dass einer über den anderen herrscht. Du, Heini, hast es vor Kurzem sehr schön gesagt: »Man hat uns erzählt, dass uns der Kommunismus enteignen wird. Mittlerweile hat uns der Kapitalismus enteignet.« Das ist ein wunderbarer Gedanke, den ich sehr gerne aufgreife.
HEINI Das Unglaubliche ist, dass die Enteigneten es oft selber gar nicht merken.
KONSTANTIN Ja genau. Der Unterschied ist, im Kommunismus wurden die Reichen enteignet und bei uns im Kapitalismus enteignen sie die Armen (die Kleingewerbetreibenden, die Schneider, die Schuster, die Schuhfabriken, die Textilfabriken, die Kleinbauern, die kleinen Arbeiter usw.). Erschwerend kommt ja noch dazu, dass es eine Enteignung von vielen ist, die sowieso nichts oder zumindest nicht zu viel hatten und die jetzt oft gar nichts mehr haben. Also was ist es, das uns antreibt, etwas anderes zu wollen? Ich hab lang mit dem Arno Gruen darüber gesprochen. Er hat gesagt, in den letzten 10, 15 Jahren ist seine Idee, dass der Mensch ein emphatisches Wesen sei, immer mehr angegriffen worden. Teile der Wissenschaft wollen unbedingt klarstellen, dass der Mensch ein Wolf unter Wölfen sei und dass das eben immer so sein werde. Arno Gruen hat in London einen Friedenspreis bekommen und da ging er in seiner Dankrede genau auf dieses Thema ein: Warum ist die Welt eigentlich so gewalttätig und was könnte man machen, damit wir eine weniger gewalttätige Welt bekommen? Solchen Spinnern wie uns will man natürlich systematisch ausreden, dass eine andere Welt möglich sei. Bestes Beispiel ist da für mich immer das Training in den Eliteeinheiten des Militärs. Da werden Menschen zu Maschinen gemacht, und diese Maschinen werden so trainiert, dass sie Gewalt für normal halten.
MOREAU Dave Grossman, ein ehemaliger US-amerikanischer Militärpsychologe und Autor von »Stop teaching our kids to kill«, sagt, dass es eine machtvolle biologische Hemmung gibt, einen Artgenossen zu töten. Er hat nachgewiesen, dass etwa im 2. Weltkrieg nur 15 bis 20 Prozent auf einen exponierten Feind geschossen haben. Die Hemmung zu töten ist so stark, dass die Mehrzahl sogar unter eigener Lebensgefahr danebenzielt. Die Militärs wissen das natürlich und halten es für inakzeptabel. Darum wird seit den 1950er Jahren systematisch erforscht, wie diese natürliche Hemmschwelle beseitigt werden kann.
KONSTANTIN Was sind das nur für Wissenschaftler, die sich zu solch einer Forschung hergeben!?
MOREAU Der erste Schritt ist Desensibilisierung und Brutalisierung. Brutale Ausbildner überzeugen die Rekruten, dass sie in eine grausame Welt eintreten. Ein weiterer Faktor ist die sogenannte »operante Konditionierung«, wie in der Pilotenausbildung – Reiz, Reaktion, immer wieder; die gewünschte Reaktion wird durch ständige Wiederholung so eingeübt, dass der Pilot im Ernstfall richtig handelt. Das leisten auch Computerspiele. Grossman erzählt von einem 14jährigen, der in Paducah, Kentucky, auf den Schulhof ging und acht Schüsse abfeuerte: fünf in den Kopf, drei in den Oberkörper. Drei Tote, fünf Schwerverletzte. Der Junge hatte vorher noch nie eine Pistole in der Hand gehabt. Er hat das im Computerspiel gelernt.
KONSTANTIN Wundert er sich nicht, dass sie nicht wieder aufstehn?
MOREAU Im Computerspiel tauchen die Ziele nacheinander auf, da bleibt keine Zeit, sich um die Opfer zu kümmern, du wendest dich sofort dem nächsten Ziel zu. Es ist eine Konditionierung zur Ausschaltung des Mitgefühls.
KONSTANTIN Wir sind uns in der Sehnsucht nach einer anderen, gewaltfreien und liebevolleren und mitfühlenderen Gesellschaft einig. Und jetzt kommen wir zu einem Punkt, der, so glaube ich, sehr wichtig ist, wenn ich von der Revolution rede, die es braucht. Es darf keine Revolution mehr sein im Sinne der französischen, dass also praktisch das Gleiche, die gleichen gesellschaftlichen Schwächen einfach umgedreht werden und so nur anderen Führern eine Machtposition gegeben wird. So notwendig die Französische Revolution war, so wissen wir doch, in welchem Gemetzel sie geendet hat.
Und die Revolution, wie ich sie mir vorstelle, die beginnt damit, dass einzelne Menschen auf ihren Gebieten etwas unternehmen. Davon wird nicht berichtet, aber es gibt Leute, die schließen sich zusammen, um zum Beispiel gemeinsam ein Ackeranbau-Projekt zu machen. Die nehmen sich jemanden, der das kann und den bezahlen sie und dafür kriegen sie von ihm gemeinschaftlich eben das, was erwirtschaftet wird. Oder Leute, die gemeinsam einen Supermarkt betreiben, in dem sie alles billiger kriegen, aber mit weniger Verpackung. Ich glaube, sie sparen sich fast an die 60 % des Supermarktpreises, dafür arbeitet jede/r von den 300 Leuten einmal im Monat einen Tag dort mit. Ich würde das sofort mitmachen, am Abend Kassa machen oder Klo putzen, oder was auch immer da anfällt – eine wunderbare Idee.
Wir brauchen keinen Stalin und keinen Hitler und keinen Napoleon und keinen Alexander den Großen, um die Welt zu verändern, das hat immer nur zu Katastrophen geführt. Wir können nicht die Welt im Ganzen ändern, wir müssen da, wo wir sind, beginnen. Und auch hier gilt: es geht ums Tun und nicht ums Siegen. Aber nur die Idee haben ist auch ein bisserl wenig; es ist zwar schön eine Idee zu haben und auch notwendig, aber es geht ums Tun. Und jetzt sind wir bei dir, Heini. Du machst etwas, produzierst etwas, was Sinn macht, dir Spaß macht, wofür du dich nicht schämen musst. Natürlich wird die Welt jetzt nicht von Waldviertler Schuhen oder GEA-Möbeln gerettet werden, aber so, wie du es machst, ist es doch ein Beitrag zur Veränderung.
HEINI Weißt du, was ich noch glaube, was schön ist an dieser gemeinsamen Reise und Tournee? Den Künstlern wird häufig unterstellt, dass sie nicht in der wirklichen Welt daheim sind, sondern bloß malen oder schöne Lieder machen oder dichten – und dann gibt’s den Vorwurf: Ja, der Wecker, der singt von dieser Utopie, aber in Wirklichkeit, in Wirklichkeit gibt’s die nicht. Doch ab jetzt müssen diese Beispiele, egal wie klein sie auch sein mögen, aufs Tablett gehoben und gefeiert werden, denn genau die sind der Beweis dafür, dass es eben doch geht.
KONSTANTIN Und da sind wir auch wieder bei meinem Grundgedanken. Ich komm als Künstler immer wieder in Situationen, wo eine Halle oder ein Konzert von Firmen gesponsert wird, die ich überhaupt nicht mag. Meistens sind es Konzerne. Die Konzerne haben Geld, jetzt könnte man sagen, ok, sollen sie mit ihrem Geld wenigstens etwas Gescheites tun, aber eigentlich bin ich der Meinung, dass man mit ihnen überhaupt nicht zusammenarbeiten soll. Und dann habe ich mir überlegt, warum soll ich mir nicht ganz bewusst Unternehmer suchen, von denen ich mich gerne sponsern lasse und mit denen ich gerne zusammenarbeite. Ich empfinde es als ein Politikum, dass ein Linker wie ich mit Unternehmern kooperiert, deren Unternehmen ich in Ordnung finde. Natürlich hatte ich Heini vor Augen, weil ich ihn ja kenne, schätze und mit ihm befreundet bin. Und es gehört auch zu meiner Gesellschaftsidee. Ich bin nicht für eine Welt ohne Unternehmen, sondern ich bin für eine Welt mit anständigen Unternehmen und ohne Konzerne. Das ist das Entscheidende. Und als radikale Demokraten, als die wir uns bezeichnen, müssen wir natürlich versuchen, unseren Staat in die Pflicht zu nehmen.
HEINI Verbal verurteilen unsere Regierungen jede Art von Protektionismus. In der Realität jedoch erleben wir einen Protektionismus für Banken und Konzerne. Dieser Protektionismus zerstört unser gesellschaftliches Gefüge. Er muss endlich aufhören.
KONSTANTIN Also dieser Gedanke, zu sagen, unsere Zusammenarbeit ist auch ein Politikum, dieses Sponsoring ist nicht das übliche, ist mir wichtig. Sinn der Sache ist nicht, dass du, Heini, jetzt mehr Schuhe an die Leute verkaufst, die zu mir ins Konzert kommen. Sinn der Sache ist eine gemeinsame Idee.
MOREAU Da fällt mir jetzt auf: Ich mache seit vielen Jahren mit Heini und Sylvia den brennstoff und die GEA-Alben, aber ich habe noch nie daran gedacht, Schuhe zu verkaufen. Ich habe ja zur Werbung ein Hass-Verhältnis, manche Werbungen halte ich für veritable Menschheitsverbrechen, da beispielsweise, wo durch die Produktion von Idealtypen die nicht so schöne, nicht so lustige Mehrheit diskriminiert, verunsichert und in Dauerstress versetzt wird. Natürlich ist das Geschäft auch wichtig, aber uns ist das Poetische und das Widerständige wichtiger, so wie uns gegenseitige Hilfe wichtiger ist als Konkurrenzdenken. Es geht um die Frage nach dem guten Leben, wozu auch das Maßhalten gehört.
HEINI Ja. Als einziger Schuherzeuger der Welt dürfen wir in unserer Werbung solche Sätze schreiben: Kauft weniger. Kauft nicht so viele Schuhe. Achtet auf die Qualität und achtet darauf, unter welchen Umständen der Schuh erzeugt wurde. Und denkt daran: »Nie ist zu wenig, was genügt.«
KONSTANTIN Das, was die Konzerne mit ihren Billigst-Arbeitern in den Entwicklungsländern machen, ist natürlich Sklaverei.
HEINI Da gibt es keinen Zweifel, dass in den sogenannten Billiglohnländern moderne Sklaverei herrscht. Miserable Arbeitsbedingungen, miserabler Lohn, und obendrein fördert dieser Irrsinn dort einen krankmachenden Konsum hier. Wir können uns auf Kosten der Ausgebeuteten eine Menge von Sachen leisten, die wir uns unter fairen Bedingungen nie und nimmer leisten könnten. Traurigerweise macht uns das nicht glücklich. Denn dieser Überfluss entwertet alles. Es ist mir ein großes Anliegen, immer wieder zu sagen, dass bei uns nichts mehr mit Abgaben belastet ist als die Arbeit. So kommen wir niemals von der Plage der Arbeitslosigkeit weg. Wir sind in der komischen Situation, dass sich Deutsche die deutsche Arbeit kaum leisten können, Österreicher kaum die österreichische usw., denn bei uns werden die Arbeitskosten durch die hohen Abgaben mutwillig verteuert, während Arbeit aus den Billiglohnländern abgabenfrei nach Europa hereinkommt. Das ist Protektionismus für Deichmann und Co. Schuhe aus Asien mussten bis vor vier Jahren durchschnittliche Abgaben von 1,25 Euro pro Paar Schuh leisten; wir hingegen müssen allein an den Löhnen der ArbeiterInnen, die die Schuhe fertigen, rund 10 Euro Lohnnebenkosten pro Paar zahlen. Nun? Wie reagiert die EU auf diese Ungerechtigkeit? Sie streicht die Abgaben der Importeure auf Null, während unsere Abgaben mit den kleinen Lohnsteigerungen weiterwachsen. Dieser Protektionismus schenkt den – nach Europa – schuhimportierenden Konzernen mehr als 1 Milliarde Euro im Jahr, während tausende kleine Erzeuger unter der Abgabenlast kaputt gemacht worden sind.
KONSTANTIN Also ich denke, wir können uns drauf einigen, dass wir diese Art von Sponsoring gar nicht Sponsoring nennen. Wir nennen es einfach Zusam- menarbeit. Diese Art von Zusammenarbeit gibt es, weil jeder von uns, jeder auf seinem Weg, die gleiche Sehnsucht hat.
HEINI Dem stimm’ ich gerne zu. Wir sind beide Kampfpiloten der Sehnsucht. Es geht doch nicht nur um Arbeit, dass wir einen Job haben und nicht arbeitslos sind, sondern es geht darum, dass unser Tun einen Sinn hat. Sedlacek beschreibt es in seinem Buch »Ökonomie von Gut und Böse« so schön, dass Arbeit auch eine Herausforderung ist, an der wir wachsen, blühen und reifen können. Ich hab’ irgendwo den wunderbaren Satz gelesen: »In der Handarbeit werden innere Fähigkeiten außen sichtbar.« Weißt eh, bei deiner Singerei ist das natürlich auch so, das sind innere Fähigkeiten, die außen hörbar werden.
KONSTANTIN Du, ich bin Handarbeiter, ich kann das gut verstehen. Ich nenne Klavierspielen Handarbeit, denn das ist es ja auch.
HEINI Der internationale Wettbewerb zwingt ununterbrochen zu neuen Strategien. So lagern die Chinesen Schuhindustrie zunehmend nach Äthiopien aus, weil dort die Arbeitsstunde nur 10 Cent kostet. Und da sieht man: die Spirale nach unten hat kein Ende. Das Fass hat keinen Boden. Die Konzern-Wirtschaft ist der große Diktator. Die Politiker bemühen sich Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen die Wirtschaft wachsen kann. Die Konzerne diktieren den Weg, wo’s lang geht. Wer die eigene Würde retten will, muss irgendwann sagen: jetzt ist Schluss. Werner Faymann und Angela Merkel ziehen diese Grenze nicht für uns. Deshalb müssen wir selbst damit beginnen.
KONSTANTIN Ich werde immer gefragt: was hast du eigentlich so gegen Konzerne? Ein Konzern kann per Definition nicht sozial sein. Er muss schlicht und einfach immer den Treuhändern, muss den Aktionären, muss ausschließlich dem Gewinn und seinen Shareholdern verpflichtet sein.
MOREAU Kennt ihr den Film »The Corporation«? Ein Konzern gilt juristisch als Person, und dieser wunderbare Film geht der Frage nach, was für eine Persönlichkeit so ein Konzern eigentlich ist. Dazu benutzen sie eine von Robert D. Hare entwickelte Checklist, die weltweit, u. a. auch vom FBI, als Diagnose-Werkzeug zur Identifikation von Psychopathen eingesetzt wird. Psychopathen sind z.B. gleichgültig gegenüber den Gefühlen anderer, sie sind unfähig, dauerhafte Beziehungen einzugehen, sind manipulativ, empfinden nichts, wenn sie andere skrupellos gefährden und so weiter. Unterm Strich belegt der Film eindrücklich: Konzerne verhalten sich wie Vollpsychopathen.
KONSTANTIN Das sagt meine These der Geschichte der Menschheit, der gesamten bekannten Geschichte der Menschheit: ob Alexander der Große, ob Napoleon, sie waren alle Soziopathen und Psychopathen. Soziopathen in dem Sinn, dass sie einfach rücksichtslos ihren eigenen Weg durchgesetzt haben.
MOREAU Macchiavelli war der erste, der psychopathisches Verhalten als »vernünftig« beschrieben hat. Der oberste Wert bei Macchiavelli ist der Machterhalt. Um seine Macht zu erhalten, muss der »gute« Fürst als schlechter Mensch handeln können. Aber nicht nur das, er soll seine Schlechtigkeit auf keinen Fall zeigen, sondern sie hinter einer Maske der Moral und Anständigkeit verbergen. Macchiavelli wird angeblich auch in der Ausbildung von Spezialeinheiten beim US-Militär verwendet. Da müssen die Soldaten nach einer tagelangen, strapaziösen, brutalen Aufnahmsprüfung im Gelände analysieren, wie ihnen Macchiavellis eiskalte Thesen im Feld und bei Einsätzen nützen könnten.
KONSTANTIN Wir müssen unserer Sehnsucht folgen. Wir müssen Netzwerke von kleineren Inseln schaffen, wir müssen für uns wieder erlernen, dass eine Gemeinschaft für den homo sapiens möglich ist, aber nicht in einer größeren Größenordnung. Überlegt einmal, wie viele Freunde hat ein Mensch? Im engeren Kreis sind das gerade mal 12 bis 15 Leute und dann kommen noch ein paar mehr im weiteren Kreis, aber es bleibt immer in einem sehr überschaubaren Rahmen, und das ist gut so.
HEINI Ich sag’s oft so: wir können das Leben nicht zwingen und auch nicht das Glück. Aber wir können den Lebensraum pflegen, in dem unser Leben stattfindet, in der Hoffnung, dass es glücken möge. Selbstverständlich gehören Lebensmittel aus unserer Gegend zur Pflege des eigenen Lebensraumes. Drum gibt unsere Firma unseren Arbeitern jede Woche Gemüse, Eier und Käse aus der Umgebung. Da sind dann fünf Tische voll. Alle können sich nehmen, was sie brauchen. Das tut den Bauern in der Region gut und unseren ArbeiterInnen auch.
KONSTANTIN Toll! Für mich ist es schon schön, dass jemand die Art des Wirtschaftens, wie ich sie mir vorstelle und wie ich es mit den Leuten, die für mich, mit mir, bei mir arbeiten, täglich auch versuche, in die Tat umsetzt. Heini, ihr seid ein österreichisches Unternehmen, aber du bist durch deine GEA-Geschäfte auch in Deutschland präsent. Das Interessante ist ja, dass zwei der drei Unternehmen, mit denen ich bei dieser Tour nee zusammenarbeite, aus Österreich sind; nämlich GEA / Waldviertler und die aufsässigen Milchbauern.
HEINI Und die Andechser Molkerei übernimmt den bayrischen Part in dieser Geschichte.
MOREAU Ich habe mir das ja ein bisschen anders zusammengereimt: »40 Jahre Wahnsinn« heißt dein neues Programm – und du hast einfach geschaut, wer die Wahnsinnigsten sind.