Geld regiert die Welt – Warum eigentlich?
von Prof. Dr.phil. Dr.rer.pol. Wolfgang Berge
Die globalen Finanzmärkte führen auch in den reichen Ländern zu Entwicklungen, gegen die sich die Menschen in den armen Regionen der Welt seit langem wehren:
Wer sein Erspartes langfristig, geschickt und sicher anlegt, verdoppelt den Betrag durch Zins und Zinseszins etwa alle zehn Jahre. Bei einer größeren Anlagesumme ist die durchschnittliche langfristige Verzinsung 7 %.
Aus 100.000 werden so
nach 10 Jahren € 196.720
nach 25 Jahren € 542.740
nach 50 Jahren € 2.945.700
nach 75 Jahren € 15.987.600
nach 100 Jahren € 86.771 .630
Diese Euro 86.771.630 setzen sich zusammen aus Euro 100.000 Ersparnis, Euro 700.000 Zinsen und Euro 85.971.630 Zinseszinsen.
Die Verzinsung ist notwendig, damit das Kapital als Kredit wieder zur Verfügung steht. Voraussetzung dafür ist, dass es Kreditnehmer gibt, die bereit und in der Lage sind, sich in entsprechender Höhe zu verschulden – die also für die hunderttausend Euro innerhalb von zehn Jahrzehnten ca. 86,7 Millionen Euro Zins und Zinseszins zahlen.
Schneller wachsenden Vermögen der Sparer muss eine schneller wachsende Verschuldung von Kreditnehmern gegenüber stehen. Wenn es keine Privatpersonen und keine Unternehmen gibt, die mehr Kredite aufnehmen wollen und können, bleibt als Rettung für die Kapitalmärkte nur eine stärkere Verschuldung von Staaten. Das erleben wir gerade: Die meisten Staaten können sogar ihre Zinsen nur bezahlen, wenn ihnen dafür neue Kredite gewährt werden.
Exponentielle Entwicklungen, die sich unbegrenzt beschleunigen, gibt es in der Natur und im Kosmos nur bei Explosionen, die immer einen Zusammenbruch einleiten. Auch in unserer von Menschen geschaffenen Welt müssen sie irgendwann zusammenbrechen.
Deshalb liegt die Lösung für alle oben aufgeführten Probleme (1. – 7.) in einem „fließenden Geldsystem,“ das die Wirtschaft nicht durch Zins und Zinseszins antreibt, sondern durch eine monatliche Gebühr von zum Beispiel 0,75 %, die von allen Girokonten abgebucht wird. Bargeld wird mit begrenzter Laufzeit ausgegeben (was mit eingebauten Mikrochips kontrolliert wird) und bei Fälligkeit gegen Zahlung der kumulierten Gebühr gegen neues, gültiges Geld eingetauscht.
Dieses fließende Geld ist ein einfaches Tauschmittel und steht auf einer Stufe mit anderen Gütern, die veralten, verrosten, verfaulen, verfallen oder Lagerkosten verursachen.
Das Bankensystem bleibt im Wesentlichen unverändert, nur die Rahmenbedingungen ändern sich: Da Bargeld und Giralgeld „Lagerkosten“ verursachen, werden diejenigen, die Kapital haben, diese Kosten vermeiden wollen und interessiert sein, es über geeignete Anlageformen zinsfrei wieder zur Verfügung zu stellen.
Die Folgen für einen Staat, der fließendes Geld einführt, sind vielfältig:
Wolfgang Berger, Prof. Dr.phil. Dr.rer.pol. M.A.(Econ), hat in Frankreich und den U.S.A. Volkswirtschaftslehre und Philosophie studiert und in Deutschland in beiden Fächern promoviert. Er leitet das Business Reframing Institut in Karlsruhe, das sich auf die gezielte Ausrichtung und Gestaltung von Unternehmenskulturen spezialisiert hat.
Literatur: Wolfgang Berger, Business Reframin