Bonhoeffer: Pastor, Agent, Märtyrer und Prophet
ICH VERHÄNGE mich oft an persönlichen Anknüpfungspunkten. Zum Beispiel: Dietrich Bonhoeffer wurde auf den Tag genau – zehn Jahre, bevor ich auf die Welt kam – von der Gestapo verhaftet. Fast auf den Tag genau – acht Jahre vor meiner Geburt – wurde er 39-jährig hingerichtet. Wenn man das Ende kennt, will man gar nicht gern verstehen, dass so ein Leben ganz normal beginnt. Dietrich Bonhoeffer kam 1906 als fünftes von acht Kindern auf die Welt. Musik, Sport, Sprachen, überall zeigen sich seine Talente. Das Buch, um das es hier geht, ist so gut geschrieben, dass man nicht nur das Familienleben hautnah miterleben kann, sondern auch das Leben dieser Zeit. Als sich Dietrich für’s Theologie Studium entschloss, fand das seine Familie nicht so toll.
Zuerst Universität; 1928 Pfarrer in Barcelona; 1930/31 Amerika. Dort erlebte er in den Kirchen der Schwarzen, im Milieu der Unterschicht, die Kraft des Evangeliums. Ein prägendes Erlebnis. Christsein ist keine Spielerei im Kopf. Christsein heißt Leben oder es ist kein Christsein und auch kein Leben.
Bald nach seiner Rückkehr nach Deutschland kam Hitler an die Macht. Bonhoeffer nahm alles ernst. Das Leben hier und jetzt, das Evangelium in dieser Welt, die Position an der Seite der Armen und Unterdrückten. Mit dieser Haltung kam er schnell in Konflikt mit dem Regime. Er versuchte eine kirchliche Allianz gegen seine menschenverachtenden Auswüchse. Dies gelang nicht. Unermüdlich suchte er neue Bündnisse, um den Widerstand zu stärken. Es sei notwendig, »dem Rad selbst in die Speichen zu fallen«. Er war bereit, sein Leben für ein anderes Deutschland zu geben. Am 1. April 1945, der Krieg war fast vorbei, fand die Gestapo in einem Versteck Aufzeichnungen der Verschwörer. Hitler erteilte persönlich den Befehl zur »Vernichtung der Verschwörer«. Natürlich wussten alle, dass »es« bald vorbei sein würde. Umso fanatischer betrieben sie die Verfolgung der Regimegegner. In einem Blitzverfahren verurteilt ein Schnellrichter Dietrich Bonhoeffer zum Tode und lässt ihn am nächsten Morgen, am 9. April 1945, hinrichten. Knapp acht Jahre später kam ich auf die Welt.
Unglaublich spannend. Lehrreich. Mitreißend. Mir hat dieses Buch sehr geholfen, einen wichtigen Teil unserer Geschichte zu verstehen und tiefere Ströme meines Menschseins zu erahnen. Ich werde es sicher noch einmal lesen. Ich möchte es dir dringend empfehlen!