Editorial Brennstoff Nr. 72
Editorial Brennstoff Nr. 72
Brennstoff Nr. 72 | Heini Staudinger | 10.07.2026

Ich glaube nicht, dass man in 800 Jahren noch von Elon Musk, Mark Zuckerberg oder Kolomojskyj reden wird. Die Milliardäre und die Superreichen wollen die Welt nach „ihrem Ebenbild“ gestalten, und gegebenenfalls – sollte etwas schiefgehen – auf eine Insel oder auf den Mars abhauen.

Eine völlig andere Karriere legte Franz von Assisi hin. Als Sohn eines reichen Tuchhändlers standen ihm Tür und Tor offen. In der ganzen Stadt bekannt und beliebt, von den Frauen begehrt, doch dies war ihm nicht genug. Er wollte auch Held sein. So zog er in stolzer Rüstung in den Krieg gegen die Nachbarstadt Perugia. Dort geriet er in Gefangenschaft und irgendwann überkamen ihn Zweifel. Der Krieg, die Aussätzigen, die Armen und er, der Sunny Boy, - ist das das Leben, das wirkliche Leben?

Er schmiss alles hin, riss sich die Kleider vom Leib, stand nackt vor dem Vater und zog zu den Armen. Er pries Sonne und Mond, lobte alles, was lebt und teilte sein Leben mit den Armen. Franz war überzeugt, die ganze Welt gehöre ihm, weil Gott sie für alle erschaffen hat.

In diesem Sinn gibt uns Franz von Assisi Orientierung. Man muss nicht katholisch sein, um zu erkennen, dass wir alle von der Natur leben. Die Welt gehört uns allen. Wir tragen Verantwortung für dieses „gemeinsame Haus“, wie dies Papst Franziskus – ganz im Sinne von Franz von Assisi - in seiner Enzyklika „Laudato si“ einmahnt.

Auch wenn der Zug heute augenscheinlich in eine andere Richtung fährt, so bleibt es doch dabei: wir leben von der Natur, sind selber Natur, und wenn wir halbwegs bei Sinnen sind, stimmen wir ein in den Sonnengesang von Franz von Assisi und preisen das Leben in all seiner Pracht, seiner Rätselhaftigkeit und Tiefe, und überlassen unsere Stimmung nicht den Teufeln.

Das meint im Ernst.
Heini Staudinger

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