„Von deinen Sinnen hinausgesandt, geh bis an deiner Sehnsucht Rand“
... schöner als Rilke kann man es kaum sagen, „von den Sinnen hinausgesandt“, - die Sinne sind uns ja mit der Geburt ins Herz gelegt, und die Sehnsucht, die nie aufhört (vor dem Einschlafen spüren wir sie manchmal, selbst wenn sie durch den Alltag verschüttet ist) ... die Sehnsucht also weist uns den Weg zum Ursprung der Sinne. Und der Ursprung ist innen. Und der Ursprung vom Ursprung, wo ist der? ... Rilke nennt diesen Raum den „Weltinnenraum“.
Rilke befasste sich gründlich mit Meister Eckhart. Dieser meinte, dass uns göttliche Samen ins Herz gelegt wurden, die auf Entfaltung drängen. Die Samen heißen, - Gerechtigkeit, Wahrheit, Lebendigkeit und Liebe. Wieder ist es die Sehnsucht, die immer wieder anklopft und will, dass diese Samen aufgehen mögen. Seit Wochen nun ist mir RILKE nahe, - aus einem einfachen Grund: Brennstoff und Rilke Symposium brauchen Inhalt. Für diesen „Zwang“ bin ich dankbar, denn ich merke, je mehr ich mich mit „ihm“ beschäftige, desto inniger führt mich diese Reise nach innen. Unterm Strich sind wir alle dort daheim, denn wenn wir das Innen verloren haben, sind wir nirgendwo. Das klingt streng, aber seien wir ehrlich, - wenn man den Kontakt zum Innen verloren hat, - wo ist man dann? ... wer ist wer ohne Innen? Dem Leben auszuweichen hat keinen Sinn. Rilke sagt es wieder einmal klar und deutlich:
Lass dir Alles geschehn: Schönheit und Schrecken. // Man muss nur gehn: Kein Gefühl ist das fernste // Lass dich von mir** nicht trennen. // Nah ist das Land, das sie das Leben nennen // du wirst es erkennen // an seinem
Ernste // Gib mir die Hand.
Jedes Leben will gelebt werden.
Das meint im Ernst
Heini Staudinger