Editorial Brennstoff Nr. 43
Editorial Brennstoff Nr. 43
Brennstoff Nr. 43 | Heini Staudinger | 10.07.2026

Liebe Freundinnen, liebe Freunde!
Mein Großvater war »schuld«, dass sie mich Heinrich tauften und Heini nannten. Es ist eh ein bisschen kindisch und doch ist es so, dass ich mich, wenn einer Heinrich oder Heini heißt, mit ihm in besonderer Weise verbunden fühle. Ein Grund, warum mir Heinrich von Kleist näher ist als viele andere große Schriftsteller. So begleitet mich dieser, von meinem Namensvetter aufgezeichnete Text, seit Jahrzehnten: »Gebet der Zoroaster«.

Dieser Text stammt aus einer indischen Handschrift, von einem Reisenden in den Ruinen von Palmyra gefunden. Palmyra, diese jahrtausende alte Stadt in der Wüste wurde 1980 zum Weltkulturerbe ernannt, vor wenigen Monaten jedoch wurde Palmyra im Wahnsinn des Krieges in Syrien nennenswert zerstört – es ist, wie es ist! Und doch fällt es mir schwer zu verstehen, was der Mensch »alles« ist.

Dieser schöne Text spricht davon:

»Gott, mein Vater im Himmel! Du hast dem Menschen ein so freies, herrliches und üppiges Leben bestimmt. Kräfte unendlicher Art, göttliche und tierische, spielen in seiner Brust zusammen, um ihn zum König der Erde zu machen. Gleichwohl, von unsichtbaren Geistern überwältigt, liegt er, auf verwundernswürdige und unbegreifliche Weise, in Ketten und Banden; das Höchste, von Irrtum geblendet, lässt er zur Seite liegen, und wandelt, wie mit Blindheit geschlagen, unter Jämmerlichkeiten und Nichtigkeiten umher. Ja, er gefällt sich in seinem Zustand; und wenn die Vorwelt nicht wäre und die göttlichen Lieder, die von ihr Kunde geben, so würden wir gar nicht mehr ahnen, von welchen Gipfeln, o Herr! der Mensch um sich schauen kann.«

Diese unterschiedlichen Kräfte, die dunklen und die hellen, hausen alle in unserer Brust. Wir spüren es immer. Mal mehr, mal weniger deutlich. Da drinnen herrscht nicht nur das Gute und Schöne, sondern auch das Destruktive, das Eitle, das Arbeits- oder Konsumsüchtige usf.

Wir verdrängen es oft. Vor allem das Dunkle möchten wir gern verscheuchen, doch oft sind wir »auf unbegreifliche Weise in Ketten und Banden« gefangen.

Unsere Freundin, die Tiefenpsychologin Ute Karin Höllrigl, erforscht Träume. Sie sagt, »Träume sind Briefe aus dem Inneren«. Ute meint, die Schicksalsfrage des Lebens ist nicht, dass wir das Dunkle verscheuchen, sondern dass wir es transformieren. Transformieren zum »edel sei der Mensch, hilfreich und gut«. Unsere Träume und unsere tiefere Sehnsucht weisen uns den Weg. Die Transformation jedoch kann nur gelingen, wenn wir diesen Wegweisern folgen.

Das meint im Ernst
Ihr/dein Heini Staudinger

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Heini Staudinger

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