Liebe Freundinnen, liebe Freunde!
Es war im Dezember 1994. Ich hatte Kreuzweh und war auf Kur. Die Kur war lieblos und doch hat sie mir schlussendlich sehr geholfen. In einer Pause vom Kurbetrieb schlenderte ich durch die Stadt und fand in einer Buchhandlung ein Buch mit dem Titel »Buddhistisches Lesebuch«. Ich kaufte es und fing gleich darin zu lesen an. Da stand der Satz »Die Welt ist so wie wir sind«. Zuerst dachte ich mir, »so grauslich wie die Welt bin ich aber nicht«. Erst nach längerem Nachdenken bemerkte ich, dass immer dann, wenn ich nicht so grauslich bin, auch die Welt ein bisschen weniger grauslich ist.
So ist es. Wir spüren es, dass es so ist und weichen doch dem großen Schritt (unserer Sehnsucht zu folgen) ängstlich aus, statt mutig dem Fluss des Lebens zu vertrauen. Und wenn wir darüber nachdenken, warum wir denn so sind, stoßen wir immer wieder auf Ängste, die uns hindern und die uns mächtig im Wege stehen. Ängste, nicht genug zu sein. Nicht cool genug, nicht schön genug, nicht stark genug. Ängste um den Jobverlust, Ängste um Prestigeverlust?
Das »Let It Be« der Beatles hab ich einmal mit »Scheiß di ned au-n« übersetzt. Beim Weitererzählen bemerkte ich dann, dass von diesem Satz so eine ermutigende und motivierende Kraft ausgehen kann, dass ich diesen Satz zum Firmengrundsatz Nummero 1 erklärt habe. Jesus sagte: »Fürchte dich nicht!« Natürlich wusste er, dass uns Menschen nichts mehr lähmt als die eigene Angst.
Es ist noch gar nicht so lange her, da war ich irgendwo in Österreich zu einem Vortrag eingeladen. Bei der anschließenden Diskussion saß ein hoher Beamter (ich will seinen Namen nicht verraten) neben mir am Podium. Er meinte, für ihn seien neben dem Gesetz auch noch »Hirn, Herz und Hausverstand« wichtig. Diese drei »H« jedoch wollen nicht immer dasselbe wie das Gesetz. Wenn ihn dann seine Kollegen in der Behörde warnen, dass es für ihn gefährlich werden könnte, anders zu entscheiden als das Gesetz es verlange, dann denkt er sich, »mach es so wie der Staudinger Heini. Scheiß di ned au-n! Folge deinem Herzen. Fürchte dich nicht vor dem Gesetz und triff alle deine Entscheidungen mit Hirn, Herz und Hausverstand.« So ist die Welt. Wenn wir die Hose voll haben, dann ist die Welt eben so. Eine Welt voller Sachzwänge und voller voller Hosen. Wenn wir jedoch mutig sind/werden, ist/wird auch die Welt anders/menschlicher. Die Sehnsucht braucht unseren (deinen/meinen) Mut, um ans Ziel zu gelangen. Drum sei mutig. Verändere die Welt. Mut tut gut.
Das meint im Erns
Euer Heini