Liebe Freundinnen, liebe Freunde!
Als ich 1953 zur Welt kam, war die Aufteilung der Welt in eine »kommunistische« und eine »freie« Welt noch relativ jung.
Ich erinnere mich, dass ich irgendwann, noch als Kind, die Frage stellte, was denn der Unterschied zwischen diesen zwei Welten sei. Und die Großen erklärten mir, dass »drüben«, bei den Kommunisten, alles enteignet würde. Wir konnten uns das nicht vorstellen. Unsere Erfahrungswelt war die Greißlerei, der kleine Krämerladen meiner Eltern, die Kleingewerbebetriebe in der Nachbarschaft und die kleinen Landwirtschaften unserer Verwandten, von denen wir damals glaubten, sie seien groß.
Wenn ich nun, einige Jahrzehnte später, auf die Welt meiner Kindheit zurückblicke, dann merke ich, wie fast alle »verschwunden« sind. Der Schmied, der Schneider, die Schuh- und Textilfabriken, fast alle Bäckereien und Metzgereien, die Glaserei, die Maler und Anstreicher, alle Greißlerein ... und auch die Landwirtschaften unserer Verwandten sind heute keine existenzfähigen Höfe mehr. Ein großer Teil des Handels findet heute in Betonklötzen auf der grünen Wiese statt und die Erzeugung der dort verkauften Produkte passiert vor allem in Asien. Und jetzt machen sie uns noch die letzten Bäcker kaputt mit ihren vorgebackenen Brötchen, die aus Weißrussland, Polen, Rumänien und neuerdings auch aus Asien gekühlt in die Supermärkte der Konzerne angeliefert werden.
Die Enteignungen durch die Kommunisten waren brutal. Die Enteignungen bei uns, im Kapitalismus, gingen eher schleichend. Hüben wie drüben gingen die Betriebe nicht deshalb kaputt, weil die Akteure faul oder schlampig waren, sondern weil ...
Cui bono? Ich kann gar nicht gut Latein, aber in diesem Zusammenhang fällt mir dieser lateinische Satz ein: »Wem nützt es? Für wen ist es gut?« Es ist banal: den Großen nutzt es, wenn die vielen Kleinen kaputtgehen. Und den Banken?* Denen geht’s selbst dann gut, wenn es ihnen schlecht geht. Denn dann müssen (?) wir (das Volk) sie retten.
Es ist Zeit für neue Wege (siehe Seite 18, P. M.). So wie es jetzt läuft, geht alles kaputt. Die Natur (wir brauchen die Natur zum Überleben, siehe Seite 4 ) und jedes soziale Gefüge (der Mensch braucht ein Nest und ein bisschen Wärme zum Überleben – darum geht’s im ganzen brennstoff ). Der Dienst am Kaputten macht müde, macht kaputt. Drum müssen wir uns heute noch auf den Weg machen, um unsere enteigneten Welten – die inneren und äußeren zurückzuerobern. Der Dienst am Lebendigen kräftigt, er schenkt Frische und Lebensfreude.
Es lohnt sich.
Das meint im Ernst
Euer Heini