Mir war gar nicht wohl, als Moreau, unser brennstoff-Chef, für diese Ausgabe als Titel »Idioten« vorschlug. Idioten sind Idioten, so dachte ich mir. Als ich dann die ursprüngliche Bedeutung des Wortes durch den Artikel von Hermann Scheer verstehen lernte, spürte ich richtiggehend Lust auf dieses Thema.
Wir sind eine Gesellschaft voll »Idioten«. So. Jetzt muss ich die ursprüngliche Wortbedeutung doch gleich auf den Tisch legen; ich will ja keine/n grundlos beleidigen. Hermann Scheer erklärt in seinem Artikel, dass bei den alten Griechen die Idioten diejenigen waren, die sich ausschließlich für ihre Privatangelegenheiten interessierten, während die »politischen Menschen« sich um das Gemeinwesen und um das Gemeinwohl kümmerten. In diesem Sinne sind wir wohl eine Gesellschaft voller Idioten.
Wir sind stolz und dankbar, dass wir mit dem von Freunden und Bekannten geborgten Geld unsere Firma so gut entwickeln konnten. Heute arbeiten in unseren Waldviertler Werkstätten 160 Leute (vor 10 Jahren waren wir 30).
Wir produzieren Schuhe, Taschen, Matratzen und machen noch Etliches mehr. So betreiben wir hier im Waldviertel mit der GEA Akademie einen Seminarbetrieb usw. Unsere Aktivitäten tun der Region gut. Besonders auch deshalb, weil diese Region im nördlichen Waldviertel unter derbhohen Arbeitslosenrate und einer starken Abwanderung leidet. Umso mehr freuen sich alle über unsere Performance. Doch tief im Innern schlummert ein »großer Fehler«. Unser Fehler besteht darin, dass wir das – für die Entwicklung unserer Firma nötige – Geld nicht von der Bank, sondern von Freunden, Bekannten und von unseren Mitarbeitern geborgt bekommen haben. Und das ist verboten.
Seit zwei Jahren stehen wir deshalb in Konflikt mit der Finanzmarktaufsicht (FMA). Wir haben in den letzten Monaten gelernt, wie wir diese Privatdarlehen »legalisieren« können. Diese Prozedur ist aber nennenswert kompliziert. Und da meine ich, dass es völlig »idiotisch« ist, wenn der Gesetzgeber und die Gerichte das Geld-Monopol der Banken schützen, indem sinnvolle Lösungen möglichst kompliziert gemacht werden. Das gemeinschaftliche Zusammenhelfen von Menschen muss durch einfache Regelungen gefördert und beschützt werden.
Denn eines ist klar: wir leben von der Realwirtschaft und nicht von den Finanzakrobaten und Spekulanten. Und eines Tages werden auch die Damen und Herren in der FMA, die Richter und die Banker einsehen, dass der Indianerhäuptling Seattle recht hatte, als er meinte, dass man Geld nicht essen kann.
Das meint im Ernst
Euer Heini