Afrika ist kein Land
Afrika ist kein Land
Brennstoff Nr. 71 | | 03.02.2026
  1. November 1884

… und so versammelten sich die weißen Männer in Khaki am verschneiten Nachmittag des 15. November 1884 zur Berliner Konferenz, wo sie unter einer großen Landkarte Platz nahmen. […]

Die Männer, die sich dort versammelten, hatten keine Ahnung davon, was sie sich ansahen; […]

Ihr Wissen wurde durch ihr vormalig einziges Interesse daran, Sklaven von der Küste zu verschiffen, eingeschränkt. Doch von diesem Punkt richtete sich der Blick nun in die Zukunft und auf das Versprechen von Afrikas riesigen natürlichen Ressourcen... Einige von ihnen bezeichneten Afrika als den dunklen Kontinent, womit sie zugaben, dass ihnen die Region unbekannt war. Trotzdem schreckte sie diese Erkenntnis nicht ab. Sie waren nicht in Berlin, um sich Wissen anzueignen. […]

Die Männer im Raum repräsentierten die Interessen von vierzehn Nationen: […] in den nächsten drei Monaten arbeiteten diese Männer an einer gütlichen Einigung darüber, wie man den afrikanischen Kontinent aufteilen konnte, ohnen eine Krieg miteinander zu beginnen. […]

Eine Sache war klar und auf die konnten sich fast alle einigen: Es sei ihr natürliches Recht, die Region zu erkunden und sich zu nehmen, was sie wollten. […]

Commerce, Christianity, Civilisation.

Bismarck begann seine Rede, indem er jeden daran erinnerte, dass sie alle gute Menschen seien. Gute Menschen mit hehren Zielen. Er bekräftigte die Vorstellung, dass es die unzivilisierten afrikanischen Ureinwohner und ihr unzivilisiertes Land seien, die am meisten davon profitieren würden, wenn ihnen die drei Cs serviert würden, die Livingstone zuvor vorgegeben hatte und die Ziel der Konferenz waren: Commerce, Christianity, Civilisation.

Indem sie den riesigen Kontinent für Kolonialisierung öffneten, würden sie der Urbevölkerung helfen, klüger und besser zu werden.

Niemand widersprach.

Von Beginn an gab die Konferenz vor, sich um die wirtschaftliche Entwicklung der Region und ihrer Bevölkerung zu kümmern. Selbstverständlich würde jedweder Nutzen für die hilfreichen westlichen Nationen nur ein glückliches Nebenprodukt sein. […]

Das Völkerrecht ...?

Über der Konferenz schwebte die unbequeme Frage, ob dies nach geltendem Völkerrecht überhaupt legal sei. Nebenbei kündigte Bismarck an, dass sich die Konferenz nicht in Diskussionen über den rechtlichen Morast der Souveränität verzetteln werde oder darüber, ob eine der versammelten Delegierten tatsächtlich befugt sei, bewohntes Land für sich zu beanspruchen. Stattdessen würden sie sich nur darauf konzentrieren, Richtlinien festzulegen, die das Verhalten aller regeln würden, wenn es darum ginge, welche Filetstücke Afrikas sie für ihre jeweiligen Imperien haben wollten. […]

Die Diplomaten auf der Konferenz vermieden es, die moralische Bedeutung der Aufteilung von fremdem Land und Eigentum zu diskutieren […]

Die Berliner Konferenz endete schließlich am 26. Februar 1885 mit dem Entwurf der Generalakte - einem Dokument, welches das Ende von Afrikas Selbstbestimmung festschrieb und den Ansturm, alles auf dem Kontinent zu verschlingen, bis er sauber abgepflückt war, beschleunigte.

Der Autor ist Afrikaner. Er spottet darüber, dass die Europäer oft so tun, als wäre Afrika ein (1) Land. In diesem unglaublich temperamentvoll geschriebenen Buch erklärt Dipo Faloyin gleich zu Beginn, dass Afrika nämlich ein Kontinent ist, und dass alle, die so tun, als wüssten sie „alles“ über Afrika, unrecht haben, denn Afrika ist sowohl von den Landschaften als auch von den Kulturen so vielfältig wie kaum ein anderer Kontinent. Dipo Faloyin erzählt Geschichte und Geschichten - mitreißend, klar, immer getrieben von Lebenslust und dem Glauben an eine großartige Zukunft - trotz aller kolonialen Hindernisse.

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