Riace soll wieder leben

Riace ist ein kleines Dorf in Süditalien, das vom Aussterben bedroht war. Vor 20 Jahren begann die Gemeinde aus eigener Initiative großzügig Geflüchtete aufzunehmen. Domenico Lucano, heute zum dritten Mal Bürgermeister, stellte den Geflüchteten leerstehende Häuser zu Verfügung und förderte Projekte mit ihnen in Landwirtschaft, Handwerk, Gastronomie, Lebensmittelverarbeitung und sanftem Tourismus, um das Dorf wieder zu beleben. Riace wurde so zur Stadt der Gastfreundschaft und Citta Futura. Andere Gemeinden in Kalabrien folgten diesem Beispiel. Bürgermeister Domenico Lucano erhielt den World Mayor Award und den Dresdner Friedenspreis, der Regisseur Wim Wenders drehte den halbstündigen Dokumentarfilm „Il Volo“. Riace hat Menschen in aller Welt inspiriert.
Riace erhielt überJahre den in Italien üblichen Satz von 35 Euro pro Tag und pro Geflüchteten für die Dauer des Anerkennungsverfahrens. Seit Juli 2017 hat der italienische Staat ohne jede Begründung die Zahlungen dieser Gelder eingestellt. Unter fadenscheinigen Gründen wurde Domenico Lucano Anfang Oktober verhaftet, später auf richterlichen Beschluss wieder freigelassen mit der Auflage, seine Gemeinde bis zum Abschluss des Verfahrens nicht zu betreten. Die Regierung hat begonnen, die Geflüchteten aus Riace in Flüchtlingslager einzuweisen. Der italienische Innenminister Salvini nützt die Tatsache aus, dass Riace finanziell abhängig von der Förderung durch den Staat blieb, um die beispielgebende Willkommenskultur dieser Gemeinde zu zerstören.
In Italien ist eine breite Solidaritätsbewegung für Riace entstanden. Das Netzwerk von solidarischen Gemeinden Re.Co.Sol und der Verein Chico Mendes haben zu Spenden aufgerufen, um den Betrag von 650.000 Euro aufzubringen, den die Regierung an die Gemeinde nicht ausgezahlt hat. In Kirchen, Schulen und Spitälern werden Unterschriften und Spenden gesammelt. Bisher kamen bereits 350.000 Euro zusammen.
Mehr als 100.000 Menschen demonstrierten in Rom gegen die Politik Salvinis und in Solidarität mit Riace.
Retten wir Riace
Während in großen Medien das Projekt Riace bereits tot gesagt wird, entstehen europaweit Initiativen, die dazu beitragen wollen, dass Riace wieder Geflüchtete empfangen kann.
Gemeinsam rufen wir alle, die ihre Menschlichkeit bewahrt haben, dazu auf, dies zu unterstützen. Ziel ist, den Empfang in Riace wirtschaftlich unabhängig von der italienischen Regierung zu machen.
– Es braucht 300.000 Euro, damit der restliche Betrag der ausstehenden staatlichen Gelder an die Gemeinde bezahlt werden kann.
– Die Verbannung von Domenico Lucano aus Riace muss aufgehoben werden
– Die lokale Produktion soll weiter ausgebaut werden, damit Geflüchtete und Einheimische Beschäftigung finden, die Produkte können in Zukunft über ein Nord-Süd-Solidaritätsnetz vermarktet werden.
Seit Jahren gibt die EU Milliarden Euro aus, um zu verhindern, dass weiterhin Menschen auf der Flucht nach Europa kommen. Die europaweite Hetze gegen Geflüchtete, die nicht nur von nationalistischen Parteien betrieben wird, vergiftet die Gesellschaft. Es ist Teil der Abschottungspolitik der EU, die Länder Griechenland, Italien und Spanien, in denen die meisten Geflüchteten ankommen, im Stich zu lassen.
Zeigen wir, dass es anders geht!
Weitere Informationen: https://www.forumcivique2.org/
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