Zur Sozialpsychologie des Neoliberalismus

Herzlich willkommen

zur ersten Ausgabe von »Dr. Moreau empfiehlt«. Hier veröffentliche, kommentiere und verlinke ich ab sofort Ausschnitte aus meinem Medientagebuch. Dabei jage ich eher selten der Sau hinterher, die gerade durch’s globale Mediendorf gehetzt wird. Was zählt, ist Relevanz. Relevant ist, was uns hilft, die Welt, in der wir leben, und uns selbst besser zu verstehen.

Zur Sozialpsychologie des Neoliberalismus

Neoliberalismus heißt Wettbewerbsgesellschaft. Ein Wettbewerb ist ein Auswahlverfahren zur Ermittlung eines Siegers. Alle anderen sind Verlierer. Darum ist eine Wettbewerbsgesellschaft eine Verlierergesellschaft. Damit das nicht so auffällt, werden in den Medien die Sieger groß gefeiert. Ausgewählte Verlierer werden in Sozialpornos vorgeführt, um der Masse zu zeigen, wo man endet, wenn man sich nicht genug anstrengt. Wer sich nicht genug anstrengt, ist selber schuld und verdient kein Mitleid. So lehrt der Neoliberalismus die Menschen in der Verlierergesellschaft, vom Versagen zu träumen. Manche schlittern in ein Burnout, andere werden depressiv, einige bringen sich um. Wieder andere, gleichermaßen gedemütigt und gekränkt, fangen an zu hassen, werden rechts- oder linksradikal, ziehen in den Jihad oder laufen Amok – gewaltbereit und scharf gemacht von einer sozialdarwinistischen, menschenfeindlichen Ideologie, die Geld wichtiger nimmt als Menschen.

»Ich fühle mich verraten«

Die taz berichtete kürzlich von einem Aufsehen erregenden Opfer neoliberal geprägter Lebensumstände. Ein 30-Jähriger Italiener nahm sich das Leben, sein Abschiedsbrief wurde öffentlicht. Aus einer privaten Tragödie wurde die eines Landes.

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Götz Eisenberg

Amok und Abbildung

»Eine Gesellschaft, die im Interesse des Massenkonsums durch Werbung und Unterhaltung den Narzissmus unentwegt stimuliert, darf sich nicht wundern, wenn auch dessen maligne, also bösartige und destruktive Formen vermehrt zutage treten«, schreibt der Sozialwissenschaftler, Publizist und ehemalige Gefängnispsychologe Götz Eisenberg im nachfolgend verlinkten Beitrag: »Aufgabe einer kritischen Theorie der gegenwärtigen Gesellschaft ist es, die exotisch-verrätselte Sprache der Symptome zu dechiffrieren, die Leidenserfahrungen der Menschen beredt werden zu lassen und ihre Ursachen ins Bewusstsein zu heben.«

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Zwischen Arbeitswut und Überfremdungsangst

In der »Edition Georg-Büchner-Club« erschien 2016 unter dem Titel »Zwischen Arbeitswut und Überfremdungsangst« der zweite Band von Götz Eisenbergs »Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus«. Über den ersten Band »Zwischen Amok und Alzheimer« schrieb Matthias Dell im Freitag: »Eisenberg kommt aus einer Zeit, in der der Himmel die Grenze des Denkens war. Sein an der Kritischen Theorie geschulter Blick nimmt die Gesellschaft in ihrer ganzen Breite in den Blick.«

Verlagsinformation zum Buch

 

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