In Richtung der Träume
In Richtung der Träume
Henry David Thoreau, Zheodor Fontane, Till Bastian | 08.02.2024 | 2 Minuten

„Das eine wenigstens lernte ich: Wenn jemand vertrauensvoll in der Richtung seiner Träume vorwärts schreitet und danach strebt, das Leben, das er sich einbildete, zu leben, so wird er Erfolge haben, von denen er sich in gewöhnlichen Stunden nichts träumen ließ. Er wird mancherlei hinter sich lassen, wird eine unsichtbare Grenze überschreiten. Neue, allgemeine und freiere Gesetze werden sich um ihn und in ihm bilden oder die alten werden ausgedehnt und zu seinen Gunsten in freierem Sinne ausgelegt werden.”
HENRY DAVID THOREAU , Lehrer und Philosoph

SICH VERLIEREN

In unserem gewöhnlichen Zustande sind wir immer nur mit unserm Ich beschäftigt, das wir befriedigen wollen, und je mehr wir danach ringen, je weniger fühlen wir uns befriedigt, je unglücklicher werden wir. Neulich fand ich in der Sonntagsbeilage der Vossin einen hübschen Aufsatz von einem Berliner Gymnasial-Direktor, Franz Kern … Franz Kern schrieb ungefähr: „Die schönste Wirkung eines Kunstwerkes auf uns, namentlich bei Lesung einer Dichtung, ist die, dass wir uns dabei vergessen. Die Sprache, immer tiefsinnig, nennt dies „sich verlieren“ und drückt damit das Höchste aus, das uns zu Teil werden kann. Auch das höchste Glück. Denn dies gerade liegt in dem „sich verlieren“. In unserem gewöhnlichen Zustande sind wir immer nur mit unserm Ich beschäftigt, das wir befriedigen wollen, und je mehr wir danach ringen, je weniger fühlen wir uns befriedigt, je unglücklicher werden wir. Denn das Ich ist unser Leid, unser Druck, unsere Qual. Und nun treten wir an ein Kunstwerk heran und verlieren uns darin! „Das ist Erlösung vom ‘Ich’, Befreiung, Glück.“ So ungefähr. Man liest nicht oft so gute Stellen.
THEODOR FONTANE

SEELENLOSE GESELLSCHAFT

Könnte es im weiteren Verlauf unseres Jahrhunderts noch nötig werden, jenes geheimnisvolle Wesen, das die Menschen seit Jahrtausenden „Seele“ genannt haben, auf die „Rote Liste“ der vom Aussterben bedrohten Arten zu setzen? Die Seele – ein in seinem Fortbestand gefährdetes Wesen, das des Arten-schutzes bedarf, weil seine Existenzgrundlagen durch die technokratische Industriegesellschaft Zug um Zug zerstört werden.
TILL BASTIAN , Die seelenlose Gesellschaft, Kösel Verlag, 2012

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Henry David Thoreau, Zheodor Fontane, Till Bastian

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