Editorial Brennstoff Nr. 64
Editorial Brennstoff Nr. 64
Heini Staudinger | 17.01.2024 | 2 Minuten

Liebe Freundinnnen, Liebe Freunde,

oh ja, wir müssen das Streiten wieder lernen. So viele, viel zu viele, ziehen sich zurück ins Schweigen. „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ - so heißt s im Sprichwort. Aber allzu oft ist dieses Schweigen nicht Gold, sondern Resignation, Angst und Depression. Ich weiß, wovon ich rede. Ich habe etliche Freunde durch Selbstmord verloren. Und dann steht man fassungslos da mit der Frage: „Warum? Warum hast du nix gesagt?“

Thomas kam regelmäßig vorbei. Alle paar Wochen einmal, zweimal. Dass er in den letzten Monaten nicht mehr kam, haben wir in aller Deutlichkeit erst mit der Nachricht von seinem Tod mitbekommen. Verstört fragten wir uns: „Hätten wir mehr …? … für Thomas kommt der Versuch unserer Antwort zu spät. Aber in unserem Umfeld gibt s viele, die schweigen, die nicht mehr mitreden wollen, weil es „eh sinnlos“ ist. Der Mainstream ist zu mächtig. Eine abweichende Meinung zu haben ist gefährlich. Schon der Zweifel an der verherrschenden Meinung kann mit Ausschluss aus der Gemeinschaft oder mit Shitstorm bestraft werden.

Freunde, - drum erst recht. Streiten wir wieder. Der Andere, die Andere, das Andere ist Ausdruck der Vielfalt. Rosa Luxemburg hat es radikal ausgedrückt: „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“ Das heißt, auch der/die Andersdenkende hat das Recht zu reden, hat das Recht zu sein.

Der Mainstream führt uns auf vielen Ebenen in immer noch heftigere Schwierigkeiten. Doch die große Mehrheit will was Anderes. Ganz einfach Frieden, will Herunter-vom-Gas, will einfach leben. Drum müssen wir reden. Lasst uns darüber streiten. Das macht Sinn.

Das meint im Ernst

Euer

Heini Straudinger

PS: Pfingstsymposium. Komm. Unser Thema: Das Leben – ein Fest! Untertitel: born to be wild. Yes. Es verstümmelt uns, wenn wir aus tausend Gründen das Wilde in uns unterdrücken müssen.

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