Warum Wildbienen nützlich sind und was sie von Honigbienen unterscheidet

Artikelbild: Die Hummel zählt zu den Wildbienen. Von ihr gibt es rund 150 Arten.
(Foto: © istock.com)

Warum Wildbienen nützlich sind und was sie von Honigbienen unterscheidet

Bereits die Hälfte aller Wildbienen in Deutschland und Österreich ist vom Aussterben bedroht. Was aber sind Wildbienen? Was unterscheidet sie von den „domestizierten“ Honigbienen und was haben sie mit diesen gemeinsam?

Autoren: Hilliard Rennau und Gregor Pauser

Zur Familie der echten Bienen (Apoidae) zählen die allseits bekannten Honigbienen sowie die in Gestalt und Aussehen sehr unterschiedlichen Wildbienen, zu denen auch die Hummel gehört. Während es von der Honigbiene lediglich 9 unterschiedliche Arten gibt, wurden bisher weltweit über 20.000 Arten der Wildbiene gefunden und jährlich werden neue entdeckt.

Die große Familie der echten Bienen

Honigbienen und Wildbienen zeigen in ihrer Lebensweise große Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten. Je nach Lebensweise unterscheiden wir 3 Typen von Bienen:

  • Kollektiv lebende Bienen, wie die Honigbienen oder Hummeln, die Brutpflege betreiben, sich also um den Nachwuchs kümmern und mit ihm in eine Beziehung treten. Nicht zuletzt dürfte sich daraus die hochspezialisierte Arbeitsteilung und Kommunikation der Honigbienen entwickelt haben.
  • Solitär lebende Bienen, welche mit fast 95% die große Mehrzahl der als „Einsiedlerbiene“ lebenden Bienenarten darstellen. Sie sind Einzelgänger, die während ihrer kurzen Lebenszeit von nur einigen Wochen lediglich zusammenkommen, um sich zu paaren. Nur jeweils ein Weibchen baut ein Nest und legt einen ausreichenden Vorrat von Pollen und Nektar für die darin angelegte Brut an. Nachdem diese versorgt ist, sterben Weibchen und Männchen. Der Nachwuchs überwintert als Larve und schlüpft im Frühjahr, um sogleich wieder für Nachkommen zu sorgen. So beginnt der Kreislauf von neuem, ohne dass sich di einzelnen Generationen je begegnen.
  • Kuckucksbienen, die vornehmlich im asiatischen Raum vorkommen und bei uns selten sind, legen ihre Eier in fremde Nistplätze ihrer Artgenossinnen.

 

Jeder Blüte ihre Biene

Etwa 30 % der in Deutschland lebenden Wildbienenarten haben sich auf den Pollen einer einzigen oder einiger weniger Blütenpflanzen als Futterquelle spezialisiert und werden als olygolektische Art bezeichnet. Da sie nicht auf andere Pflanzen als Futterquelle ausweichen können, sterben sie, wenn ihre Trachtpflanzen aus der lokalen Flora verschwinden. Sie sind daher von der heutigen Verarmung der Blütenvielfalt am stärksten betroffen.

Die größte Gruppe der frei lebenden „Wildbienen“, welche als polyelektische Art, bezeichnet wird, hat nur eine geringe oder keine Spezialisierung und nutzt, so wie die Honigbienen, verschiedene Pollenquellen. Dabei fliegen, um nur ein Beispiel zu nennen, die häufig vorkommenden „kurzrüsseligen“ Hummeln die gleichen Blüten an wie die Honigbienen. In blütenarmen Landschaften haben Wildbienen einen Nachteil, da die Honigbienen als Kollektiv auftreten und damit im Vergleich zu den einzeln sammelnden Wildbienen erfolgreicher Trachtpflanzen „abernten“.

Nur alle gemeinsam sichern die Bestäubung

Die wesentliche und unbezahlbare Leistung der Bienen ist die Bestäubung unserer Kultur- und Wildpflanzen. Ein einziges Bienenvolk kann pro Tag bis zu 3 Millionen Obstblüten bestäuben. Doch nicht nur die Honigbiene allein, sondern die Wildbienen und alle anderen Bestäuberinsekten (dazu zählen auch Schmetterlinge, Fliegen, Käfer und Ameisen) zusammen sind für den Erhalt einer vielfältigen Flora notwendig. Erst dadurch, dass jede einzelne Art über eine besondere Beschaffenheit ihres „Bestäubungsapparates“ verfügt, gibt es die unterschiedlichsten Pflanzen, die wiederum den verschiedensten Insektenarten als Nahrungsquelle dienen.

Sowohl die Honigbienen als auch die Wildbienen sind für unsere landwirtschaftlichen Kulturen und Wälder unverzichtbar und ergänzen einander. Viele Wildbienen sammeln zu Tageszeiten, in denen die Honigbienen nicht fliegen oder befliegen hochspezielle Pflanzen.

Hummeln, von denen es an die 150 verschiede Arten gibt, werden im Gegensatz zu Honigbienen schon bei niedrigen Temperaturen (ab ca. 4 Grad) aktiv und fliegen sogar bei schlechten Lichtverhältnissen bis fast in die Nacht hinein auf der Suche nach Nahrung. Sie sind vom Typ her robuster und leistungsfähiger als viele andere Bienen. In freier Natur oder als Nutztiere eingesetzt (Bestäubung von Glashauskulturen) bringen sie einzeln eine höhere Bestäubungsleistung, da sie aufgrund der vergleichsweise großen Körpermaße einen höheren Energiebedarf haben und daher „schneller“ ihrer Arbeit nachgehen müssen. Da nur die Königin überwintert, legen Hummeln keine Honigreserven an.

Um eine bessere Vorstellung von der Bestäubungsleistung eines Honigbienenvolkes zu bekommen, seien hier einige erstaunliche Zahlen angeführt: Für 1 kg Honig müssen die „Sammlerinnen“ des Volkes etwa 7,5 Millionen Blüten aufsuchen. Für Nahrung, Aufzucht der Brut, Wärmeerzeugung und den Wintervorrat produziert ein durchschnittlich starkes Volk ca. 300 kg Honig im Jahr.

Bienenstöcke und Nistplätze

75 % der „Wildbienen“ nisten am Boden, der Rest in hohlen Baumstämmen oder Pflanzenhalmen. Einzig die von Menschen als Nutztier gehaltenen Honigbienen leben in vom Imker bereitgestellten Bienenstöcken. Da die Imker die natürliche Vermehrung durch das Schwärmen unterbinden, wird den Honigbienen die Möglichkeit genommen, sich wieder in freier Natur anzusiedeln.

Die meisten Wildbienenarten haben Nisthöhlen und Nahrungsquellen nahe beieinander in einem Umkreis, der kaum über 300 Meter hinausreicht; die Honigbienen hingegen können in einem Radius von bis zu 3 km und, wenn erforderlich, auch darüber hinaus nach Nahrung suchen.

Während die Honigbienen im Stock in der Regel Schutz vor Wind und Wetter und auch Fressfeinden haben, können heftige Gewitter die Nistplätze von Wildbienen überschwemmen und natürliche Feinde ihre Larven fressen.

Vermehrung und Überwinterung

Ein deutlicher Unterschied zwischen Honigbienen und anderen Bienenarten ist die Größe der Population und die Anzahl der Nachkommenschaft. Während in den Sommermonaten eine Honigbienenkönigin bis zu 1.500 Eier täglich legt, schafft es eine Solitärbiene während ihres Lebenszyklus bis zu 30 Nistplätze anzulegen und mit viel Glück ähnlich viele Eier in den Brutzellen zu verdeckeln. Durch Nässe, Schimmel und Räuber verringert sich der Prozentsatz der geschlüpften Larven weiter. Durch ihre geringe Fortpflanzungsrate sind die Solitärbienen extrem auf einen intakten Lebensraum angewiesen.

In einem wesentlichen Punkt unterscheidet sich die Honigbiene ganz besonders. Sie ist die einzige ihrer Art, welche in einer „Wintertraube“ mit einem Teil des Volkes überwintert. Dabei hängen sich die einzelnen Tiere mit ihren Beinen zu einer Kugel zusammen und produzieren durch kräftige und rhythmische Kontraktion ihrer Flugmuskel Wärme. Im Inneren der Traube herrscht eine Temperatur von über 30 Grad und selbst noch an der Außenseite der Wintertraube werden 7 Grad Plus gemessen. Diese Heizleistung können die Honigbienen nur erbringen, weil sie Vorräte anlegen, die für mehrere Monate ausreichen und den Energieverbrauch des ganzen Volkes abdecken.

Stechen alle Bienen?

Honigbienen verteidigen Brut und Vorräte vehement und bezahlen den Stich zumeist mit ihrem Leben. Auch Hummeln stechen, wenn man zu nahe an ihr Nest kommt. Wildbienen besitzen ebenfalls einen Stachel, doch sie greifen von sich aus niemanden an. Sie stechen nur, wenn man sie zerdrückt oder auf sie tritt. Bei vielen Wildbienen ist der Stachel zu schwach, um die menschliche Haut zu durchbohren. Nur die weiblichen Bienen besitzen einen Stachel. Weltweit gibt es eine große Anzahl stachelloser Bienen, die spezielle Formen der Verteidigung entwickelt haben.

Honigbienen und Wildbienen teilen den selben Lebensraum

Honigbienen haben sich über viele Millionen Jahre zusammen mit solitären Bienen entwickelt. In den struktur- und blütenreichen Landschaften litt keine heimische Bienenart unter Nahrungskonkurrenz, die Völker der heimischen Honigbienen hielten sich in Größe und Anzahl auf natürliche Weise begrenzt. Somit war auch das Zahlenverhältnis von Honigbienen und Wildbienen ausgeglichen und beide Arten konnten bestens miteinander koexistieren.

Heute ist der natürliche Lebensraum sowohl für Honigbienen als auch für die meisten Wildbienen besorgniserregend eingeengt, wenn nicht bereits vollständig vernichtet. Die Agrarflächen mit ihren pestizidbelasteten Monokulturen gefährden vor allem die blütentreuen Honigbienen. Der Schwund der letzen noch vorhandenen Blühwiesen und die immer geringer werdende Pflanzenvielfalt auch in den Naturräumen haben bereits zum Aussterben vieler Wildbienenarten geführt.

Wie erschreckend das Ausmaß inzwischen ist, verdeutlicht eine 2018 veröffentlichte Langzeitstudie, aus der hervorgeht, dass selbst in deutschen Landschaftsschutzgebieten im Zeitraum der letzten 30 Jahre ein Rückgang von über 75 % der Gesamtbiomasse an Fluginsekten erfolgt ist. In Deutschland gelten 50 % der heimischen Wildbienen in ihrem Bestand gefährdet. In Österreich gibt es noch keine Untersuchungen, man geht jedoch von ähnlich hohen Zahlen aus.

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Foto: Die Hummel zählt zu den Wildbienen.
@ Vladimir Davydov / istock.com

 

 

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