Sintflut und Feuerwalze

Sintflut und Feuerwalze

Die absehbaren Folgen des Klimawandels sind katastrophal.

Die ersten Folgen der Klimaerwärmung zeichnen sich weltweit bereits ab, da der Anstieg der Erdtemperatur bis heute schon +1,1 °C beträgt. Dennoch wachsen die klimaschädlichen Treibhausgasemissionen bei uns und weltweit weiter an. Wir steuern damit gegenwärtig auf eine Erderwärmung zu, die im Jahr 2100 bei über +4 °C und 2200 bei über +6 °C liegen wird. Was bedeutet das? In welche Katastrophe schlittern wir da?

Gletscherschmelze, polare Eisschmelze

Seit dem 19. Jahrhundert haben die Alpengletscher mehr als die Hälfte ihrer Masse verloren. Die Gletscher-schmelze findet aber weltweit statt, selbst in tropischen und subtropischen Regionen. Der US-Paläoklimatologe Loonie J. Thompson hatte hierbei Pionierarbeit geleistet, u.a. am Kilimandscharo (Afrika).

Das Meereis am Nordpol hat inzwischen drei Viertel seiner früheren Sommer-Masse verloren. Bereits 2050 dürfte das arktische Meer im Sommer komplett eisfrei sein. Schwerwiegend ist dabei auch der Verlust des „Albedo-Effekts“, da die riesige Meereseisfläche durch Rückstrahlung des Sonnenlichts die Erderwärmung verminderte.

Seit 2002 werden auch die Eisschilde Grönlands und der Antarktis (Südpol) von Satelliten vermessen. Das Grönlandeis verliert inzwischen jährlich ca. 300 Mio. Tonnen, das ist die fünffache Masse des Mount Everest.Den Kipppunkt zur unumkehrbar vollständigen Grönland-Eisschmelze vermutet die Klimaforschung bei 2 °C Erderwärmung. Beim Westantarktischen Eisschild dürfte er schon überschritten sein.

Dramatischer Meeresspiegelanstieg bis 2300

Schon seit 1993 vermessen Satelliten den Meeresspiegel der Ozeane. Er steigt infolge der Erderwärmung – aufgrund der Eisschmelze (Polare, Grönland und Gletscher)und aufgrund thermischer Ausdehnung des Wassers. Bis 2100 ist mit einem Anstieg um bis zu 1,2 Meter, bei striktem Klimaschutz um 27 bis 60 cm zu rechnen.Extrem gravierend ist aber der zeitliche Nachlauf! Selbst bei Begrenzung der Erderwärmung auf 3 °C bis 2100 würde der Meeresspiegel bis 2300 um bis zu 5,1 Meter steigen! Und danach weiter.

Im Meeresspiegelanstieg (v.a. auch nach 2100) liegt eine der extremsten Gefahren des Klimawandels. Die komplette Abschmelzung des Grönlandeises führte zu 7 Metern Meeresspiegelanstieg, des Westantarktischen Eisschildes zu 3,5 Metern und des Ostantarktischen Eisschildes zu 55 Metern! In der „Eem-Zeit“ vor 120.000 Jahren, bei leicht höherer Temperatur als inzwischen heute, lag der Meeresspiegel 6-9 Meter höher als jetzt.

Häufung der Wetterextreme

Weltweit ist eine deutliche Zunahme der Wetterextreme zu beobachten. Ihre Häufigkeit und Intensität werden mit der Erderwärmung weiter deutlich steigen. U.a. war der August 2018 in Europa der heißeste jemals gemessene, weltweit der viertheißeste (WMO). In Deutschland z.B. war der Zeitraum April bis Oktober 2018 der trockenste seit Beginn der Messungen. Überhaupt waren weltweit die letzten vier Jahre in Folge die heißesten je gemessenen (WMO).

Neben Dürren häufen sich Waldbrände (wie 2018). Nach einer neuen Studie, auf die die WMO verweist, liegt die Waldbrand-Häufigkeit in den nördlichen Wäldern der Erde jetzt bereits deutlich über der der letzten 10.000 Jahre.

Durch Messdaten belegt ist inzwischen ebenfalls die Zunahme von Extremniederschlägen; und die Intensivierung von Hochwassern und Überschwemmungen.Die Erwärmung der Ozeane erzeugt häufigere, immer stärkere tropische Wirbelstürme. Die meisten Rekordstürme lagen in den letzten sechs Jahren.

Welternährung und Ökosysteme

Dramatisch sind die Folgen für die Biodiversität. Bis zu 40 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten könnten schon bis 2050 weltweit aussterben. Für die Korallenriffe wird z.B. entscheidend sein, ob das 1,5 °C-Klimaziel noch erreicht werden kann. Schon bei 2 °C Erderwärmung würden sie komplett absterben.

Der Klimawandel wird die Länder des Südens gewaltiger treffen als den Norden. Ganz besonders aber die Armen und arme Länder. Schon bei 1,5 °C-Erderwärmung, so Oxfam, wird z.B. Afrika infolge Wassermangels 40 Prozent seiner Maisanbauflächen verlieren. Schon bei 2 °C Erwärmung wird es im Mittleren und Nahen Osten um bis zu 40 Prozent weniger Niederschlag geben. In Bangladesch würde ein Meeresspiegelanstieg um 45 cm ein Zehntel der Landfläche, ein Anstieg um 1 Meter ein Fünftel der Landfläche dauerhaft überschwemmen.Die Wasserversorgung, die landwirtschaftliche Produktion und damit die Ernährungssicherheit stehen in Regionen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas schon bald auf der Kippe.

In Europa ist das Mittelmeergebiet extrem gefährdet. Bei jetzigem Emissionstrend der Treibhausgase würde z.B. Südspanien zur Wüste werden. Die Landwirtschaft der Industrieländer könnte zwar durch Anpassung vorübergehend ihre Produktion stabilisieren. Doch die steigende Unberechenbarkeit der Wetterereignisse bei steigender Erderwärmung könnte das bald als Illusion entwerten.

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Artikel aus „Brennstoff no 54“ (Printausgabe)

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