„Rettet das Dorf“ | Der neue Film von Teresa Distelberger | Premieren-Tour vom 14.2. bis 24.3.

„Rettet das Dorf“
Der neue Film von Teresa Distelberger

Dörfersterben und Landflucht. Was lässt sich dagegen tun? Was sind die Ursachen? Welche Gegenentwürfe und Stimmen gibt es auf dem Land? Der neue Dokumentarfilm von Teresa Distelberger startet in die Kinos und geht auf Premierentour durch Österreich.

Ein Artikel von Andreas Wagner (Brennstoff)

Ein anhaltender destruktiver gesellschaftlicher Prozess: Die Landflucht lässt die Dörfer sterben. Die Städte saugen die Jugend ab. Das Land, einst ein reger und tragender Lebensraum, verliert immer weiter Menschen und mit ihnen Vitalität, Kraft, Zukunft und Bestandsfähigkeit. Wie es heißt: „Die Jungen ziehen weg, die Betriebe müssen schließen, die Geschäfte stehen leer.“

In ihrem neuen Film“Rettet das Dorf“ widmet sich die österreichische Regisseurin Teresa Distelberger dieser doch schwerwiegenden Problematik. Er läuft jetzt in den Kinos an und geht auf Premierentour durch Österreich (siehe Termine und Orte unten). „Das Dorf ist Glück. Das sagen die Bilder, die wir davon im Kopf haben. Wie aber kann das lebendig bleiben, was ein Dorf ausmacht?“, deutet der Filmtext die Ambivalenz und Spannbreite dessen an, was auf dem Spiel steht.

Keinesfalls geht’s um eine Bagatelle, denn vierzig Prozent aller Gemeinden Österreichs (allesamt Landgemeinden der weiter abliegenden Räume, der so genannten „Peripherien“) sind von Bevölkerungsrückgang betroffen, der sich zudem alsbald im „demografischen Wandel“ weiter zuspitzen wird.

Filmbild aus „Rettet das Dorf“ (© NGF)

»Neugierig, was einzelne Menschen dagegen tun können«

Teresa Distelberger (Buch & Regie) öffnet in „Rettet das Dorf“ eine erzählerische Doppelperspektive: einerseits Problemsicht, die nach den Fakten, Ursachen und dem Gesamtbild dieser Entwicklung frägt; andrerseits gefühlvolle Porträts von Menschen, die mit Lebensfreude, Engagement und starken Motiven dagegen halten. Es kommt auf jeden Einzelnen an, sagt sie.

Ihr Film ist als empathischer, engagierter Dokumentarfilm an Lösung, an Optionen und Perspektiven interessiert. Er beschreibt nicht nur. Er durchläuft in Gesprächen unterschiedlichste persönliche Blickwinkel und Erfahrungen. Er zeigt uns reizvolle, überraschende Lebens- und Berufsentwürfe von Menschen, die sich im Landleben ihren Traum von Selbstsein und Gegenwärtigkeit, von familiärer und persönlich-sozialer Gemeinschaft und von sozialer und ökologischer Verantwortung erfüllen.

Filmbild aus „Rettet das Dorf“: Gespräch mit Th. Steininger – (© NGF)

Der Film lässt uns Menschen hören, die zudem auch die magischen  Qualitäten des Landlebens zu artikulieren wissen. Das ist ebenfalls wichtig. Denn zum Teil ist dies alles eine Frage der Attribution, der Zuschreibung und konstruierten kollektiven Wahrnehmung, was „Land“ heißt, was es „gilt“ und welchen „Wert“ man ihm beimisst, was es uns „verheißt“ und „verspricht“; welche „images“ es in unseren Herzen (und sonstwo) wachruft.

Teresa Distelberger, die Regisseurin, selbst über ihren Film:

»Ich war neugierig, herauszufinden, was einzelne engagierte Menschen tun können gegen diesen vielzitierten „Strukturwandel“ im ländlichen Raum, der von Globalisierung, Urbanisierung und Neoliberalismus befeuert wird. Ebenso war es mir ein Anliegen, die Komplexität, die in diesem Thema liegt, auf einer ganz lebensnahen Ebene greifbar zu machen. Einmal rauszuzoomen, um die gesamte Lage besser zu erkennen, dann wieder reinzuzoomen, um zu schauen, was man aktiv bewirken kann.«

Filmbild aus „Rettet das Dorf“ (© NGF)

Globalisierung und ökonomischer Neoliberalismus als destruktive Treibkraft

Und eben auch auf großer Skala wird der Blick aufs Problem gerichtet, auf die große Treibkraft, die letzten Endes hinter dem Dorfsterben steht, nämlich: auf die GLOBALISIERUNG, – die Weltmarkt, Wettbewerb, Profitmaximierung, Dividende, Vermögensanhäufung und Vermögenskonzentration, Preisdruck, Lohndruck, Marktmacht und Marktbeherrschung zum“Realitätsprinzip“ erhebt, die in diesem Ungeiste (der Doktrin des ökonomischen Neoliberalismus) allenorts Natur und Menschen funktionalisiert, mechanisiert, entwertet, ausraubt und zerstört und zugleich die Metropolen und Oberschichten in eine Art erhöhter Selbstsucht und Autismus treibt; zunehmend bis vollständig desinteressiert an allem unprofitablen Randständigen (wie eben „die Provinz“ dies ist) und aller sozialen Verantwortung.

Besonders klar wird dies im Film im Gespräch mit dem Steirer Peter Kaltenegger, einem leitenden Mitarbeiter der Generaldirektion Landwirtschaft der EU, der da sagt:

„Wir leben seit einigen Jahrzehnten die Globalisierung, und die konzentriert sich auf Ballungszentren. Das ist wie ein Schwarzes Loch, diese Ballungszentren ziehen alles ab, ziehen Intelligenz, Geld, Fachwissen ab. Und alles, was abseits von diesen Zentren liegt, kommt unter die Räder. Der Verlust der Vitalität im ländlichen Raum, der Niedergang der Dörfer, ist in Europa überall zu erkennen. Und damit ist natürlich auch verbunden, dass die Menschen dort das Gefühl haben, dass sie wirklich zurückbleiben, auch in der Beachtung, in der Zuwendung.“

Teresa Distelberger, die Regisseurin (© NGF)

Die Filmemacherin und Künstlerin

Teresa Distelberger, 1981 geboren, ist selbst auf dem Land in einer Kleinstadt (in Herzogenburg bei St. Pölten) aufgewachsen und hat sich schon als Künstlerin (in Performances, in Installationen und in Kurzfilmen) mit ländlichen Traditionen, mit globalen und urbanen Lebenswelten und einer Differenzierung des vielschichtigen „Heimat“-Begriffs befasst. Nach „Die Zukunft ist besser als ihr Ruf“ (2017) ist „Rettet das Dorf“ nun ihr erster Langdokumentarfilm, bei dem sie alleine die Regie führte.

Kino-Premieren-Tour durch Österreich: Feb.–März

Am 28. Februar startet „Rettet das Dorf“ offiziell in den Kinos. Aber schon ab jetzt (und bis Ende März) läuft eine anspruchsvolle Premieren-Tour (siehe weiter unten), die den Film, die Regisseurin und einige Protagonisten des Films in die österreichischen Bundesländer führt; in Programmkinos und Gemeindesäle in großen und kleinen Städten, wo das Gespräch mit dem Publikum gesucht wird.

*****

 

„Rettet das Dorf“ — Kinopremieren-Tour in Österreich
Filmvorführungen u. Diskussion | Feb.–März 2020
Orte und Termine

DO. 30.1., GUTENSTEIN – Gutensteinerhof, 19.00 Uhr – Niederösterreich
FR, 7.2., STANZ – Kulturhalle Stanz, 18.30 Uhr – Steiermark
FR, 14.2., DROSENDORF – Filmclub Drosendorf, 18.30 Uhr – Niederösterreich
DI, 18. 2., DORFGASTEIN – Gemeindesaal Dorfgastein, 18.00 Uhr – Salzburg
MI, 19.2., RADSTADT – Kino im Turm, 18.00 Uhr – Salzburg
DO, 20.2., ST. JOHANN, – Dieselkino, 19:00 – Salzburg
FR, 21.2., KREMS – Kino im Kesselhaus, 18.30 Uhr – Niederösterreich
MO, 24.2., ST. PÖLTEN – Cinema Paradiso, 20.00 Uhr – Niederösterreich
MO, 24.2., INNSBRUCK – Leokino, 20.00 Uhr – Tirol
MI, 26.2., WIEN – Filmcasino, 18.30 und 20.30 Uhr – Wien
DO, 27.2., WIENER NEUSTADT – Stadttheater, 19.30 Uhr – Niederösterreich
FR, 28.2., LINZ – Moviemento, 18.30 Uhr – Oberösterreich
FR, 28.2., FREISTADT – Kino Freistadt, 20.00 Uhr – Oberösterreich
FR, 28.2., BRUCK an der MUR – Stadtkino Bruck an der Mur – Steiermark
SA, 29.2., LENZING – Lichtspiele, 18.00 Uhr – Oberösterreich
SA, 29.2., KIRCHDORF – Kino Kirchdorf, 20.00 Uhr – Oberösterreich
SO, 1.3., GRAZ – KIZ Royal, 11.30 Uhr – Steiermark
SO, 1.3., FOHNSDORF – Dieselkino, 16.30 Uhr – Steiermark
MO, 2.3. WOLFSBERG – KUSS Zentrum – Kärnten
DI, 3.3., ST. VEIT am der GLAN – Fuchspalast, 19.00 Uhr – Kärnten
MI, 4.3., FELDKIRCHEN – Amtshof, 18.30 Uhr – Kärnten
MI, 4.3., KLAGENFURT – Volkskino, 20.00 Uhr – Kärnten
DO, 5.3., KIRCHBERG an der PIELACH – Kirchberghalle, 18.30 Uhr – Niederösterreich
DO, 5.3., BÖHEIMKIRCHEN – Bürgerzentrum, 20.00 Uhr – Niederösterreich
FR, 6.3., STEYR – City Kino, 18.30 Uhr – Oberösterreich
SA, 7.3., KALWANG – Kulturinitiative Kalwang, 19.00 Uhr – Steiermark
MO, 9.3., KAPFENBERG – Dieselkino, 19.00 Uhr – Steiermark
DI, 10.3., OBERWART – Dieselkino, 19.00 Uhr – Burgenland
FR, 13.3., SCHRUNS – Kulturbühne Schruns, 18.30 Uhr – Vorarlberg
FR, 13.3., RANKWEIL – Altes Kino Rankweil, 20.00 Uhr – Vorarlberg
DI, 24.3., RIED im INNKREIS – Star Movie, 19.30 Uhr – Oberösterreich

Die Daten der Premierentour werden laufend aktualisiert. Den genauen Stand finden Sie auf der Website zum Film (siehe unten).

 

 

alle Fotos: © NGF

Meistgelesene Artikel
Short CutsMarianne Williamson

Unsere tiefste Angst

1 Minute

Short CutsVirginia Satir

Mein Bekenntnis zur Selbstachtung

3 Minuten

WaldsterbenJens Schlüter

Wald am Abgrund | von Jens Schlüter

11 Minuten

EssayUrsula Baatz

Kain und Abel

4 Minuten

Brennstoff No. 57R.M. Rilke + Heini Staudinger

Wolle die Wandlung | Zu einem Gedicht von Rilke | von Heini Staudinger

3 Minuten

Durch die Seitennutzung stimmen Sie der Verwendung eines Cookies zu. Info dazu

Wir verwenden ein übliches, standardisiertes Cookie und nutzen es nur in der einfachsten Form: Es zählt, wie oft eine einzelne Seite des Brennstoff aufgerufen wird. Unser Cookie wird für keine anderen Zwecke verwendet. – Die Redaktion

Schließen