Regenwald – Eating Up the Amazon

Mit einer großen Kampagne zum brasilianischen Regenwald trat Greenpeace 2006 an die Öffentlichkeit. „Eating Up the Amazon“, hieß sie. US-Großkonzerne (der Agrar- und Lebensmittelindustrie) kamen in die Bredouille. Die Vorwürfe gegen sie wogen schwer. Rund 70.000 km2 Amazonas-Regenwald waren in nur vier Jahren ausradiert worden (eine Fläche so groß wie Bayern oder fast so groß wie Österreich). Von August 2003 bis August 2004, in der Phase des höchsten Eifers, waren es stündlich sogar 3 km2 Regenwald, die „umgemäht“ und abgebrannt wurden.

Ursache war der in Brasilien ausufernde Soja-Anbau durch Großkonzerne, zum Export v.a. für Tiermast und somit Fleischkonsum in Europa und Nordamerika (inkl. Deutschland und Österreich). Eben: „Eating Up the Amazon“. Denn: „Die Tierfutter-Industrie ist der wichtigste Kunde der Soja-Produzenten.“ Greenpeace erreichte mit der Kampagne eine dauerhafte Einschränkung des Sojaanbaus im Amazonas-Gebiet. Aber die Zerstörung des Amazonas-Regenwalds ging auch von anderer Seite weiter: 2009 geriet die Viehzucht als Regenwald-Killer ins Visier von NGOs.

Zwar fanden 2000-2005 fast 48 % der weltweiten Entwaldung in Brasilien statt. Bekanntlich aber sind Indonesien und Malaysia ein weiterer Hotspot der Zerstörung tropischen Regenwalds. Indonesien rangierte mit 13 % der globalen Entwaldung auf Platz 2 nach Brasilien. Die Ausbreitung der Palmölplantagen war hierfür die wichtigste Ursache. 1980-2012 schwollen deren Anbauflächen in beiden
Ländern um das Zwölffache an: auf 6,5 Mio. Hektar in Indonesien (Größe fast von Bayern) und 4,3 Mio. Hektar in Malaysia. Die Zerstörung treiben auch hier bis heute Großkonzerne voran.

Für Zentralafrika, dem dritten Weltgebiet tropischer Regenwälder, steht eine gleiche Entwicklung bevor. Die Großagrarindustrie ist dort massiv im Anmarsch. „Zentralafrika wird derzeit buchstäblich neu entdeckt.“ Die Regenwald-Vernichtung für riesige Agrarflächen ist in Kamerun, Republik Kongo, Demokrat. Republik Kongo und in Gabun voll auf dem Weg.

Warum ist das alles so schlimm? Ökologisch hat der Raubbau am Regenwald enorme negative Auswirkungen. Regenwälder sind riesige Speicher von klimaschädlichem CO2. (Umgekehrt führen Entwaldung und agrarische Umnutzung zu erheblichen CO2-Emissionen.) Sie sind die „grünen Lungen“ der Welt, die Sauerstoff in riesigen Mengen produzieren. Sie lenken große Wasser-, Regen- und kontinentale Klimaströme; speichern riesige Mengen Wasser, die sie weitergeben. Und sind Schatzkammern einer unvergleichlich großen Biodiversität (Artenvielfalt), die uns tausenderlei Substanzen für bessere Medizin geben könnte. Wenn wir das alles durch unseren Überkonsum nicht kurzsichtig „wegfressen“.

Aber es sieht nicht gut aus: Allein 2000-2012 gingen weltweit rund 60 Mio. Hektar Regenwald verloren. Fast zwei Mal die Fläche Deutschlands. Heute ist nur noch weniger als die Hälfte der Regenwälder vorhanden, die es vor 200 Jahren gab.

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Artikel aus „Brennstoff no 54“ (Printausgabe)

Artikel-Foto: © Wolfgang Dolak

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EditorialHeini Staudinger

Ausgabe 54

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