Österreichs Wolfsrudel: allesamt im Waldviertel heimisch

 

Österreichs Wolfsrudel:
allesamt im Waldviertel heimisch

In Österreich leben heute 30-35 Wölfe; in Deutschland 400-500. Alle Wolfsrudel Österreichs sind im Waldviertel heimisch.

Der Wolf ist zurückgekehrt. In ganz Mitteleuropa. Seine Bestandszahlen sind aber nach wie vor sehr gering; und so gilt er weiterhin als stark gefährdet. Aktuell sind, so der WWF in einem neuen Bericht, in Österreich nur 30 – 35 Wölfe heimisch. Drei Wolfsrudel und 14 Einzelwölfe konnten im Vorjahr in Österreich nachgewiesen werden. In Deutschland liegt der Wolfsbestand aktuell bei 400 – 500 (mit 105 Wolfsrudeln, 25 Wolfspaaren und 13 Einzeltieren); in der Schweiz bei 80 – 100; in Slowenien bei ca. 100; in Italien bei 1000 – 2000.

Alle drei Wolfsrudel Österreichs leben im Waldviertel

Alle drei österreichischen Wolfsrudel sind alleine im Waldviertel beheimatet: in der Gegend um Allentsteig (Tüpl), um Gutenbrunn sowie Harmanschlag, wo besonders große Waldgebiete liegen. Ein weiteres viertes Wolfsrudel, das sich im Mühlviertel angesiedelt haben könnte, gilt derzeit als noch unbestätigt.

Ein Wolfsrudel umfasst 4-10 Tiere. Die Elterntiere des allerersten heimischen Wolfsrudels Österreichs, das 2016 in Allentsteig nachgewiesen wurde, waren, wie spätere Gentests ergaben, aus Brandenburg bei Berlin rund 500 Kilometer zugewandert. Im Sommer 2016 tappte das Rudel, ein Wolfspaar mit zwei Jungtieren, in eine Fotofalle.

Der Wolf ist scheu und streng geschützt

Der Wolf ist gegenüber dem Menschen normalerweise äußerst scheu. (Wenn Sie einem begegnen, sollten Sie aber niemals zutraulich sein, ihn nie provozieren und weitere Verhaltensregeln beachten, siehe Info-Kasten und NABU-Link unten.)  Er gilt als eine sogenannte „Schlüsselart“ für die Ökologie der Wälder. Da er im 19. Jahrhundert in Mittel- und Westeuropa komplett ausgerottet wurde (in Deutsch­land um 1900, in Österreich im Jahr 1882), steht er heute unter strengstem recht­lichen Schutz. Selbst ein „versehentlicher Abschuss“ wird z.B. in Deutschland mit Freiheitsstrafe geahndet.

Wenn Sie einem Wolf begegnen sollten …

Für Begegnungen mit Wölfen werden in den traditionellen „Wolfsländern“ (wie z.B. den USA) eine Reihe von Empfehlungen gegeben, die ebenso für den Umgang mit anderen Wildtieren gelten:
Beobachten Sie das Tier ruhig. Lassen Sie ihm genug Raum, damit es sich zurückziehen kann. Wenn Sie sich unwohl fühlen, richten Sie sich auf und machen Sie sich groß. Lautes, energisches Rufen oder Klatschen kann den Wolf vertreiben. Laufen oder fahren Sie einem Wolf nicht hinterher, versuchen Sie niemals, ihn anzulocken oder zu füttern. Wenn möglich, machen Sie aus der Distanz Fotos.
Ziehen sie sich langsam zurück und melden Sie Ihre Beobachtung an die zuständige Wolfsberatung oder an die zuständige Behörde.

Generell ist es wichtig, die Grundregeln im Zusammenleben mit Wildtieren zu beachten: respektvoll Abstand einhalten, kein Nachlaufen hinter Tieren, Jungtiere nie anfassen oder aufnehmen, kein Aufsuchen von Bauten oder Wurfhöhlen, niemals Tiere füttern. Diese Regeln gelten ebenso für den Umgang mit anderen Tieren wie Fuchs und Wildschwein, die wehrhaft sind und fast überall in unseren Wäldern leben.

Auch in Deutschland, wo der Wolf seit 2000 wieder heimisch ist, gab es keine Fälle von Gefährdungen von Menschen durch den Wolf.

[Text aus den Empfehlungen und Infos des deutschen NABU (Naturschutzbundes) zum Umgang mit Wölfen – weitere Hinweise und ausführliche Infos siehe NABU-Link unten]

Der Wolf isst auch Obst

Die Paarungszeit der Wölfe liegt zwischen Ende Dezember und April. Vier bis sieben Welpen werden in einem Wurf geboren; die Säugung durch die Wolfsmutter dauert sieben bis neun Wochen. Alle Rudeltiere beteiligen sich gemeinsam an der Aufzucht der Jungwölfe.

Die Hauptbeute der Wölfe sind Rehe, Hirsche und Wildschweine, wodurch sie für die Regulierung der Wildbestände sehr nützlich sind; sowie kleinere Tiere von Hase bis Maus, aber auch Obst. Sie wandern bis zu 70 Kilometer täglich und erreichen im Schnellstlauf 45-50 km/h. Über eine Entfernung von 2-3 Kilometer können sie Beutetiere und Artgenossen wahrnehmen. Ihr Geruchssinn ist 100–1000 Mal besser als der der Menschen, so dass sie bis zu drei Tage alte Spuren aufnehmen können. Zudem verfügen sie über ein exzellentes Sehvermögen, gerade auch nachts, allerdings nur für Objekte in Bewegung.

103 Wolfrisse bei 400.000 Schafen in Österreich

Im Bundesland Niederösterreich mit dem Waldviertel im Nordwesten, wo die drei österreichischen Wolfsrudel ansässig sind, wurden 2019 nur drei Wolfsrisse von Nutztieren registriert; und in diesem Jahr noch kein einziger. Insgesamt wurden in Österreich im Vorjahr aber 103 Schafe von Wölfen, insbesondere auf Almen, gerissen. Im Verhältnis zur Gesamtzahl von über 400.000 Schafen, die in Österreich gehalten werden, davon ca. 115.000 auf Almen, ist der Wolfriss jedoch äußerst gering (0,025 %). Sowie auch in Hinsicht darauf, dass durch Unwetter, Steinschlag und Krankheiten jährlich ca. 10.000 Schafe in Österreich verenden. (Zahlen aus behördlichen Statistiken, zusammengestellt vom WWF).

WWF fordert „Herdenschutzprogramm“ für Bauern und Wölfe

Der WWF Österreich fordert daher als ergänzenden Teil des Wolfsschutzes ein umfassendes „Herdenschutzprogramm“, um die Wolfrisse einzudämmen und die Verluste der Bauern auszugleichen: 1. eine stärkere bundesweite Förderung des Herdenschutzes überhaupt; 2. bessere Entschädigung und Information der Viehhalter; 3. Belebung des Hirtenwesens; 4. Zucht und Ausbildung von Herdenschutzhunden; 5. finanzielle Stärkung des Österreichzentrums Bär-Wolf-Luchs, das im steirischen Irdning-Donnersbachtal angesiedelt ist.

*****

 

Artikelfoto: Wölfe in Tschechien (© Murmakova / istock-photo)
Grafik Nachweis / Sichtung Wölfe in Österreich: © WWF (Datenquellen: Landesregierungen,
Landwirtschaftskammer, Landesjagdverbände)

Meistgelesene Artikel
KommentarProf. Dr. Maximilian Moser

Gesundheit bilden oder nur Krankheit verhindern?

6 Minuten

Short CutsMarianne Williamson

Unsere tiefste Angst

1 Minute

InterviewPaul Schreyer und Jens Wernicke

Wer regiert die Welt?

10 Minuten

KommentarProf. Dr. Maximilian Moser

Evidenzbasierte Medizin, wohin gehst Du?

4 Minuten

KommentarProf. Dr. Maximilian Moser

Gesundheit zuerst

5 Minuten

Durch die Seitennutzung stimmen Sie der Verwendung eines Cookies zu. Info dazu

Wir verwenden ein übliches, standardisiertes Cookie und nutzen es nur in der einfachsten Form: Es zählt, wie oft eine einzelne Seite des Brennstoff aufgerufen wird. Unser Cookie wird für keine anderen Zwecke verwendet. – Die Redaktion

Schließen