Lebenslust – Lebensneid | Die Freiheitsangst und ihre Folgen

Lebenslust – Lebensneid

Die Freiheitsangst und ihre Folgen

von Huhki Quelcun

„Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht, vor dem freien Menschen erzittert nicht!“ verdichtet Schiller seine Freiheitssehnsucht in „Worte des Glaubens“.  Doch den Menschen tatsächlich Freiheit zu ermöglichen ist gefährlich. Lebensgefährlich. Viele hassen die direkte Liebe zum Leben, weil sie im Lebensneid gefangen sind. Das macht die „Behörden“ aufmerksam. Wer das Leben leidenschaftlich liebt, und Glück hat, ist fähig, den durch die Freiheitsangst bewirkten amtlichen Schikanen die Stirn zu bieten.

 

Die Inquisition der Gepanzerten. Mai 1933 Berlin: Tausende Studenten, geleitet von ihren Professoren, SS- und SA-Verbänden sowie berittener Polizei geleiten LKWs mit einer Ladung von zehntausenden Büchern vom Hegel(!)- zum Opernplatz. Dort wird das Schrifttum, begleitet von bombastischen Reden, rituell verbrannt. Da es in Strömen regnet, muß die Feuerwehr immer wieder kräftig mit Benzin nachhelfen. (Wen erinnert das nicht an Ray Bradburys „Fahrenheit 451“; verfilmt von Truffaut mit Oscar Werner in der Hauptrolle?) Unter den Autoren, deren Werke den Flammen über-geben werden: Wilhelm Reich, der einzige „gemeingefährliche“ Psychoanalytiker Nazideutschlands, welcher offiziell ausgebürgert wurde. Sämtliche Bücher und Aufsätze Reichs bleiben bis Kriegsende auf der Schwarzen Liste.
Juni 1956 Rangeley (Maine/USA): Ein machtvolles Aufgebot von Beamten der Food&Drug-Administration (FDA) und FBI-Agenten stürmt ein ländliches Anwesen, in dessen Zentrum sich ein als „gemeingefährliches“ geltendes Forschungsinstitut befindet. Sämtliche Bücher und Schriften des Leiters, eines immigrierten österreichischen Forschers namens Wilhelm Reich werden mithilfe erfahrener Firemen (sic!) zu einem Scheiterhaufen geschlichtet und verbrannt. Bis März 1960 werden von den amerikanischen Bundesbehörden noch weitere Werke Reichs aufgespürt. Noch als die „Sexuelle Revolution“ ausgerufen wird, ist in den USA jeglicher Besitz von Werken Reichs ein Vergehen, das verfolgt und bestraft wurde…

Befreier leben gefährlich. Und vom Beginn seines Wirkens an, 1920 in Wien, wird Reich öffentlich geschmäht. In Österreich, Deutschland, Dänemark, Norwegen, den USA…von Linken und Rechten, Nazis und Kommunisten, Religiösen und Atheisten, Psychoanalytikern und orthodoxen Psychiatern, ja von seinem ehemaligen Mentor Freud selbst…“Sittenverderber der deutschen Jugend“ (Völkischer Beobachter); „Er macht aus unseren Jugendbewegungen Vögelorganisationen“ (KPD); „Gefährlich für unsere revolutionäre Arbeit“ (Dänische KP); „Der Verrückte“/“Ein Quacksalber“/“Ein eigeschleuster Psychoanalytiker vom jüdischen Geist durchtränkt“/“Wird von dekadenten Intellektuellen gepriesen“ (Norwegische Zeitungen); „The man who boxed sex“ (US-Presse); „Befreien sie mich von Reich“ (Sigmund Freud 1933 zum neuen Nazi-Führer der „Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft“)…

Der bis heute Verleumdete kennt den Grund: Es liegt an seiner doppelten Offenheit; der rückhaltlosen Öffnung für alles Lebensbejahende, Lustvolle, Spontane –und die rücksichtslose Offenherzigkeit, wenn es um die Parteinahme für das Leben geht! Denn Reich betont von Anfang an, dass nicht nur „Neurotiker“, viel-mehr ein Großteil der scheinbar „normalen“ Menschenwesen, in einem Charakterpanzer stecken, ein Zustand, der ihnen nur halb bewußt ist. Und: Dieser Zustand läßt sich beheben! Das brachte ihm jubelnde Zustimmung ein, wo immer er wirkte – aber auch das, was er selbst als Freiheitsangst bezeichnete, die oft in mörderischen Haß umschlägt.

Reich sah die übliche „Politik“ immer mehr als krankhafte Äußerung der emotional Verunglückten an, die zwischen Freiheitsangst und Freiheitssehnsucht zerrissen wurden – und werden. Sein erklärtes Ziel: Den Massen die Freiheitsfähigkeit zurückzuerobern. Genau das war auch das Vorhaben Jean-Paul Sartres, welcher dafür die „existentielle Psychoanalyse“ begründete. Er scheiterte ebenso an der allgemeinen Freiheitsangst. (Mehr darüber im aktuellen Online-Brennstoff!) Die Wählerschaften der „Demokratien“ bevorzugen noch immer „starke Männer“, welche die Wirtschaftsbedingungen verschlechtern, das Gesundheitswesen untergraben, Religionen und Ethnien gegeneinander ausspielen, wenn sie nur eines eintauschen können: falsche Sicherheit gegen echte Freiheit!

*****

Der Artikel ist in der Ausgabe Brennstoff No. 56 abgedruckt.

[Die Vollversion des Artikels  von Huhki Quelcun können Sie auf Brennstoff Online hier nachlesen.]

 

 

Meistgelesene Artikel

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen