Klimawandel: 2019/20 war zweitwärmster Winter seit Messbeginn in Österreich

Klimawandel: 2019/20 war zweitwärmster Winter seit Messbeginn in Österreich

Einige Regionen Österreichs lagen in diesem Winter sogar +3,5 bis +3,9 °C, Österreich insgesamt +2,7 °C über der langjährigen Durchschnittstemperatur. Besonders warm war der Februar mit +4,0 °C über normal. Seit Messbeginn im Jahr 1767 war 2019/20 damit der zweitwärmste Winter Österreichs.

Das Zentralinstitut für Meteorologie, ZAMG, in Wien hat die vorläufigen Messdaten für Österreich veröffentlicht. Demnach steht bereits fest: Der Winter 2019/2020 war der zweitwärmste Winter seit 253 Jahren in Österreich, das heißt, seit Beginn der instrumentellen Messungen im Jahr 1767.

Winter +2,7 °C und Februar +4,0 °C über dem Mittel

Demnach lagen im Tiefland Österreichs die Temperaturen in diesem Winter im Schnitt +2,7 °C über dem „vieljährigen Mittel“ (Durchschnitt der Jahre 1981-2010). Nur der Winter 2006/07 war noch wärmer (+3,4 °C). Der dritt- und viertwärmste Winter der Messgeschichte lagen in Österreich 2013/14 und 2015/16 (mit je +2,6 °C über dem „vieljährigen Mittel“).

Im diesjährigen Winter war schon der Dezember (2019) deutlich zu warm (+2,4 °C). Vor allem aber hatte der Februar 2020 mit +4,0 °C (!!) über dem Mittel eine enorm abweichende Durchschnittstemperatur. Der Jänner lag im Tiefland Österreichs immerhin auch +1,7 Grad über dem vieljährigen klimatologischen Normalwert.

Steigende Durchschnittstemperaturen: Eine Folge der Klimawandels

Zu beachten ist, dass die Bezugsgröße des „vieljährigen Mittels“ des ZAMG bereits die Jahre 1981-2010 sind. Wie die folgende Grafik des ZAMG zeigt, lagen die Jahre 1981-2010 aber selbst schon deutlich über den durchschnittlichen Wintertemperaturen von 1767 bis 1970.

Temperaturverlauf Winter 1767/68 bis 2019/20 in Österreich

Temperaturverlauf Winter 1767/68 bis 2019/20 in Österreich. Ab ca. 1970 beginnt die Auswirkung des CO2-bedingten Klimwandels als Temperaturanstieg deutlich sichtbar zu werden. (Grafik: ZAMG)

In der Grafik ist ein deutlicher Anstieg der Temperaturen ab ca. 1970 zu erkennen. Die Wärmemaxima (rot) werden viel dichter und schlagen höher aus; gleichzeitig werden die Kälteabweichungen (blau) seltener und viel schwächer. Das ist nach Ansicht der Klimaforschung genau der Zeitpunkt, wo die (im Wirtschaftsboom der 1960er-Jahre) stark steigende CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre (aufgrund der Verbrennung fossiler Stoffe wie Erdöl, Kohle, Erdgas) erstmals die Erderwärmung sprunghaft anzuschieben und die kühlenden Gegeneffekte (wie die der Aerosole) zu überwiegen begann. Das ZAMG spricht nur vom „Trend zu immer milderen Wintern in den letzten Jahrzehnten“. Dieser Trend ist aber nichts anderes als eben die Erderwärmung (als Folge des vom Menschen durch fossiles CO2 selbstgemachten Klimawandels), vor dem die weltweite wissenschaftliche Klimaforschung seit Jahrzehnten warnt.

Alpine Gipfelregionen: +2,8 Grad wärmer

In den alpinen Gipfelregionen war die Abweichung sogar noch etwas höher als im Tiefland Österreichs. Sie betrug dort sogar +2,8 °C. Damit war der diesjährige Winter der viertwärmste in den Höhenlagen der Alpen in der österreichischen Messgeschichte (nach 1989/90 mit +3,3 °C, 2015/16 mit +3,1 °C und 2006/07 mit +3,0 °C; aber vor 2013/14 mit +2,6 °C als bislang fünftwärmstem Winter).

Im Februar gab es in Österreichs Bergen auch neue Temperaturhöchstrekorde. So zum Beispiel am Sonnblick (nahe dem Großglockner), in 3016 Meter Seehöhe, mit +3,9 °C am 17. Februar, was die höchste Temperatur eines Februartags seit Beginn der dortigen Messungen im Jahr 1886 war. Üblicherweise im langjährigen Schnitt liegen die Tageshöchstemperaturen am Sonnblick im Februar bei -9 °C.

Rückgang der Eistage und der Schneedecken

Die abnorme Wärme dieses Winters spiegelt sich auch im Rückgang der Eistage (ganztägige Temperatur unter 0 °C). Ihre Zahl sank im Winter 2019/20 in Österreich auf ein Viertel (25 %) der im vieljährigen Schnitt üblichen. In z.B. Bregenz gab es sogar nur 1 statt sonst 15, in Eisenstadt 6 statt sonst 22, in Linz 2 statt 20 und an den Messtationen Universität Innsbruck und Salzburg Freisaal gar keine anstatt sonst 13 bzw. 16 Eistage. Auch in den höheren Lagen ging österreichweit die Anzahl der Eistage deutlich zurück. So z.B. verzeichnete der Feuerkogel diesmal nur 7 statt 42 im langjährigen Schnitt.

Bei der Anzahl der Schneedeckentage erreichten fünf Landeshauptstädte in diesem Winter den geringsten je registrierten Wert, nämlich Bregenz, Linz, St. Pölten, Graz und Wien (Hohe Warte). Insgesamt war der Winter „sehr schneearm“, vor allem in den Tieflagen, aber auch in den Höhenlagen der südlichen Alpenregionen. Die Neuschneemengen waren fast überall, auch in Höhenlagen, bis zu 50 % geringer.

Regionale Unterschiede: Winter in OÖ und NÖ am mildesten

Während der Winter 2019/20 mit +2,7 Grad im landesweiten Durchschnitt Österreichs zweitwärmster Winter seit Beginn der Wettermessungen im Jahr 1767 war, schossen, so das ZMAG, „weite Teile des Landes“, also Einzelregionen über diesen Rekordwert noch hinaus. Und zwar am stärksten Oberösterreich und der Westen Niederösterreichs, wo die Wintertemperaturen diesmal sogar +3,5 bis +3,9 °C (!!) über dem Mittel lagen. Der Klimawandel, wie bekannt, wirkt sich regional nicht einheitlich, sondern unterschiedlich aus. So waren die inneralpinen Tallagen mit +1,5 bis +2,5 °C von der außergewöhnlichen Wärme dieses Winters leicht geringer betroffen.

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Artikelfoto: Meindert van der Haven / istock-photo
Grafik Wintertemperaturen Österreich: © ZAMG

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