Ich hab in die Armut eingeheiratet

Afar, eine wilde Wüstenregion im Norden Äthiopiens.
Dort lebt das Volk der Afar.

Seit 34 Jahren ist Valerie nun schon mit Ismael, einem Afar, verheiratet.

Die Afar leben seit Jahrtausenden als Nomadenvolk in dieser wilden Wüsten-Gegend. Sie sind Hirten. Hirten, die es sich zur Pflicht gemacht haben, immer wieder weiterzuziehen. Nur so kann sich das Land, die Erde, wieder erholen….wieder verjüngen… Als Hirten sind sie die größten Ökologen.* Doch ihre eigene Umsicht und Hege der Natur schützt sie nicht vor dem Klimawandel.

Vor einem Jahr – schreckliche Dürre. Vor einem halben Jahr – Fluten und Überschwemmungen. Anschließend eine Heuschreckenplage und dann kam auch noch der Krieg in der Nachbarregion Tigray, der unzählige Flüchtlinge in die Afar-Region schwemmte.

Die Alten und Weisen der Afar entschieden in einem zwei Wochen dauernden Meeting, was für ihr Volk wichtig sei. Bildung? Ja. Aber nicht die Bildung nach französischem oder englischem Vorbild – sie wollten selber entscheiden, was an Bildung für ihr Wüstenleben sinnvoll ist. Gesundheit? Ja. Aber nicht die westliche Medizin – die könnten sie sich sowieso nicht leisten – sondern eine systematische Erforschung des naturheilkundlichen Wissens und dazu eine ganze Armee von „Barfußärzten“. Die Abschaffung der Mädchenbeschneidung ist eines ihrer Hauptanliegen. Hierbei sucht sie die Unterstützung der religiösen Führer, mit deren Gutachten sie nachweisen kann, dass der Koran kein einziges Mal von der Mädchenbeschneidung spricht, geschweige denn sie als religiöses Gesetz fordert.

Unglaublich heiß

Vor einigen Jahren war ich mit einigen Leuten in dieser Gegend unterwegs. Es war unglaublich heiß. Es gibt dort viele Tage im Jahr mit Temperaturen um die 50 Grad C und so einen Tag erwischten wir. Wir fuhren etliche Stunden dahin. Überall schwarze Steine. Nichts als schwarze Steine. Ich konnte mir ganz und gar nicht vorstellen, wie Tiere, geschweige denn Menschen, in so einer Gegend überleben konnten. Als wir nach längerer Fahrt an einer Stelle mit etwas Gras vorbei kamen (das Gras war total dürr, – Farbe: gold oder braun, je nachdem), da meinte mein Afar Begleiter: „Gar nicht schlecht, diese Gegend. Ein guter Platz.“

Valerie Browning, eine gebürtige Australierin, wollte ursprünglich nur eine Freundin begleiten, die sich 1973 für einen Freiwilligeneinsatz in Äthiopien gemeldet hatte. Zu dieser Zeit herrschte eine grausame Hungersnot.
Als sie das Unvorstellbare erlebte, dass Menschen an Hungersnot zugrunde gehen, war sie es, die blieb während die Freundin bald wieder nach Hause ging. Valerie ist geblieben. Geblieben bis heute, denn sie hat, wie sie selber lachend sagt, in die Armut eingeheiratet.

APDA

Gemeinsam gründeten sie APDA (Afar-Pastoralist-Development-Association; das Wort „Pastoralist“ steht für Hirtennomaden). Mit APDA starteten sie ein faszinierendes Entwicklungsprogramm für das Volk der Afar. Valeries Vorgangsweise ist direkt. „Ich bin nicht diplomatisch“, sagt sie von sich selbst. Stimmt. Dafür aber ist sie höchst effizient.

Als wir im April durch einen Brief von Valerie von Hunger und Durst und von der unfassbaren Not erfuhren, haben wir sofort 50.000,– € überwiesen. APDA ist die einzige Organisation, die noch gut funktioniert. Danke Valerie! Danke auch Euch!

AFRIKA-SPENDENKONTO

lautend auf:
Heinrich Staudinger für Afrika
Kennwort MORGENRÖTE
IBAN AT18 3241 5000 0000 1370
BIC RLN WAT WWO WS


Artikel dieser Ausgabe
Heini Staudinger

Editorial zur Ausgabe Brennstoff No. 60a

2 Minuten

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