Großer Erfolg für bayrisches Volksbegehren „Artenvielfalt – Rettet die Bienen“: 1,7 Mio. Bayern für Ökologisierung der Landwirtschaft

Artikel-Bild: Schwebfliege auf Habichtskraut, die zu den wichtigsten Bestäuberinsekten gehört.
(© Dr. Eberhard Pfeuffer / LBV Bildarchiv / Volksbegehren Artenvielfalt)

Großer Erfolg für bayrisches Volksbegehren „Artenvielfalt – Rettet die Bienen“:
1,7 Mio. Bayern für Ökologisierung der Landwirtschaft

Seit heute ist es amtlich: Das bayrische Volksbegehren zum Schutz der „Artenvielfalt – Rettet die Bienen“ wurde von insgesamt 1.741.017 Bürgern unterschrieben. Damit ist es das erfolgreichste Volksbegehren, das es jemals in Bayern gab. Ingesamt waren es  über 18 % der bayrischen Wahlberechtigten, die es trotz kurzer Eintragungsfrist (vom 31.1. bis 13.2.) unterzeichneten. Das ist ein Riesenerfolg für den  Umweltschutz – auch weit über die Grenzen Bayerns hinaus.

Starke Eingriffe in die konventionelle Landwirtschaft

Mehr als 200 Organisationen, Unternehmen, Verbände und Parteien stellten sich im Vorfeld hinter das Volksbegehren, das in Bayern ein neues, strengeres Naturschutzgesetz einführen will, um das mittlerweile dramatische Bienen-, Insekten- und Vögelsterben einzudämmen. Es will starke ökologische Maßnahmen durchsetzen und richtet sich gegen die konventionelle Landwirtschaft.

So sieht das Volksbegehren „Artenvielfalt – Rettet die Bienen“ vor, dass bis 2030 der Anteil der ökologischen Landwirtschaft in Bayern von derzeit nur 10 auf 30 Prozent zu erhöhen ist. Außerdem sollen Hecken, Bäume und kleine Gewässer in der Landwirtschaft geschützt oder wiedergeschaffen werden; sowie blühende Randstreifen an allen Bächen und Gräben.

Ferner schreibt das Volksbegehren die pestizidfreie Bewirtschaftung aller staatlichen Flächen, die Umwandlung von zehn Prozent aller Wiesen in Blühwiesen sowie die Aufnahme des Naturschutzes in die Ausbildung von Land- und Forstwirten vor.

Dramatische Verluste bei Bienen, Schmetterlingen, Vögeln

Das bayrische Volksbegehren reagiert damit auf den dramatisch starken Schwund bei Bienen, Insekten und Vögeln, der von Wissenschaftern auch für Bayern verzeichnet wird. So sind in Deutschland knapp 50 Prozent aller Bienenarten bestandsbedroht oder bereits ausgestorben. Die Zahl der Fluginsekten ist in den letzten 30 Jahren um mehr als 75 Prozent, die Zahl der Schmetterlinge regional sogar um 70-90 Prozent zurückgegangen. Auch bei den Vögeln ist der Verlust äußerst erschreckend. Ihre Zahl hat sich in dieser Zeit um 50 Prozent verringert.

Hauptursache: die konventionelle Landwirtschaft

„Diese dramatische Entwicklung will das Volksbegehren stoppen“, heißt es seitens der Initiatoren in Bayern. Zu Recht richtet sich das Volksbegehren daher gegen die nicht-ökologische konventionelle Landwirtschaft, die durch ihre industriell-chemischen Verfahren und die Übernutzung der Flächen das dramatische Artensterben entscheidend verursacht und herbeigeführt hat.

Zwei Faktoren wirken zusammen: Der fortgesetzt massive Einsatz von Pestiziden und Herbiziden; aber auch die ständige Erweiterung der landwirtschaftlichen Nutzflächen, der immer mehr „ungenützte“ Naturflächen zum Opfer fallen, die viele Tier-, Vogel- und Insektenarten aber als ihre natürlichen Lebensräume benötigen.

Volksentscheid und CSU-Bauernbund-Widerstand

Laut aktuellen Umfragen wollen 84 Prozent der Bayern im Herbst bei einem möglichen Volksentscheid für die Gesetzesinitiative des Volksbegehrens „Artenvielfalt – Rettet die Bienen“ stimmen. Ein solcher Volksentscheid muss abgehalten werden, wenn der Bayrische Landtag den Gesetzesvorschlag des Volksbegehrens „Artenvielfalt – Rettet die Bienen“ nicht übernimmt.

Verbitterter Widerstand kommt (wer hätte anderes erwartet) vom „Bauernbund“ der bayrischen CSU, der (wie schon immer bei solchen Maßnahmen) den „Untergang der Bauernschaft“ kommen sieht (zumindest ihre fiese „Schlechtmacherei“). Dass Bienen und viele Insekten wichtige Bestäuber landwirtschaftlicher Nutzpflanzen sind, scheint den „Bauernbündlern“ nicht bekannt zu sein. Dass Vogelarten aussterben, weil Insekten aussterben, auch nicht. Dass diese äußerst besorgniserregende Entwicklung in der biologischen Nahrungs- und Wirkungskette am Ende schlimmste Auswirkungen auf uns Menschen und die Möglichkeiten unserer Ernährung haben wird, auch nicht. Was für eine bodenlose Ignoranz!

Getragen und initiiert wurde das so äußerst erfolgreiche bayrische Volksbegehren „Artenvielfalt – Rettet die Bienen“ von der Ökologisch-Demokratischen Partei Bayern (ÖDP), dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV), vom BUND Naturschutz Bayern und dem Bündnis 90/Die Grünen Bayern. Unter anderem hat inzwischen der deutsche „Bund Naturschutz“ entsprechende Gesetzesänderungen für die ganze EU verlangt.

*****

 

 

Artikel-Bild: Schwebefliege auf Habichtskraut, die zu den wichtigsten Bestäuberinsekten gehört.
(© Dr. Eberhard Pfeuffer / LBV Bildarchiv / Volksbegehren Artenvielfalt)

Meistgelesene Artikel
Short CutsMarianne Williamson

Unsere tiefste Angst

1 Minute

Short CutsVirginia Satir

Mein Bekenntnis zur Selbstachtung

3 Minuten

EssayChristoph Ransmayr

Europa! Herz der Finsternis

14 Minuten

ThemenartikelAndreas Wagner

Ins neue "WIR" – Gerald Hüther

4 Minuten

EditorialHeini Staudinger

Ausgabe 54

2 Minuten

EssayUrsula Baatz

Kain und Abel

4 Minuten

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen