Fakten Klimageschichte

Bild: Hungernder Eisbär in der Arktis. Die sich durch den Klimawandel dramatisch verschlechternde Eislage im Sommer schneidet Eisbären von ihren Beuterevieren ab. Die Zahl der verhungernden Tiere nimmt beängstigend zu. (Fotograf: @ Andreas Weith)

Fakten Klimageschichte

Die Erd- und Klimageschichte zeigen, wie schlecht
es um uns bereits steht – beim Klimawandel

Die fossile Megaindustrie in den USA und Europa hat sehr viel Geld ausgegeben, um Zweifel am menschgemachten Klimawandel zu schüren. Der US-Soziologe Robert Brulle hat diese Zahlungen sehr genau dokumentiert: Allein 2003-2010 waren es ihm zufolge mehr als 7 Mrd. US-Dollar. Vor allem Großkonzerne der Erdöl-, Energie- und Chemieindustrie ziehen auf diese Weise im Hintergrund die Fäden. Denn ihre Megaprofite werden nur bestehen, solange die Klimawende nicht stattfindet. Ihre bezahlten Handlanger (PR-Agenturen, „Zukunftsinstitute“, „Denkfabriken“, Medien und Politiker) haben daher, wo immer es ging, Zweifel an den Fakten des Klimawandels gesät. Doch diese „Argumente“ sind, wie die Klimageschichte zeigt, einfach nur falsch.

CO2-Nachweis schon 1958

Fakt ist: Schon 1958 wurde der wissenschaftliche Nachweis erbracht, dass die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre steigt. Eine sog. Isotopenanalyse ergab dabei außerdem, dass dieses CO2 tatsächlich aus der Nutzung fossiler Brennstoffe stammt (Erdöl, Erdgas, Stein- u. Braunkohle und Torf).

Der erwärmende Einfluss von CO2 auf das Erdklima wurde sogar schon 1824 und 1860 erkannt. Der schwedische Chemie-Nobelpreisträger Svante Arrhenius errechnete bereits 1896 einen globalen Temperaturanstieg um 4-6 °C bei doppeltem CO2-Gehalt in der Atmosphäre und warnte schon damals vor einem Klimawandel.

Der Anteil fossiler Energien am globalen Energieverbrauch beträgt aber heute immer noch unglaubliche 85 % (2005: 82 %). Jährlich wird eine Gesamtmenge fossiler Brennstoffe abgebrannt, die dem entspricht, was sich in 1 Mio. Jahren an Kohle und Öl bildete. Das CO2 ist daher auch weitaus der größte Faktor der jetzigen Erderwärmung, mit 75 % der menschgemachten Treibhausgase.

Höchste Temperatur seit 120.000 Jahren

Was das „Pariser Klimaabkommen“ als Klimaziel (unter +2 °C) nennt, bezieht sich auf die Durchschnittstemperatur der „vorindustriellen Zeit“. Ab 1870 setzte sich die „Industrielle Revolution“ in Europa und den USA in großem Maßstab durch – mit Dampfmaschine, Eisenbahn und Schwerindustrie (Stahl/Eisen) auf Basis fossiler Kohle.

Gegenüber vorindustrieller Zeit ist die globale Temperatur bis heute um +1,1 °C gestiegen (2018). Dies aber, die heute schon erreichte mittlere Temperatur, ist die höchste Durchschnittstemperatur seit 120.000 Jahren! In den 1990er Jahren lieferte der „Wostock-Eisbohrkern“ erstmals genaue Einblicke in Temperatur und CO2-Gehalt der letzten 420.000 Jahre. Heute reichen Eisbohrkerne sogar bis 800.000 Jahre, Tiefseesedimentbohrungen sogar einige Mio. Jahre in die Vergangenheit zurück.

Erdgeschichtlich gesehen, leben wir heute im sog. „Holozän“, einer Warmzeit, die seit ca. 12.000 Jahren anhält. Seit ca. 3 Mio. Jahren wechselt die Erde zwischen Warm- und Eiszeit. Die Frühzeit des „Holozäns“ hat die „neolithische Revolution“ geboren: Der Mensch wurde sesshaft und begann Ackerbau, während er vorher Sammler und Jäger war. Ein fundamentaler Wandel der Menschheitskultur. Unser Holozän war nicht nur wärmer als die Eiszeit zuvor (4-7 °C); sein Klima war 12.000 Jahre lang auch außergewöhnlich stabil. Denn wie die Erdgeschichte uns lehrt, ist das Klima keinesfalls träge, sondern vielmehr ein „wildes Biest“, wie US-Klimatologe Wallace Broecker sich ausdrückt.

Höchster CO2-Gehalt seit 800.000 Jahren

In den letzten 420.000 Jahren war der CO2-Gehalt der Erdatmosphäre sehr stabil. Er pendelte zwischen 190 ppm und 280 ppm (parts per million) im Einklang mit dem Wechsel von Eis- und Warmzeiten und ihrer Temperatur. Auch die Klimageschichte besagt also: Zwischen CO2 in der Atmosphäre und globaler Temperatur besteht ein fester Zusammenhang; mit zeitlicher Verzögerung.

Seit 100 Jahren steigt das CO2 dramatisch an; sprunghaft seit den 1970er Jahren! Es kletterte von 280 auf 410 ppm Höchststand im Jahr 2018. Das aber ist der höchste CO2-Gehalt seit mindestens 800.000 Jahren! Wahrscheinlich sogar seit etlichen Millionen Jahren, wie Hans-Joachim Schellnhuber und Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in ihrem Buchklassiker „Der Klimawandel“ betonen.

Es steht also unseren Nachkommen ein Höllenritt bevor, wenn wir die Klimawende nicht schaffen. Bisher haben wir nur allererste Vorboten des Klimawandels kennengelernt, weil die Temperatur dem CO2-Anstieg verzögert folgt. In den sog. „BAU-Szenarien“ der Klimaforschung (weiter steigende Treibhausgasemissionen wie bisher) erscheint auch ein CO2-Anstieg auf 940 ppm bis 2100 als möglich, was eine Erwärmung von über 9 °C bis 2200 ergeben würde. Schon aber bei über 4 °C (2100) und über 6 °C (2200), worauf wir jetzt zusteuern, wäre die Menschheit am Ende – weil das Klima ein „wildes Biest“ ist, sobald gewisse Kipppunkte im Klimasystem (ab 1,5-2 °C) überschritten sind. Der Klimawandel könnte tatsächlich unser Weltgericht werden! Die Apokalypse! The End!

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Artikel aus „Brennstoff no 54“ (Printausgabe)

Artikel-Bild: Hungernder Eisbär in der Arktis – @ Andreas Weith – wikimedia commons – Creative Commons BY-SA 4.0

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