Es ist fünf nach zwölf

Artikelfoto: 400 Gigatonnen CO2

Es ist fünf nach zwölf

Es geht. Wir können den Klimakollaps verhindern.

In den letzten Jahren explodierte förmlich die Zahl der Bücher, die sich mit der Klimakrise beschäftigen – und das ist gut so! Um ins Handeln zu kommen, sollte man unbedingt auch das Buch „CO2 – Fünf nach Zwölf. Wie wir den Klimakollaps verhindern können“ von Boris Previši lesen.

Boris ist als Sohn einer Schweizer Krankenschwester und eines jugoslawischen Elektronikers auf einem der ersten Biobauernhöfe der Schweiz aufgewachsen. Er ist Literaturwissenschafter und Konzertflötist mit Spezialisierung auf barocker und zeitgenössischer Musik und hat eine Organisation zur kulturellen Verständigung in Südosteuropa von Slowenien bis nach Usbekistan gegründet. Außerdem ist er Direktor des Instituts „Kulturen der Alpen“ das sich z.B. mit der Rückbindung von CO2 in den Boden beschäftigt. Und gerade dieser reiche interdisziplinäre Hintergrund ist es, der das Buch so spannend und lesenswert macht.

Seit der industriellen Revolution hat der Mensch bereits 2.000 Gigatonnen (also 2000 Milliarden Tonnen) CO2 aus fossilen Energieträgern freigesetzt. Der Mensch? Während wir in Westeuropa durchschnittlich ca. 20 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr verbrauchen, sind es in Burkina Faso oder Äthiopien nur 0,1 Tonnen!* Global betrachtet sind 20% der Weltbevölkerung für 80% des CO2-Ausstosses verantwortlich. Boris nennt das „langsame Gewalt“.

Wir müssen also in den reichen Gesellschaften nicht nur sofort aus Kohle, Erdöl und Gas aussteigen und uns vom sinnlosen ewigen Wirtschaftswachstum verabschieden; Wir müssen auch endlich das angehen, was Boris die „große Rückholaktion“ nennt. Mindestens 400 Gigatonnen CO2 müssen der Atmosphäre wieder entzogen werden, damit wir unseren Planeten nicht zerstören. Diese irren Dimensionen kann sich kaum jemand vorstellen. Deshalb sind dem Buch Illustrationen beigefügt (400 Gigatonnen entsprechen einem Volumen, das sich im Luftraum bis zehn Kilometer Höhe über die Fläche der gesamten Schweiz erstreckt).

Klar ist: Aufforstung und Humusaufbau auf riesigen Flächen werden für diese „große Rückholaktion“ immens wichtig sein. Boris erwähnt die Bioregion Kaindorf in der Steiermark, wo mittels einer kleinen Pyrolyseanlage Pflanzenkohle hergestellt wird (im Fachausdruck Biochar), die zum Düngen verwendet wird. Die Anlage in Kaindorf produziert pro Tag ungefähr
1 Tonne, im Jahr also rund 350 Tonnen Pflanzenkohle. Damit werden 900 Tonnen CO2 langfristig der Atmosphäre entzogen. Nebenbei entsteht bei der Pyrolyse zusätzlich eine Wärmeleistung von 100 kW, welche durch Turbinen in Elektrizität umgewandelt werden kann. Damit ist es möglich, nochmals 500 Tonnen CO2 zu vermeiden.

Wir müssen unseren Politikerinnen und Politikern klar machen: Statt nach der Corona-Krise hunderte Millionen (in Deutschland tausende Millionen) in die Rettung von Airlines zu buttern, brauchen wir dieses Geld dringendst für einen „Green New Deal“, so wie ihn die großartige Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez gemeinsam mit Bernie Sanders für die USA vorgeschlagen hat. So könnten tausende gut abgesicherte, sinnvolle Arbeitsplätze geschaffen werden: In der Aufforstung, im Bau von Solaranlagen, im Humusaufbau, in der Gebäudedämmung, im Ausbau der Öffis und und und… Boris sagt im letzten Kapitel: Es ist fünf nach Zwölf. Die Zeit der ständigen Appelle ist vorbei. Wir können nur noch handeln.

Alexander Behr

Es brennt. In Europa 200x so heiß wie in Burkina.
20 t CO2 pro Kopf in Westeuropa : 0,1 t CO2 in Burkina Faso oder Äthiopien. D. h., dass „eine/r von uns“ in 2 Tagen mehr CO2 in die Atmosphäre abgibt als z.B. ein Äthiopier im ganzen Jahr.

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