Editorial zur Ausgabe Brennstoff No. 62

Die schlimmste Ansteckungskraft steckt im Mainstream. Auch wenn wir’s schon lange wissen, dass dieser in den Abgrund führt (wir bauen mit großem Eifer ein Kartenhaus), so hat er doch was Kuscheliges, – im Mainstream ist man nie allein.


Ansteckend sind
Krankheit und Gesundheit

Lachen und Weinen

Faulheit und Fleiß

Großzügigkeit und Gier

Verzweiflung und

Resignation

Not und Selbstmord

Hass und Versöhnung

Lebendigkeit und Freude

„Auf welche Weise stirbt der Mensch“, so fragt Johannes Urzidil, ein österreichischer Dichter, und er fährt fort. „Indem sein Herz aufhört zu schlagen; und das ist wohl die bekannteste Art. Oder auch, indem er wird wie die andren; so sterben viele und man hat das nicht Acht, sie selber merken es oft nicht das ganze sogenannte Leben lang, nur vielleicht einmal spät steigt es ihnen sekundenhaft auf, aber sie streifen es ab wie ein Stäubchen am Kleid. – Wenn man sich’s auswählen könnte, da weiß man’s nicht, und wenn man’s weiß, hat man die Wahl nicht mehr. Dies ist die Regel.“
Mindestens so gefährlich wie der Mainstream ist
WÉTIKO, das gefährlichste Virus der Welt. Die Cree Indianer meinten, es wäre ein böser Geist, derMenschen befallen könne. Oh ja, dieses Virus ist ansteckend und total gefährlich. Seite 4 ff

Desaster heute
85 Millionen sind auf

der Flucht. Unter ihnen

35 Millionen Kinder.

Hunger, Krieg, Klima,

Vertreibung …

Millionen sind heute

vom Krieg betroffen, –

im Kongo, in Tigray,

in der Ukraine …

Auch Erich Fromm schreibt in seinem Buch „HABEN ODER SEIN“ (S. 26) von „Wétiko“ (S. 4), vom unstillbaren NochmehrHABENwollen, welches unser Kartenhaus bedroht: „Alle zitierten Daten sind der Öffentlichkeit zugänglich und weithin bekannt. Die nahezu unglaubliche Tatsache ist jedoch, dass bisher keine ernsthaften Anstrengungen unternommen wurden, um das uns verkündete Schicksal abzuwenden. Während im Privatleben nur ein Wahnsinniger bei der Bedrohung seiner gesamten Existenz untätig bleiben würde, unternehmen die für das öffentliche Wohl Verantwortlichen praktisch nichts, und diejenigen, die sich ihnen anvertraut haben, lassen sie gewähren.“ Ist so ein Mehrheitssystem, wie wir es haben, fähig die notwendigen Entscheidungen zu treffen? Change by design or by desaster. Es schaut so aus, als hätten wir keine Chance dem Desaster auszuweichen. Wer sind wir, dass wir sagen könnten, es gäbe keine Hoffnung mehr. (schau auf die linke Seite (2) … „Unschuldig in der Todeszelle“) Die entscheidende Frage bleibt immer: was mache ich/was machen wir in diesemDesaster? Dante sagt’s so: „Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere packt sie an und handelt.“ Verstehen und sinnvolles Handeln gehören zu den Säulen der Gesundheit. Drum handle. Denn auch Gesundheit kann ziemlich ansteckend sein.


Das meint im Ernst
Heini Staudinger
Herausgeber


Ps. Für unsere Zukunftsfähigkeit können wir bei den
Indigenen mehr lernen als in Silicon Valley.

Einer muss den Frieden
beginnen, – wie den Krieg.

Stefan Zweig


Artikel dieser Ausgabe
Heini Staudinger

Editorial zur Ausgabe Brennstoff No. 62

2 Minuten

Dietrich Bonhoeffer

Ansteckende Dummheit

3 Minuten

Suzanne Tröber

Wétiko, das Virus der Gier

4 Minuten

ThemenartikelHuhki Henri Quelcun

FRAUENPOWER - Eine Lebedame verjagt den Todesengel

5 Minuten

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