Die Kraft der Gewaltlosigkeit ist feiner und wunderbarer … | Texte von Mahatma Gandhi

Bild oben: Mahatma Gandhi bei einer Rede im Jahr 1931
(Agenturfoto: © James A. Mills / AP / picturedesk.com)

Die Kraft der Gewaltlosigkeit ist feiner und wunderbarer …
Texte von Mahatma Gandhi

„Je mehr ich mit diesem Gesetz wirke, umso mehr empfinde ich Wonne im Leben und im Entwurf des Universums.“

 

»Ohne Gewaltlosigkeit kann man Wahrheit weder suchen noch finden. Beide hängen so eng zusammen, dass sie nicht zu trennen sind. Sie sind wie die zwei Seiten einer Münze, nein, einer ungeprägten Metallscheibe. Man könnte nicht sagen, welches die Vorder-, welches die Rückseite ist. Gleichwohl ist Gewaltlosigkeit nur das Mittel, die Wahrheit das Ziel.

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Es ist ganz recht, einem System zu widerstehen und es anzugreifen, doch seinem Urheber zu widerstehen und ihn anzugreifen ist so viel, wie sich selbst anzugreifen. Denn wir alle sind mit denselben Fehlern durchwachsen, und wir sind Kinder eines und desselben Schöpfers, und so sind die göttlichen Kräfte in uns unendlich.

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Ein Mensch, der materiellen oder moralischen Reichtum anhäuft, vermag es nur mit Hilfe der anderen Glieder der Gesellschaft. Hat er dann das moralische Recht, das Angehäufte zu seinem persönlichen Vorteil zu verbrauchen? Nein, dieses Recht hat er nicht.

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Satyagraha [Streben nach Wahrheit] ist Seelenkraft, und immer, wenn dem Gebrauch von Gewalt Raum gegeben wird, dann ist im gleichen Ausmaß weniger Möglichkeit für Seelenkraft. Das sind nach meiner Auffassung rein gegenwendige Kräfte …

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Wenn wir erkennen, dass trotz der scheinbaren Überlegenheit der Gewalt nicht sie, sondern die moralische Stärke das Universum regiert, dann sollten wir uns in Gewaltlosigkeit einüben und unser ganzes Vertrauen auf ihre unbegrenzten Möglichkeiten setzen. Wünschenswert ist der freiwillige Verzicht auf Gewalt, der Verzicht aus Stärke. Um dazu fähig zu sein, muss man Fantasie aufbringen, und außerdem muss man die Strömungen des Weltgeschehens tief erforschen.

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Das Unrecht kommt nicht nur vom Unterdrücker, sondern auch vom Unterdrückten. Der Tyrann kann nur das erzwingen, dem das Opfer aus Mangel an Kraft nicht widersteht. Unsere eigene Schwäche und Bosheit abzulegen, ist deshalb schon der halbe Sieg; das aber ist der Weg des Leidens und der Selbstläuterung. Diese kann nicht gelingen, ohne dass man sich auf die eingeborene Gutheit der Menschennatur, auf die Einheit der Menschheit und auf die allumfassende Macht der Liebe stützt.

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Während eine böse Tat zu missbilligen ist, verdient der Täter, ob er gut oder böse ist, immer Respekt oder Mitleid je nachdem. »Hasse die Sünde und nicht den Sünder«, dieser Spruch ist leicht zu verstehen und wird selten befolgt, und darum breitet sich das Gift des Hasses in der Welt aus.

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Vor allem muss man damit aufhören, wissenschaftliche Erkenntnisse und Entdeckungen zu bloßen Mitteln der Habgier zu machen. Dann werden die Arbeiter nicht mehr ausgebeutet, und die Maschinen werden nicht mehr zum Nachteil, sondern eine Hilfe sein.

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Das Gesetz der Liebe wird wirken, wie das Gesetz der Schwerkraft wirken wird, ob wir es anerkennen oder nicht. Die Kraft der Gewaltlosigkeit ist unendlich wunderbarer und feiner als die materiellen Naturkräfte. Je mehr ich mit diesem Gesetz wirke, umso mehr empfinde ich Wonne im Leben, im Entwurf des Universums. Es schenkt mir einen Frieden und eine Schau in die Geheimnisse der Natur, wie ich es nicht beschreiben kann.«

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(Auswahl der Texte: Andreas Wagner)

 

Artikelbild: Mahatma Gandhi bei einer Rede im Jahr 1931
Agenturfoto: © James A. Mills / AP / picturedesk.com

 

 

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