Die „Biokalypse“ im Anmarsch | Michael Schrödls Buch „Unsere Natur stirbt“

Die „Biokalypse“ im Anmarsch

Michael Schrödl prognostiziert die globale biologische Krise und das Ende der Zivilisation für spätestens 2050 – aufgrund des gigantischen Artensterbens infolge industrieller Landwirtschaft und das Klimawandels

von Andreas Wagner

Schon in dreißig Jahren wird die Erde eine tote Wüste sein, wenn Artensterben und Klimawandel ungebremst fortlaufen wie bisher, prognostiziert Michael Schrödl, Universitätsprofessor für Zoologie an der Universität München, in seinem Buch „Unsere Natur stirbt“ (2018). Mit anderen Worten: Die „Biokalypse“, das Ende der Natur und des Menschen, steht unmittelbar bevor. „Vermutlich zwischen 2030 und 2050 wird uns die globale biologische Krise, die globale Not, das Ende der Zivilisation ereilen“, so das erschreckende Fazit des Münchner Wissenschafters.

Die Nahrungsproduktion versiegt

Die Prognosen der Klimaforschung treffen zu, ist auch für Michael Schrödl klar. Der menschgemachte Klimawandel wird verheerend, wenn die Erderwärmung bis 2100 +1,5 Grad überschreiten sollte (derzeit +1,0 Grad / Pariser Klimaabkommen-Ziel: (unter) +2,0 Grad). Was die Klimaforschung in ihren Zukunftsszenarien aber zu wenig bedacht habe, sei das bereits jetzt im Ausmaß gigantische Artensterben (Aussterben der Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen), das der menschgemachte Klimawandel noch drastisch beschleunigen wird. Mit dem (für uns noch unvorstellbaren) Ergebnis, dass die Biosphäre noch vor 2050 kollabiert, so weit, dass die landwirtschaftliche Nahrungsproduktion weltweit versiegt. Biokalypse! „Die globale Wirtschaft bricht zusammen, Infrastrukturen verfallen, Milliarden von Menschen werden nicht mehr mit Wasser und Nahrung versorgt.“

Industrielle Landwirtschaft als Hauptkiller der Biosphäre

Die Aussterberate bei den Tieren z.B. hat sich inzwischen zu früher mehr als verzehntausendfacht! Schätzungsweise 60.000 bis 200.000 Tierarten werden inzwischen jährlich weltweit ausgelöscht. Auch in Deutschland, so Schrödl, wird bis 2050 (bei Fortsetzung des derzeitigen Wegs) die Hälfte (50 %) aller heimischen Arten ausgerottet sein; die offizielle Prognose, die stets „vorsichtig“ ist, spreche derzeit schon oder noch von 30 %.

Hauptkiller Nr. 1 der Biosphäre, sagt Schrödl unumwunden, ist die heute gängige industrielle Landwirtschaft und Forstwirtschaft. Der Einsatz der Pestizide aller Art (in einem für Laien ungeahnt großen Ausmaß praktiziert, wie er an Beispielen darlegt), die absolute Übernutzung der landwirtschaftlichen Flächen und die immer gierigere Ausradierung „nutzloser“ Naturräume durch die konventionelle Land- und Forstwirtschaft sind die Hauptursachen des gigantisch steigenden Artensterbens, das bereits in Rekordtempo auf die Vernichtung der Lebensgrundlagen des Menschen zuläuft. Der Münchner Universitätszoologe lässt daran keinen Zweifel.

Umstieg auf Biolandwirtschaft und 1,5 Grad-Ziel als einzige Chance

Nur ein schneller, radikaler Umstieg auf 100 % Biolandwirtschaft und die absolute Begrenzung der Erdwärmung auf max. +1,5 Grad könnte die Entwicklung noch aufhalten. „Dieses Buch“, schreibt Schrödl, „ist eine eindringliche Warnung vor der »Biokalypse«, die uns und alles, was uns lieb ist, auslöscht, und zwar recht bald, wenn wir nicht alle schleunigst und entschlossen etwas dagegen tun!“

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