„Black Lives Matter“ – Protestdemo zum Tod von George Floyd mit 50.000 Teilnehmern in Wien

Bild oben: „Black Lives Matter“ – Solidaritätsdemo in Wien
(aktuelles Agenturfoto: © Hans Punz / APA / picturedesk.com)

„Black Lives Matter“ – Protestdemo zum Tod von George Floyd mit 50.000 Teilnehmern in Wien

Die Ermordung des schwarzen US-Bürgers George Floyd durch weiße Polizisten in den USA führt nun auch zu Protesten in ganz Westeuropa.

Nach Solidaritätsdemonstrationen in London, Paris, Berlin, Den Haag, Köln und weiteren europäischen Städten folgte vergangenen Donnerstag eine unerhört stark besuchte Großdemo in Wien: 50.000 Menschen waren dem Demoaufruf gefolgt. „Black Lives Matter!“ („Schwarze Leben zählen!“), lautete der Hauptslogan auch in Wien, mit der die Teilnehmer auf die Misshandlung und Ermordung des  Afro­amerikaners und US-Bürgers George Floyd durch weiße Polizisten in Minneapolis, US-Bundesstaat Minnesota, am 25. Mai reagierten.

Rassistische Gewalt weißer Polizisten in den USA

Da die Vorfälle tödlicher Gewaltanwendung weißer Polizisten gegen schwarze Mitbürger in den USA (selbst bei harmlosen Verkehrskontrollen) nicht enden und ein schockierendes Ausmaß, eine schockierende Häufigkeit haben, ist es nach der Ermordung George Floyds in insgesamt 40 US-amerikanischen Großstädten zu tagelangen Demonstrationen und zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen.

Also nicht ohne Grund. Denn selbst fünfzig Jahre nach den mühsam und schwer errungenen Erfolgen der afroamerikanischen „Bürgerrechtsbewegung“ in den USA (Martin Luther King, 1968 ermordet, war deren bekannteste Persönlichkeit) ist „weißer“ Rassismus in der US-amerikanischen Polizei noch immer ein akutes und alltägliches Problem. Selbst unbescholtenste Schwarze müssen in den USA jederzeit fürchten, Opfer willkürlicher, auch tödlicher Gewaltübergriffe weißer Polizisten zu werden.

Tagtäglicher Rassismus in Österreich

Die Großdemo „Black Lives Matter“ in Wien richtete sich aber ausdrücklich auch gegen Rassismus in Österreich. Nicht von ungefähr startete sie beim Platz der Menschenrechte in umittelbarer Nähe des Denkmals für Marcus Omofuma, eines Nigerianers und Asylwerbers, der 1999 während seiner Abschiebung aus Österreich erstickte. Wie der Veranstalter und die Redner in Wien deutlich machten, gibt es auch in Österreich weiterhin zahllose Vorfälle von (alltäglichem) Rassismus, mit denen Migranten/innen und Österreicher/innen mit migrantischem Hintergrund konfrontiert sind.

Lob von Barack Obama – weitere Demos in Österreich, Deutschland und Westeuropa

Nach der Wiener Großdemo am Donnerstag kam es am Wochenende zu weiteren Solidaritätsdemos zu George Floyd in Österreich (Graz, Innsbruck, Klagenfurt und erneut Wien), in 20 Städten in Deutschland (u.a. Hamburg, München, Berlin) und in weiteren Metropolen Westeuropas und der Welt. Ex-US-Präsident Barack Obama äußerte sich inzwischen positiv zur Protestbewegung in den USA. Es habe, zitiert ihn die deutsche Tageszeitung „Die Welt“, „in der vergangenen Woche in den USA so viele ehrliche Gespräche zum Thema Rassismus gegeben wie nie in der Zeit zuvor, an die ich mich erinnern kann“. (Link zum Artikel unten)

Hintergründe des polizeilichen Rassismus in den USA

Die Liste „zweifelhafter“ Todesfälle von Schwarzen bei Polizeikontrollen oder Polizeieinsätzen in den USA  ist entsetzlich lang. Karin Geil hat 2016 in der „Zeit“ eine (weitaus nicht vollständige) Chronologie dieser „langen Reihe offenbar rassistisch motivierter Polizeigewalt“ publiziert, die einen Eindruck der Gewalt vermittelt und noch online nachgelesen werden kann. (Link zum Artikel unten) Zur Wut und Verzweiflung der schwarzen US-Bürger kommt noch hinzu, dass die weißen Polizisten, die die Taten begehen oder beteiligt sind, nur selten von den Geschworenen-Gerichten (angemessen) gerichtlich verurteilt und bestraft werden.

Über einige der Hintergründe weißer rassistischer Polizeigewalt in den USA (bis hin zum „strukturellen Rassismus“, d.h. der gesellschaftlichen Benachteiligung bzw. Schlechterstellung der Mehrheit der Schwarzen in weitgehend allen gesell­schaft­lichen Lebensbereichen – Beruf, Arbeit, Einkommen und Vermögen, Bildung und Schule, Wohnen und Gesundheitsversorgung) haben in den letzten Tagen Armin Thurnher („Der Falter“) und, ausführlicher, Meret Baumann in der „Neuen Zürcher Zeitung“ und Jeffrey Sommer im Berliner „Tagesspiegel“ aufschlussreich und wissenswert geschrieben. (Links zu den Artikeln unten)

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