Bankkonzerne befeuern fossile Energieindustrie mit gigantischen Summen trotz Klimakrise

Bild oben: New Yorker Börse in der Wallstreet
(@ Janifest / istock.com)

Bankkonzerne befeuern fossile Energieindustrie mit gigantischen Summen trotz Klimakrise

Trotz Klimakrise und öffentlichen Bekenntnissen zum Klimaschutz investieren die größten Bankkonzerne Amerikas, Kanadas und Europas weiterhin Unsummen in die Erdöl-, Erdgas- und Kohleindustrie. Indes gibt die große Erdölindustrie viel Geld für irreführende Werbung und Lobbying aus.

Ein Artikel von Andreas Wagner (Brennstoff)

Die internationale Finanzwirtschaft schert sich einen Teufel um den Klimawandel, obwohl sie in der Öffentlichkeit so tut. So einfach und bitter lässt sich ein jüngster Bericht von Greenpeace International  zusammenfassen, der die finanzielle Verzahnung internationaler Großbanken mit der fossilen Energieindustrie (Erdöl-, Erdgas- und Kohleindustrie) analysiert.

Großbanken: 1.672 Mrd. € für fossile Energieindustrie in letzten 4 Jahren

Dem Bericht von Greenpeace zufolge haben 33 der wichtigsten internationalen Großbanken in den letzten vier Jahren (seit dem Pariser Klimaabkommen vom Dez. 2015) weltweit 1,9 Billionen US-Dollar an frischem Kapital in die fossile Energieindustrie investiert (Erdöl-, Erdgas- und Kohleindustrie). Das sind (nach aktuellem Wechselkurs) umgerechnet 1,672 Billionen bzw. 1.672 Milliarden Euro.

Das ist eine riesige Summe, die sich kaum vorstellen lässt. Sie entspricht den Staatsausgaben des Bundeshaushalts Deutschlands der letzten 5 Jahre; bzw. den Staatsausgaben des Bundeshaushalts Österreichs der letzten 21 Jahre. (Grob gerechnet auf Grundlage der Staatsbudgets 2019.)

Torpedierung der Klimaziele, Verzögerung neuer Technologien

Als ob der Klimawandel sie nichts anginge, suchen die globalen Großbanken also völlig rücksichtslos weiterhin massive Profite in der fossilen Energieindustrie. Sie befeuern und mästen damit genau die Industrie, die vom größtmöglichen Verkauf fossiler Brennstoffe lebt, die als mit Abstand allergrößter Faktor den Klimawandel vorantreiben, verursachen und verursacht haben. Sie lenken riesige Vermögen in diese Industrie, obwohl diese schon in 30 Jahren vollständig abgeschafft sein müsste, um die international vereinbarten, zwingend notwendigen Klimaziele zu errreichen: die Klimaneutralität aller Technologien in allen Bereichen bis 2050.

In ganz klaren Worten: Sie scheren sich einen Teufel um den Klimawandel, ja, hintertreiben sogar wissentlich die Klimaziele des Pariser Abkommens und der Politik. Und indem sie die (volks)wirtschaftliche Fehllenkung vorhandener Kapitalien in eine veraltete, obsolete Technologie zementieren, verzögern sie zugleich in enormem Ausmaß die Entwicklung, die Etablierung und den Ausbau klimaneutraler neuer Technologien (da die alte fossile Technologie mit großem, frischem Kapital im Rücken weiterhin stark präsent sein kann und den Markt fürs Neue blockiert).

Amoralität: Das schlechte Vorbild der globalen „Leistungseliten“

Die Spitzenmanager der internationalen Großbanken tragen also weder Weitsicht noch wahre Menschlichkeit in sich. Es sind nur selbstsüchtige, engstirnige Technokraten, selbst wenn sie Harvard besuchten, oft lächeln und feine Anzüge tragen. Zu ihren „besten“ Fähigkeiten gehört zudem auch noch die bewusste Täuschung. Also eine schändliche Amoralität, ein unverzeihliches amoralisches Verhalten, das sich verheerend auf das mangelnde Vertrauen vieler Menschen in die Politik, die Demokratie und das Leben auswirkt.

Denn Greenpeace International hat ihren Bericht über die Großbanken aus Anlass des „Weltwirtschaftsforums“ in Davos (Schweiz) geschrieben, des alljährlichen Treffens der Reichsten, „Erfolgreichsten“ und Mächtigsten der Welt, das sich den hehren Anspruch gibt, „den Zustand der Welt zu verbessern“. Doch ist das alles in der Realität bei weitem nicht so, vielmehr ganz anders.

Davos ist nur Fassade, ein „Potemkinsches Dorf“

Von jenen 33 globalen Großbanken waren in Davos 24 Banken mit Topmanagern vertreten. Allein diese 24 – namhafte amerikanische, kanadische und europäische Bankkonzerne – pumpten 1,4 Billionen US-Dollar (von jenen 1,9 Billionen) in den letzten vier Jahren in die fossile Energieindustrie. Das heißt den Löwenanteil. Das waren umgerechnet 1,232 Billionen bzw. 1.232 Milliarden Euro bzw. so viel wie die Summe der Staatsausgaben Deutschlands (des Bundes) der letzten 3,5 Jahre bzw. der Staatsausgaben Österreichs (des Bundes) der letzten 15 Jahre.

Das „Weltwirtschaftsforum“ in Davos ist also nur, das zeigen diese trüben Fakten, ein Potemkinsches Dorf, eine schöne, aber leere Fassade, die uns ein X für ein A vormachen soll. Eben wie die vielen öffentlichen Beteuerungen von Großbanken und Großkonzernen, die Klimakrise nun tatsächlich Ernst zu nehmen. Es ist alles nur „Public Relation“, PR, hübsch aufgemacht in Tageszeitungen, in „coolen“ Werbespots und Werbebroschüren; aber täuschend und unehrlich.

Greenwashing: 400 Millionen Dollar jährlich für irreführende Werbung und Lobbying

Der Bericht von Greenpeace International  („It’s the Finance Sector, stupid“) ist in diesem und anderen Punkten wirklich lesenswert. Er legt auch dar, dass allein die fünf größten Erdölkonzerne Amerikas und Europas jährlich 195 Millionen US-Dollar für Werbekampagnen ausgeben, um sich in der Öffentlichkeit „als Vorkämpfer der Energiewende“ ins Bild zu setzen, während sie in Wirklichkeit ihre Ausgaben zur Förderung und Erschließung fossiler Brennstoffe weiter erhöhen.

Auch in das (politische) Lobbying wird viel Geld gesteckt; in ein Lobbying, das „dazu dient, verbindliche klimabezogene Politik zu kontrollieren, zu verzögern oder zu blockieren“, so Greenpeace unter Berufung auf die Recherchen von InfluenceMap. Allein die fünf größten Erdölkonzernze Amerikas und Europas geben dafür jährlich (noch zusätzlich zur Werbung) rund 200 Mio. US-Dollar aus.

Auch Versicherungskonzerne und Pensionskassen involviert

Außer Banken sind aber auch große Versicherungskonzerne und Pensionskassen nach wie vor stark in die Geschäfte und Profite der fossilen Energiewirtschaft involviert, wie der Greenpeace-Bericht zeigt. Greenpeace fordert daher zu Recht, dass unsere Staats-Regierungen und Parlamente der großen Finanzwirtschaft endlich wirksame Regeln auferlegen müssen, das vorhandene riesige Kapital in die Energiewende und die Klimawende zu lenken. Mit voller Kraft. Denn es bleibt uns kaum noch Zeit.

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Artikelfoto: New Yorker Börse in der Wallstreet
(@ Janifest / istock.com)

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