Ausgabe 52

Anfang April 1945 war es auch den letzten Nazibonzen klar, dass der Krieg verloren ist. Da befahl Hitler, drei Wochen, bevor er sich selbst das Leben nahm, die »Vernichtung der Verschwörer«. Bis zum letz-
ten »Atemzug« spielten die Nazis auf Rechtsstaatlichkeit. Der Richter musste mit dem Fahrrad ins KZ Flossenbürg fahren, um den Verschwörern den Prozess zu machen. Er verurteilte alle zum Tode. Am 9. April 1945 wurden sie auf grausamste Weise hingerichtet. Unter den »Verschwörern« war auch Dietrich Bonhoeffer. Er war für mich seit meiner Jugend eine wichtige Lichtgestalt.
Bonhoeffer, er war evangelischer Pastor, predigte schon 1933, die Kirche müsse den Opfern der Gesellschaft helfen – egal, ob sie nun Christen wären oder nicht. Als Bonhoeffer meinte, dass die Zeit kommen werde, wo es nicht mehr genüge, die Opfer unter dem Rad des Regimes zu verbinden, sondern wo es nötig sein werde, »dem Rad selbst in die Speichen zu fallen«, verließen manche den Raum.

1933 meinten viele, der Spuk mit dem Tausendjährigen Reich werde bald vorbei sein. Bonhoeffer ahnte schon damals, dass Gefahr und Not über Land und Leute kommen würde.
Ja, ja, heute ist alles anders. Und doch ist es so, dass Zeichen an der Wand sichtbar werden, die mich – und nicht nur mich – beunruhigen.

Politik, die spaltet, die gegen die Schwachen hetzt und die großen Probleme liegen lässt. Rücksichtslose Wirtschaftskriege um Rohstoffe. Rücksichtslos gegen Natur und Mensch. Unsere nimmersatte Konsumgesellschaft nimmt z.B. 7 (sieben!) Millionen Tote im Rohstoffkrieg im Osten vom Kongo »in Kauf«. Klima … ein Förster meinte neulich, wir hätten hier eine »Käferplage biblischen Ausmaßes« … in anderen Teilen der Welt werden aus sich selbstversorgenden Bauern Klimaflüchtlinge. Und wir? Wir bekämpfen Flüchtlinge und nicht die Fluchtursachen. Medienprofis setzen dann den ganzen Wahnsinn in ein rosa Licht und dauernde Ablenkung »hilft« uns, die eigenen Träume und die innersten Sehnsüchte zu vergessen. So werden wir zu gefügigen Mitspielern. Geld ist dabei ein ständiger starker Verführer. Doch die Logik des Geldes wird uns nicht retten. Im Gegenteil: mit tausend Tricks hält es uns gefangen. Drum: seid wachsam!

Lasst uns unbeirrbar dem Leben dienen, denn es gibt nichts Wichtigeres als das Leben. Unsere innerste Sehnsucht ist der Stern, der uns stets bei der Orientierung hilft. Praktischerweise haben wir diesen Stern mitten in uns.

Das meint im Ernst,

HEINI STAUDINGER

Artikel dieser Ausgabe
EditorialHeini Staudinger

Ausgabe 52

2 Minuten

EssayUrsula Baatz

Kriterien für die Wachsamkeit

3 Minuten

Short CutsJiddu Krishnamurti

Die Schlange im Zimmer

2 Minuten

Short CutsThich Nhat Hanh

Der Sinn des Erkennens

1 Minute

InterviewManuel Gruber

»Unser Ziel ist es, Macht zu entflechten!«

10 Minuten

InterviewLisa Bolyos, Alexander Behr

»Die Kleinen werden von der FMA sekkiert«

15 Minuten

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