Alles Lebendige bewahren

Eine lebendige und wertschöpfende Landwirtschaft – für Produzenten und Verbraucher

Die südkoreanische Vereinigung HANSALIM – was übersetzt in etwa „Alles Lebendige bewahren“ bedeutetist eine Vereinigung von Bauern und Verbrauchern mit dem Ziel einerseits bäuerlichen Familien in Südkorea die Existenz zu sichern und andererseits gesunde, weitgehend biologische Lebensmittel für Verbraucher herzustellen. Beide – Produzenten und Verbraucher – tragen Verantwortung: die einen für die gesunde Versorgung der Verbraucher mit lokalen, regionalen und weitgehend biologischen Lebensmitteln, die anderen – die Verbraucher – dafür, dass die Existenz der derzeit rund 2000 Bauernbetriebe durch faire Preise sichergestellt wird.

Hansalim ist ein exemplarischer, sensationeller Beweis, dass der Wandel zu einer solidarischen Landwirtschaft wirtschaftlich funktioniert. Solidarische Landwirtschaft bedeutet, dass nicht große Verarbeiter, Zwischenhändler und Verteiler zwischen Produzenten und Verbraucher geschalten sind (welche einen erheblichen Teil der Wertschöpfung absorbieren), sondern Bauern(familien) und Verbraucher gemeinsam zu Beginn jeden Jahres die benötigten Produktionsmengen und faire Preise ausverhandeln bzw. festlegen mit dem Ziel das Gros der Wertschöpfung bei den Produzenten direkt zu belassen.

Die Prinzipien von Hansalim basieren auf gegenseitigem Vertrauen: beide Gruppen bedingen einander. Beide Gruppen zahlen in einen Solidaritätsfonds ein, welcher bei Ernteausfällen, Überschwemmungen, Hagel oder anderen negativen Umweltereignissen das Grundeinkommen der betroffenen Bauern sichert, bis diese wieder auf eigenen Beinen stehen können.

Hervorzuheben ist die Dimension des genossenschaftlich organisierten UnternehmensHansalim (nicht der Gewinn steht im Vordergrund, sondern das wechselseitige Interesse an der Sache selbst, in diesem Falle: das Leben der Bauern und die Produktion gesunder Lebensmittel):
Hansalim arbeitet mit über 2.000 Höfen zusammen. Diese produzieren gesunde Lebensmittel für 440.000 Haushalte mit über 1,6 Millionen Menschen (!).

Dies gelingt wiederum durch ein von Bauern und Verbrauchern gemeinsam organisiertes System von Verteiler – Kooperativen, Bio Läden und ein weit entwickeltes Liefersystem: Hansalim selbst betreibt Verarbeitung, Vertrieb und Lieferung an die Bio Läden. Wesentlich dabei ist, dass dadurch ein großer Teil der Wertschöpfung bei den Produzenten bleibt, die gemeinsam mit den Verbrauchern das Interesse haben gesunde Lebensmittel herzustellen. Zwischenhändler sind in diesem System nicht vorgesehen und würden die Wertschöpfung für die Produzenten nur minimieren bzw. die Preise für die Verbraucher künstlich erhöhen.

Es ist auch für Österreich und Europa zentral dem Sterben unserer traditionellen und über Jahrhunderte gewachsenen Landwirtschaft Einhalt zu gebieten. Täglich sperren in Österreich 3-4 landwirtschaftliche Betriebe zu. Die Großen werden größer, die kleinen und mittleren Betriebe glauben nur durch überbordende Investitionen in Quantität und Größe überleben zu können, verschulden sich über Kredite, was am Ende erst recht zu deren wirtschaftlichen Ende führt.

Bei Hansalim in Korea bleiben 75% eines jeden Euro, der über die Hansalim – Kette für Lebensmittel ausgegeben wird beim Bauern. Dies ist ein herausragender Wert. Möglich ist dies durch eine schlank geführte Vertriebsstruktur (die wiederum von Erzeugern und Verbrauchern selbst entwickelt wurde) und durch Verzicht auf teure Vermarkter und Zwischenhändler. Ein Unternehmen zum wechselseitigen Wohl von Bauern und Verbrauchern, beide haben daher auch Interesse am wirtschaftlichen Erfolg. Zum Vergleich dazu verbleiben in Österreich nur 7,7% der Wertschöpfung bei den Bauern.

Beim diesjährigen Pfingstsymposium[i] vom 18. bis 21. Mai in der GEA Akademie in Schrems (GEA und Waldviertler Werkstätten) stand auch – unter anderem – das Thema „Landwirtschaft und Ernährung“ im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Der Förderungs- und Revisionsverband gemeinwohlorientierter Genossenschaften RÜCKENWIND (der – von GEA initiiert – seit Dezember 2016 durch das Wirtschaftsministerium als Revisionsverband für Genossenschaften anerkannt ist) fördert und unterstützt auch in Österreich Initiativen, die Rückbesinnung und den Neubeginn einer solidarischen Landwirtschaft, die dazu führen soll, dass die Wertschöpfung wieder bei den Bauern bleibt und dass die bäuerlichen Betriebe in Österreich leben können. Das massenhafte Schließen von bäuerlichen Betrieben muss ein Ende haben, dazu brauchen gesunde Lebensmittel einen fairen Preis.

[i] Seit 2013 veranstalten GEA Waldviertler, der Verein für gemeinsinniges Wirtschaften (VGW) und RÜCKENWIND.COOP ein Symposium zum Themenbereich „Gemeinsinnige Wirtschaft“

 

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