Anmerkungen zu Frankreich

Nun haben die Franzosen eine Wahl, die keine ist

Symptomatisch für den Zustand der europäischen Linksliberalen: Jede noch so kleine Geste gegen »rechts« wird bejubelt, während man nicht merkt, dass man das Land dem Neoliberalismus opfert und damit erst die Grundlagen für eine vielleicht kommende rechte Machtübernahme schafft.
JENS BERGER, NachDenkSeiten

Emmanuel Macron: Der Freund der Finanz

Bei einem seiner Wahlkampfauftritte verbat es sich der französische Präsidentschaftskandidat, als »Kandidat das Finanzoligarchie« bezeichnet zu werden. Sieht man sich seine Vorschläge jedoch genauer an, erkennt man vieles, das vor allem die Banken begeistern wird. Kommentar von DOMINIQUE PLIHON, Professor Emeritus für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Paris-XIII und Präsident des wissenschaftlichen Beirats von Attac Frankreich (Quelle: Der Standard).

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Stellen Sie sich vor, Sie hätten nun die Wahl zwischen Frauke Petry und Christian Lindner

In einer ungewöhnlichen Aktion riefen in der letzten Woche die Hollywood-Größen Oliver Stone, Danny Glover und Mark Ruffalo die französischen Wähler auf, ihre Stimme Jean-Luc Melénchon zu geben – Frankreich solle eine Tragödie á la USA erspart bleiben, bei der man am Ende nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera hat. Die gut gemeinte Warnung wurde diesseits des Atlantiks jedoch nicht vernommen. Mit dem Ergebnis der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen ist das wahrscheinlichste und gleichzeitig auch schlimmste aller zu denkenden Szenarien eingetroffen. Der neoliberale Medienliebling Emmanuel Macron und die rechtsextreme Marine Le Pen konnten die meisten Wählerstimmen auf sich vereinen und treten nun in zwei Wochen in der entscheidenden zweiten Runde gegeneinander an. Pest und Cholera reloaded. Nun haben die Franzosen eine Wahl, die keine ist. Und damit fängt die eigentliche Tragödie erst an. Von JENS BERGER, NachDenkSeiten.de

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Guillaume Paoli zu den Frankreichwahlen

»Egal, wen die Franzosen wählen als Staatsoberhaupt: Drei Viertel werden unzufrieden sein«, sagte der französische, in Berlin lebende Philosoph GUILLAUME PAOLI im SRF-Tagesgespräch bei Ivana Pribakovic, drei Tage vor der Wahl. Das Gespräch ist auch nach der Wahl absolut hörenswert.

»Evident ist, dass wir in Frankreich das Ende der politischen Parteien beobachten können«, so Paoli. Der Schriftsteller ist besorgt, weil das Misstrauen in der Bevölkerung gegenüber den Politikern wächst. »90 Prozent der Jungen denken, die Politik sei korrupt«. Welche Folgen hat das für die Demokratie? Der ehemalige Haus-Philosoph des Leipziger Centraltheaters und Schriftsteller hat Antworten.

SRF-Gespräch anhören (Audio, 23:56 Minuten)

Nur noch Neoliberale

Kommentar von GUILLAUME PAOLI nach der Wahl (via Facebook):

Und jetzt jubelt alle mit, ihr Zuschauer des großen europäischen Kasperltheaters! Wieder einmal wird die böse, blonde Vogelscheuche besiegt! Der gute Retter braucht nur noch in seinem Amt bestätigt zu werden, das schafft er mit links und rechts. Er kennt keine Partei mehr, nur noch Neoliberale, der absolute Newcomer, der noch vor einem Jahr Wirtschaftsminister der unbeliebtesten Regierung der französischen Geschichte war. Der tadellose Demokrat, der mit nicht einmal einem Viertel der Wählerstimmen 5 Jahre lang regieren und seine Gesetze per Dekret durchsetzen wird, ohne sich um die Zustimmung des Parlaments scheren zu müssen. Da freuen sich schon die Arbeitslosen, denen jegliche Untersützung nach zwei abgelehnten Jobs gestrichen wird. Und die Gewerkschafter über die Abschaffung aller Tarifverträge – das nur um die Maßnahmen zu erwähnen, die bereits im Programm des smarten Bankers stehen. Weitere Überraschungen folgen bestimmt noch. Habt also keine Angst vor der rechtspopulistischen Bestie, sie ist nur da, um euch das kleinere Übel schmackhaft zu machen. Es geht alles seinen ungeregelten kapitalistischen Gang.

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