Quo vadis Gesundheit

Wir stehen an der Schwelle einer grundlegenden Änderung unseres Gesundheitswesens. Die quälenden Fragen nach der Finanzierbarkeit plagen jede Regierung und machen den Menschen Sorgen für ihre Zukunft. Die unbestreitbaren Erfolge der medizinischen Forschung und Praxis haben kranken Menschen viele Erleichterungen gebracht und ihre Leben verlängert. Demgegenüber stehen die steigenden Zahlen an Erkrankungen und neue Formen von Krankheit. Es gibt auch eine zunehmende Unzufriedenheit über die medizinische Versorgung bei vielen Menschen, selbst in Ländern wie dem unsrigen mit enormen Ausgaben für das Gesundheitssystem. Die nach der klassischen Wissenschaft ausgerichtete sogenannte Schulmedizin kann vielen Menschen helfen, aber nicht allen. Sie wirkt am besten beim »Normalpatienten«, der durchschnittliche Belastungswerte und Sensibilitäten aufweist. Andere reagieren allergisch auf Medikamente oder vertragen die Standarddosierungen nicht.

Die grundlegendste Änderung, an deren Anfang wir möglicherweise stehen, heißt: Selbstverantwortung übernehmen. Wir sind es gewohnt, dass sich andere um unsere Gesundheit kümmern: die Ärzte, die Spitäler und das ganze Sozial- und Gesundheitssystem. Es geht jetzt darum, den Teil an Verantwortung wieder zu uns selbst zurückzuholen, den wir übernehmen können. Wir müssen nicht auf die Vorzüge einer Unterstützung durch Experten verzichten, sollten aber für uns selber die ersten Experten für unseren Körper werden.

Die Medizin der Dritten-Person-Perspektive (sie diagnostiziert und behandelt die Symptome von außen) braucht die Ergänzung durch die Erste-Person-Perspektive (sie erforscht die Symptome von innen). Also geht es darum, dass wir unsere eigenen Gesundheitskompetenzen aufbauen und verbessern. Dazu gehören:

  •  das Einholen und Anwenden von Information, also die Gesundheitsbildung,
  • die Verbesserung des eigenen Lebensstils in Bereichen, in denen das eigene Wohlbefinden zu kurz kommt oder in Mitleidenschaft gezogen wird, 
  • der Aufbau und die Pflege von Übungen und Praktiken, die der Gesunderhaltung dienen, sowie
  • die kontinuierliche Aufmerksamkeit auf die Innenperspektive, also das innere Gesundheitsmonitoring.


Es gibt einen Königsweg zur Innenschau:
Unsere Atmung. Wenn wir sie beobachten, erkennen wir, wie es uns gerade geht, ob wir abgespannt oder entspannt sind oder ob wir unter Stress stehen. Wir können sie auch lenken und regulieren: Mit der Entspannung der Ausatmung werden wir ruhiger, mit der Verstärkung der Einatmung aktiver.

Neben vielen Atemübungen bietet sich ein Weg besonders als Methode der Eigenvorsorge an: Das kohärente Atmen. Es hilft effektiv, das autonome Nervensystem in Balance zu bringen und die Eigenwahrnehmung zu verbessern. Wir können besser mit Akutsituationen umgehen. Langfristig stärken wir unseren Parasympathikus und unterstützen damit unser Immunsystem, unsere Resilienz und Stressresistenz. Wir sind jeden Tag, jede Stunde, jede Minute mit uns selber zusammen. Wir wissen in jedem Moment unseres Lebens, wie es uns gerade geht, wir müssen nur in unserem Inneren nachfragen. Was wir brauchen, ist ein Gespür dafür, wann wir im inneren Gleichgewicht sind und wann wir herausfallen. Und dass wir, wenn wir in ein Ungleichgewicht gekommen sind, einen Weg finden, der uns wieder zurück ins Gleichgewicht führt. Der einfachste Indikator für innere Störungen ist unsere eigene Atmung, und der einfachste Korrektor ebenfalls. Die Atembewusstheit, also das Achten auf die eigene Atmung, ist ein hilfreicher und stets vorhandener Zugang zu uns selbst, und die Selbstregulierung der Atmung eine ausgezeichnete Methode, um den Einklang mit uns selbst immer wieder herzustellen.

Auf diesem Weg werden wir zu den ersten Experten für unsere eigene Gesundheit. Von Objekten des Gesundheitssystems emanzipieren wir zu selbstverantwortlichen Subjekten und kompetenten Partnern der spezialisierten Experten.

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Ausgabe 47

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