Maimanifest 2015

Maimanifest 2015

Manifest für eine gemeinwohlorientierte Genossenschaftsbewegung

In der aktuellen Krise des Vertrauens in das vorherrschende Wirtschaftssystem bieten die ursprüng­lichen Ideen und Konzepte der Genossenschaft als Rechtsform des solidarischen Wirtschaftens entscheidende Grundlagen für eine Neuorientierung unseres wirtschaft­lichen Handelns. Darüber hinaus setzt diese Rechtsform, die nicht auf eine Wertsteigerung der Geschäftsanteile abzielt, einen klaren Gegenakzent zu einer Shareholdergesellschaft, in der die Interessen der Kapitalgeber auf Maximierung ihrer Profite den Vorrang vor den Interessen der Mitarbeiter­Innen, der Gesellschaft und der Umwelt beanspruchen und durchsetzen.

Wir sind entschlossen, in einer gemeinsamen Initiative überkonfessionell und unabhängig von politischen Parteien dem ursprünglichen Konzept der Genossenschaft neues Leben einzuhauchen, weil wir eine starke Sehnsucht einer wachsenden Gruppe engagierter Menschen wahr­nehmen, ihre Erfahrung, ihr Wissen, ihr berufliches Können und ihre Leidenschaft in den Aufbau einer gemeinwohl­orientierten Wirtschaft einzubringen.

Wir wollen durch die Gründung eines neuen Revisionsverbandes für Genossenschaften und durch die Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Institutionen und Unter­nehmen …

  • die Ausrichtung der Wirtschaft aufs Gemeinwohl und damit auf Werte wie Menschenwürde, Solidarität, Transparenz, kulturelle Vielfalt und Mitbestim­mung, öko­logische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit lenken.
  • die Expertise des gemeinwohlorientierten Wirtschaftens durch Bildung, Vernetzung und Erfahrungsaustausch stärken und ausbauen.
  • die Überzeugung verbreiten, dass wirtschaftliches Handeln nur dann nachhaltig erfolgreich sein kann, wenn es ökologisch, ökonomisch und sozial orientiert ist und die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Natur, auf den sozialen Zusammenhalt sowie auf vor- und nachgelagerte Wirtschaftsbereiche mitbedenkt (und damit »enkeltauglich« ist).
  • einen Rahmen anbieten, der engagierten Menschen die Gründung von Genossenschaften auf Basis dieser Werte erleichtert und sie dabei unterstützt, die Förderung der Wirtschaft und des Erwerbs ihre Mitglieder (§ 1 Genossenschaftsgesetz) durch die Beachtung der genannten Prinzipien nachhaltig abzusichern.
  • im Rahmen unseres Verbandes eine Struktur für Bildungsangebote entwickeln und umsetzen, die Genossenschaftsmitglieder dabei unterstützt, die mit ihrer Mitgliedschaft verbundene Eigentümerfunktion verantwortungsbewusst und nachhaltig wahrzunehmen.
  • das Potenzial der Genossenschaft bei der Suche nach Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit ins Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit rücken.
  • Menschen ermutigen, Projekte gemeinsam in Genossenschaften zu realisieren (z.B. erneuerbare Energieprojekte, Nutzungsgemeinschaften im Sinne der Shared Economy, Regionalentwicklungsprojekte, ProduzentInnen- und KonsumentInnen-Vernetzung) und sich gegenseitig in Genossenschaften bei der Entwicklung und Realisierung ihrer beruflichen Zielvorstellungen zu unterstützen.
  • Menschen dabei unterstützen, durch genossenschaftliches Zusammenwirken sinnerfüllende Formen der Arbeit zu schaffen und ein Leben in Würde zu ermöglichen, das unter heutigen Bedingungen vielfach nicht möglich ist.
  • wir wollen zivilgesellschaftliche Initiativen ermutigen, in der Rechtsform der Genossenschaft gemeinsam in demokratischen Strukturen wirtschaftlich tätig zu werden.
  • wirtschaftliche Innovationen anstoßen, die Freiräume für Bedürfnisse jenseits der Geldwirtschaft schaffen.

Wir wollen dazu beitragen, dass wechselseitiges Vertrauen und wertschätzende Kooperation an die Stelle destruktiver Konkurrenz tritt.

Per Akklamation angenommen von den TeilnehmerInnen des Symposiums GEMEINSINNIGES WIRTSCHAFTEN in Schrems am 25. Mai 2015

Maimanifest, Originalseite aus BRENNSTOFF 47

 

Weiterführendes zum Thema

Artikel dieser Ausgabe
Editorial Heini Staudinger

Ausgabe 47

2 Minuten

Kommentar Moreau

Quo Vadis?

2 Minuten

Kommentar Moreau

Ein Leben für den Irrtum

1 Minute

Kommentar Heini Staudinger

Endlich! Endlich! Rückenwind

3 Minuten

Manifest Brennstoff Redaktion

Maimanifest 2015

2 Minuten

Essai Dr. Wilfried Ehrmann

Quo vadis Gesundheit

3 Minuten

Short Cuts Moreau

Die Wahrheit ist ein pfadloses Land

3 Minuten

Interview Rainer Wisiak

SagMeister

6 Minuten

Buchauszug Martin Buber

Der Weg des Menschen

3 Minuten

Kommentar Ewald Grünzweil

Diese Wirtschaft tötet

3 Minuten

Reportage Heini Staudinger

Afrika – quo vadis?

3 Minuten

Short Cuts Brennstoff Redaktion

Der Fluch des Reichtums

3 Minuten

Kommentar Christian Felber

Ethisch handeln

3 Minuten

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