Ausgabe 45

Liebe Freundinnen, liebe Freunde!

Irgendwie ist da was schief gegangen und es schaut so aus, als ginge es weiter schief. Die technologische Entwicklung ist irr. Es ist toll, was Maschinen alles können. Die Leistungsfähigkeit der Computer ist gigantisch – und doch, so frag ich mich: wo bleibt denn bloß die Erleichterung? In meinem Bekanntenkreis arbeiten alle, die (noch) Arbeit haben, wie verrückt. Die meisten von ihnen/wir!? arbeiten ziemlich viel… Arbeitszeitverkürzung – für die einen ein Fremdwort, für die anderen macht sie (»dank« des immer schärfer werdenden Wettbewerbes) den Druck auf die verbleibende Arbeitszeit eher noch höher. In der nun kürzeren Arbeitszeit muss immer noch mehr herauskommen und tatsächlich: es kommt auch mehr und mehr und noch mehr heraus.

Nun steht eine neue technische Revolution vor der Tür. Es werden noch mehr Waren und Güter herauskommen, die keine/r braucht, und noch mehr Geräte, die man nicht mehr reparieren kann. Und nebenbei werden Millionen von Arbeitsplätzen verloren gehen und die Kunden, die diese vielen Waren kaufen sollen, werden weniger. Und noch immer stecken wir in dem Schwachsinn gefangen, dass
Arbeit mit den höchsten Steuern und Abgaben belastet ist, während die Maschinen Tag und Nacht, Sonntag und Feiertag, Schwarzarbeit verrichten.

Der Mainstream ist rücksichtslos. Er deckt die Privilegien der wenigen Gewinner. Ihre Vermögen sind nicht oder kaum versteuert, während der Staat sich vor allem von der Arbeit der Kleinen gnadenlos die Steuern holt. Das gesellschaftliche Gleichgewicht geht mehr und mehr verloren. Global ist es längst eine Katastrophe. Nun rückt uns diese Bedrohung auf den eigenen Pelz. Mit den Methoden der Vergangenheit werden wir die heutigen Probleme und die Herausforderungen der Zukunft garantiert nicht meistern können.

Antonovsky, der Entdecker der Salutogenese, sagt, um gesund zu sein, müssen wir 1. die Welt, in der wir leben, irgendwie verstehen. 2. müssen wir in dieser Welt handeln dürfen und 3. müssen wir unser Handeln in einem sinnvollen und größeren Zusammenhang erleben dürfen. Wenn wir diese drei Punkte einigermaßen erfüllen können, dann schaffen wir eine gute Basis für unsere Gesundheit. Um diese Basis zu schaffen, müssen wir andere Wege beschreiten als die, die uns in diese Krise geführt haben. Und dafür müssen wir noch einiges lernen. »Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück.« Da hat er recht, der alte Laotse.

Das meint im Ernst

Heini Staudinger

Artikel dieser Ausgabe
Editorial Heini Staudinger

Ausgabe 45

2 Minuten

Buchauszug Patrick Spät

Automatisch arbeitslos

11 Minuten

Essai Dschuang Dsi und Moreau

MaschinenHerz

3 Minuten

Essai Fabian Scheidler

Das Ende der Megamaschine

8 Minuten

Essai Josef Stampfer

Genossenschaft – Illusion und Wirklichkeit

3 Minuten

Buchauszug Günther Anders

Moralische Phantasie

3 Minuten

Essai Huhki Henri Quelcun

L'homme démachiné

4 Minuten

Kommentar Heini Staudinger und Sylvia Kislinger

Afrika. Zeichen der Verbundenheit

3 Minuten

Empfehlung Sylvia Kislinger

Oskarl für Improvisation

2 Minuten

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